Deutsche Wirtschaft vor Herausforderungen und Chancen: Experten fordern Reformen
Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr sind gemäß führender Forschungsinstitute verhalten optimistisch, wenn auch durchwachsen. Trotz eines erwarteten Wachstums stehen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf unsicheren Füßen. Geraldine Dany-Knedlik, Konjunkturexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, mahnt an, dass eine überfällige "Verjüngungskur" ausbleibe und ruft die Bundesregierung zu Reformen auf. Im Kern soll das prognostizierte Wachstum durch milliardenschwere staatliche Investitionen angetrieben werden, während grundlegende Strukturreformen als notwendig erachtet werden, um diesen Trend zu stabilisieren. Die erwartete BIP-Steigerung für das laufende Jahr liegt bei bescheidenen 0,2 Prozent.
Dagegen stellt sich die Handelslandschaft durch höhere Zölle auf EU-Importe in den USA als herausfordernd dar, mit einem prognostizierten Exportminus von 2,5 Prozent bis 2025, insbesondere für Schlüsselindustrien wie Automobil und Stahl. Die Institute gehen jedoch davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in den nächsten zwei Jahren allmählich an Dynamik gewinnen wird. Für 2026 wird ein Wachstum von 1,3 Prozent und für 2027 von 1,4 Prozent prognostiziert. Hierbei soll eine expansive Finanzpolitik unterstützend wirken, auch wenn die strukturellen Defizite weiterhin bestehen bleiben.
Besonders hervorzuheben ist das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen, das sich über zwölf Jahre erstrecken soll und Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz ermöglicht. Gleichermaßen bleibt die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte durch hohe Energie- und Lohnstückkosten sowie Fachkräftemangel unter Druck. Der demografische Wandel mit niedrigen Geburtsraten und einer alternden Bevölkerung stellt weitere Herausforderungen für zukünftiges Wachstum dar. Wirtschaftsverbände und Institute orten dringenden Reformbedarf, insbesondere bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und der Stabilisierung sozialer Systeme. Mit einem "Herbst der Reformen" will die Politik diesen Herausforderungen begegnen. Ziel ist es, Sparmaßnahmen zu ergreifen und die Rückintegration von Menschen in den Arbeitsmarkt zu fördern. Ob grundlegende Reformen in den Bereichen Rente oder Pflege jedoch zeitnah durchgeführt werden, bleibt abzuwarten.

