Krieg

Merz weist auf Risiken der Angriffe auf den Iran hin

01. März 2026, 18:00 Uhr · Quelle: dpa
Kanzler Friedrich Merz
Foto: Michael Kappeler/dpa
Kanzler Merz sieht die Angriffe auf den Iran skeptisch.
Nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran sucht Deutschland nach einer Haltung dazu. Der Kanzler kann seine Skepsis nicht verbergen, will die USA und Israel aber auch nicht belehren.

Berlin (dpa) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat auf Risiken der Angriffe Israels und der USA gegen den Iran hingewiesen. «Die Militärschläge sollen das zerstörerische Spiel eines geschwächten Regimes beenden», sagte der CDU-Politiker in Berlin. «Das ist nicht ohne Risiko.» 

Man wisse nicht, «in welche Eskalation die harten iranischen Gegenschläge die Region noch ziehen werden». Und man wisse nicht, «ob der Plan aufgeht, durch Militärschläge von außen einen politischen Wandel von innen heraus zu ermöglichen». 

Israel und die USA hatten am Samstagfrüh Luft- und Raketenangriffe gegen Ziele im Iran begonnen, bei denen auch Religionsführer und Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion, in der es US-Militärstützpunkte gibt.

US-Präsident Donald Trump hatte die iranische Bevölkerung nach Beginn der Angriffe zum Umsturz aufgerufen. «Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung», wandte er sich an das 90-Millionen-Volk. 

Merz erinnert an Afghanistan, Irak und Libyen 

Merz äußerte sich dazu skeptisch auch mit Blick auf frühere militärische Interventionen. «Die innere Dynamik im Iran ist nur schwer zu durchschauen», sagte Merz. Der Vergleich mit den westlichen Interventionen in Afghanistan, im Irak und in Libyen trage nur zum Teil. «Aber er zeigt doch, wie real die Risiken mittelfristig sind. Ihre Folgen hätten auch wir in Europa und in Deutschland zu tragen.» 

Auf den nach zwei Jahrzehnten beendeten internationalen Militäreinsatz in Afghanistan folgte die Rückkehr der islamistischen Taliban an die Macht. Auf die Invasion der USA und einer «Koalition der Willigen» im Irak folgten ein langer Bürgerkrieg und der Aufstieg der Terrororganisation Islamischer Staat. Und auch Libyen versank nach einer militärischen Intervention in seinem jahrelangen Bürgerkrieg. 

Völkerrechtliche Einordnungen werden «relativ wenig bewirken»

Merz äußerte sich nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats im Kanzleramt. Er verzichtete wie schon in seiner ersten Reaktion am Samstag auf direkte Kritik an den USA und Israel und betonte, dass er auf Belehrungen verzichten wolle. Er machte auch deutlich, dass die Frage, ob der Einsatz vom Völkerrecht gedeckt ist, für ihn derzeit nachrangig ist. «Völkerrechtliche Einordnungen werden dabei relativ wenig bewirken. Das gilt umso mehr, wenn sie weitgehend folgenlos bleiben», sagte er. 

Er verwies darauf, dass die Verurteilung iranischer Rechtsbrüche und selbst umfangreiche Sanktionspakete über Jahre und Jahrzehnte wenig ausgerichtet hätten. «Das hat auch daran gelegen, dass wir nicht bereit waren, grundlegende Interessen notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Deshalb ist jetzt nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren.» Bei allen Zweifeln würde Deutschland viele ihrer Ziele teilen.

«Das Mullah-Regime ist ein Terrorregime»

Den Iran kritisierte Merz erneut mit deutlichen Worten. «Das Mullah-Regime ist ein Terrorregime, das verantwortlich ist für die Jahrzehnte währende Unterdrückung des iranischen Volkes», betonte er mit Blick auf die gegenwärtige Führung des Irans. Die Bundesregierung teile «die Erleichterung vieler Iranerinnen und Iraner, dass dieses Mullah-Regime jetzt an sein Ende kommt». Mit den Vereinigten Staaten und Israel teile man das Interesse daran, dass «der Terror dieses Regimes aufhört und die gefährliche nukleare und ballistische Aufrüstung gestoppt wird».

