Deutsche Wirtschaft: Ein langsamer Weg zur Erholung
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Konjunktur. Laut Helena Melnikov, der Hauptgeschäftsführerin der DIHK, gibt es noch keine Anzeichen für den wirtschaftlichen Aufschwung, den Deutschland dringend benötigt. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg könnte die Wirtschaftsleistung im dritten Jahr in Folge zurückgehen, was Handlungsbedarf erfordert, um ein 'verlorenes Jahr' zu vermeiden.
Die DIHK prognostiziert für das Jahr 2023 einen leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent. Damit zeigt sich die Kammer pessimistischer als die Bundesregierung und die sogenannten Wirtschaftsweisen, die eine Stagnation des BIP im selben Zeitraum erwarten. Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 23.000 Unternehmen offenbart, dass trotz einzelner positiver Signale die Stimmung in der Wirtschaft weiterhin angespannt bleibt.
Nur ein Viertel der Befragten sieht ihre derzeitige Lage als positiv an, während die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die schwache Nachfrage im Inland, hohe Arbeitskosten sowie steigende Energie- und Rohstoffpreise als größte Risiken genannt werden. Hinzu kommt eine unberechenbare US-Zollpolitik, die Unsicherheiten schürt. Melnikov betont, dass viele Unternehmen mit neuen Investitionen zögern.
Sie fordert daher dringend wirtschaftspolitische Maßnahmen wie die Senkung der Stromsteuer auf ein europäisches Mindestniveau, erleichterte Abschreibungen und einen Abbau von Bürokratie, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das von der Regierung geplante Sondervermögen in Höhe von 500 Milliarden Euro soll Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz fördern, wobei die Industrie und das Baugewerbe als erste Nutznießer davon profitieren könnten.
Im Vorfeld der Sommerpause hat die neue Bundesregierung ein Maßnahmenpaket angekündigt, um Unternehmen zu entlasten und Investitionen anzuregen, einschließlich der Senkung der Stromsteuer und der Verbesserung der Abschreibungsbedingungen.

