Deutsche Wirtschaft überrascht mit Wachstumsschub
Die Nachricht kam unerwartet: Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Quartal ein Wachstum von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal verzeichnet, doppelt so viel wie ursprünglich prognostiziert. Laut dem Statistischen Bundesamt waren steigende Exporte sowie erhöhte Konsumausgaben der Verbraucher die treibenden Kräfte hinter dem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ursprünglich war man von einem Zuwachs von lediglich 0,2 Prozent ausgegangen.
Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, verwies auf eine „überraschend positive konjunkturelle Entwicklung im März“, die maßgeblich zu der Korrektur beitrug. Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe und der Exportsektor, allen voran die Ausfuhren von Autos und Arzneimitteln, schnitten besser ab als erwartet. Auch Vorzieheffekte angesichts des Handelskonflikts mit den USA spielten eine Rolle.
Die privaten Konsumausgaben stiegen um 0,5 Prozent und sorgten damit zusätzlich für wirtschaftlichen Rückenwind. Demnach hat die rückläufige Inflation, gepaart mit zum Teil deutlich gestiegenen Löhnen, das verfügbare Einkommen vieler Menschen erhöht. Investitionen in Bauten und Ausrüstungen verzeichneten ebenfalls Zuwächse von 0,5 bzw. 0,7 Prozent.
Trotz des positiven Trends droht der deutschen Wirtschaft laut Prognosen ein weiteres Jahr ohne Wachstum. Ökonomen revidierten ihre Erwartungen für 2025, was auf die fortwährenden Unsicherheiten im internationalen Handel, namentlich mit den USA, zurückgeführt wird. Zwar setzte die US-Regierung unter Präsident Donald Trump einige Importzölle vorübergehend aus, doch der allgemeine Basiszoll von zehn Prozent bleibt bestehen und trifft besonders die Auto- und Stahlindustrie hart.
Für 2025 erwarten der Sachverständigenrat ('Wirtschaftsweise'), der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU-Kommission eine Stagnation der deutschen Wirtschaft. Erst für 2026 wird ein leichtes Wachstum von 1,0 Prozent prognostiziert, was unter anderem auf geplante staatliche Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur zurückzuführen ist. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sieht Anzeichen für Entspannung im Zollstreit nach G7-Gesprächen.
Auch Reformen der neuen Bundesregierung, darunter eine Senkung der Stromsteuer sowie Arbeitsmarktanpassungen, könnten der Wirtschaft neuen Schwung verleihen.