Deutschland war an den Militärschlägen nicht beteiligt. Die Bundesregierung wurde am Samstagmorgen über die Angriffe Israels vorab informiert. Merz telefonierte am Samstag auch mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Von einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump ist bisher nichts bekannt. Merz reist aber am Montag in die USA, um dort Trump am Dienstag zu treffen. Die Reise ist schon länger geplant. 

Klingbeil für Ende der «Gewaltherrschaft der Mullahs»

Mehrere deutsche Politiker sprachen sich für Veränderungen im Iran aus. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) erklärte vor Bekanntwerden der Tötung Chameneis: «Wir sind uns mit unseren internationalen Partnern einig, dass Iran keine Atomwaffen besitzen darf und die brutale, menschenverachtende Gewaltherrschaft der Mullahs besser heute als morgen enden sollte.» 

CSU-Chef Markus Söder schrieb am Sonntag auf der Plattform X, der entschlossene Einsatz der USA und Israels ermögliche endlich den erhofften Wandel im Iran. «Nach Jahrzehnten unter der Herrschaft eines grausamen Terrorregimes bietet sich nun die Chance auf Freiheit und die Einhaltung von Menschenrechten.» 

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte, die Gedanken seien bei den Menschen im Iran, die einen «absolut berechtigten Wunsch nach einem Ende des Regimes und ein Recht auf ein Leben in Sicherheit und Freiheit» hätten. 

Kritik von AfD und Linke an Angriffen

Die Linkspartei kritisierte die Angriffe. Die USA und Israel legten damit «die Lunte an das Pulverfass eines Krieges, der verheerende Folgen für den Mittleren Osten und darüber hinaus haben wird», sagte Fraktionschef Sören Pellmann. Die AfD-Fraktionschefs Alice Weidel und Tino Chrupalla erklärten: «Die erneute Destabilisierung des Nahen Ostens liegt nicht im deutschen Interesse und muss beendet werden.»

