Deutsche Wirtschaftsstruktur auf dem Prüfstand: Sparkassenverband fordert dringend Reformen
Inmitten der aktuellen Wirtschaftskrise hebt der Präsident des Sparkassenverbandes Rheinland-Pfalz, Thomas Hirsch, eine besondere deutsche Eigenschaft hervor: die Fähigkeit, auf bewundernswerte Weise durchzuhalten. Diese Stärke, so Hirsch, verhindert jedoch, dass die Dramatik der wirtschaftlichen Herausforderungen deutlich wahrgenommen wird. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erläutert Hirsch, dass der nötige Reformdruck aufgrund des weiterhin relativ guten Lebensstandards vieler Bürger noch nicht spürbar sei.
Hirsch, der ehemalige Oberbürgermeister von Landau, betont, dass ein spürbarer Leidensdruck oft der Anstoß zu notwendigen Reformen sei. Menschen würden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten meist erst dann ernst nehmen, wenn sie direkt davon betroffen sind – sei es durch gestiegene Müllgebühren oder die Schließung öffentlicher Einrichtungen. Diese persönliche Erfahrung im kommunalpolitischen Bereich lehrte Hirsch, dass Abstraktes oft erst durch konkrete Veränderungen greifbar werde.
Er kritisiert die bestehenden Bürokratien und Regularien in Deutschland, besonders in Bezug auf Förderungen in Bereichen wie dem sozialen Wohnungsbau. Ein Investor, der ein Jahr auf eine Förderzusage warten muss, illustriert für Hirsch die unnötige Komplexität der Vorschriften. Auch in der Bankenwirtschaft sieht er Handlungsbedarf: Die Vielzahl an EU-Regularien belaste vor allem kleinere Institute wie Sparkassen, die dadurch bei der Kreditvergabe zusätzlich gebremst werden. So könne dringend benötigter Wohnraum aufgrund dieser Regularien nicht zeitnah finanziert werden.