Krieg / Konflikte / Israel / Iran / USA / Deutschland / Merz
01.03.2026 · 18:00 Uhr
[0 Kommentare]
Fahrkartenkontrolle (Archiv)
Berlin - Der Deutsche Anwaltverein (DAV) drängt auf eine Entkriminalisierung des Schwarzfahrens im öffentlichen Nahverkehr. Derzeit gilt das Fahren ohne Fahrschein in Deutschland als Straftat. Ein Zustand, den der Verein für sozialpolitisch verfehlt hält. "Der soziale Nutzen der Strafbarkeit ist zweifelhaft, der Schaden für die Allgemeinheit dagegen […] (04)
vor 1 Stunde
Quantenphysik schlägt künstliche Intelligenz — mit nur neun Atomen
Wer mehr Rechenleistung braucht, baut größere Systeme — so lautet die Grundannahme, auf der ein großer Teil der modernen Computerentwicklung beruht. Mehr Schichten, mehr Verbindungen, mehr Energie. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Physical Review Letters, stellt diese Logik grundsätzlich infrage. Ein Forschungsteam hat […] (01)
vor 10 Stunden
iPhone ausschalten
Berlin (dpa/tmn) - Trotz jahrelanger Nutzung dürfte es den meisten iPhone-Besitzern wohl nur äußerst selten passiert sein. Aber wenn sich das iPhone doch mal aufhängt und so gar nicht mehr reagiert, dann wissen viele User gar nicht weiter. Dabei ist die Lösung zum Glück oft recht einfach. Ein erzwungener Neustart. Und der geht so: Die Seitentaste […] (00)
vor 2 Stunden
Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Stunden ich allein in Charakter-Editoren verbracht habe. Über alle Spiele hinweg, seit ich 2003 meinen ersten Helden in Neverwinter Nights zusammengeklickt habe. Das Ergebnis: mindestens 200 Stunden. Zweihundert Stunden, in denen ich Nasenlängen justiert, Augenbrauen verschoben und Haarfarben verglichen habe, ohne […] (01)
vor 5 Stunden
Prime Video zeigt Doku «Jerry West: The Logo» im April
Der Streamingdienst widmet der Basketball-Legende eine persönliche und schonungslose Dokumentation. Prime Video hat den Trailer zur Dokumentation Jerry West: The Logo veröffentlicht. Der abendfüllende Film feiert am 16. April seine Premiere und wird weltweit in mehr als 240 Ländern und Territorien verfügbar sein. Regie führt Kenya Barris, der mit «Jerry West: The Logo» sein Dokumentarfilmdebüt […] (00)
vor 14 Stunden
Daniel Altmaier
Monte-Carlo (dpa) - Tennisprofi Daniel Altmaier hat sein Auftaktmatch beim Masters-1000-Turnier in Monte-Carlo verloren. Der Deutsche unterlag dem Tschechen Tomas Machac in einer umkämpften Partie mit 4: 6, 6: 1, 3: 6. Nach verlorenem ersten Satz zeigte sich Altmaier stark verbessert. Nach einem schnellen Break zum 3: 1 wehrte er in einem umkämpften […] (01)
vor 8 Stunden
bitcoin, gold, coin, icon, symbol, logo, bitcoin gold, bitcoin logo, currency, cryptocurrency
Der berüchtigte Trader James Wynn, bekannt für seine hochriskanten Hebelgeschäfte, hat erneut eine massive Liquidation erlitten, als der Bitcoin-Kurs anstieg. Dies markiert seine sechste Liquidation innerhalb von nur zwei Wochen. Wynn erneut von Bitcoin überrollt James Wynn, bekannt für seine extremen Hebelwetten, die sowohl spektakuläre Gewinne als […] (00)
vor 1 Stunde
Veranstaltungstipp – Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen und freier Eintritt
Mainz, 06.04.2026 (lifePR) - Wir laden Familien herzlich zu einer gemeinsamen Entdeckungstour durch die Kunsthalle ein. Hier gibt es immer etwas anderes zu erleben. Gemeinsames Rätseln, Forschen oder Zeichnen vor den Kunstwerken – mach einfach mit! Der Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen findet am Sonntag, den 19/04 um 14 Uhr statt und ist Teil des Programms  Freistunden. Im Rahmen der  […] (00)
vor 8 Stunden
 
Krankenwagen
Korinth (dpa) - Eine 43 Jahre alte Touristin aus Deutschland ist im Raum der […] (02)
Viktor Orbán (Archiv)
Budapest - Der frühere ungarische Außenminister und EU-Kommissar Peter Balazs hat […] (00)
Buckelwal liegt weiter in Wismarbucht
Wismar (dpa) - Am Dienstag könnte klar sein, wie es mit dem in der Ostsee vor Wismar […] (06)
Nasa-Mondmission «Artemis 2»
Houston (dpa) - Die vier Astronauten der «Artemis 2»-Mission haben die Einflusssphäre […] (00)
Review: Reolink Duo 3V PoE – statische Überwachung mit Dual-Kamera
Die Reolink Duo 3V PoE fällt schon beim ersten Blick aus dem Rahmen klassischer […] (00)
«Hollywood Demons» kehrt im April mit neuer Staffel zurück
Investigation Discovery setzt die True-Crime-Reihe fort und beleuchtet erneut die dunklen […] (00)
Super Mario Galaxy-Film sprengt Kino-Rekorde – Milliarden-Erfolg zeichnet sich ab
Was gerade im Kino passiert, fühlt sich fast unwirklich an. Der neue Super Mario-Film […] (00)
Dynamo Dresden - Hertha BSC
Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und DFB-Präsident Bernd […] (06)
 
 
Suchbegriff