Deutsche Börse plant rekordverdächtige Akquisition von Allfunds
Die Deutsche Börse setzt einen historischen Meilenstein mit einem milliardenschweren Übernahmeangebot für die Fondsplattform Allfunds. Das Angebot umfasst 8,80 Euro pro Aktie, wobei 6 Euro in bar ausgezahlt werden und der Rest durch eigene Aktien sowie eine Bardividende ergänzt wird. In der Summe beläuft sich die Kaufofferte auf beeindruckende 5,3 Milliarden Euro, wie der DAX-Konzern am Mittwochabend in Eschborn bekannt gab. Die Finanzmärkte reagierten am Donnerstag positiv auf die Nachricht.
Direkt nach Handelsbeginn kletterte die Aktie der Deutschen Börse um etwa 4,4 Prozent auf 218,40 Euro, was sie zu einem der stärksten Wertpapiere im DAX machte. Auch die Aktien von Allfunds verzeichneten einen Anstieg von 4,3 Prozent auf 8,30 Euro, blieben jedoch unter dem Übernahmeangebot. Bereits Ende November hatte die Deutsche Börse bestätigt, in exklusiven Gesprächen mit Allfunds zu stehen und den genannten Kaufpreis in Aussicht gestellt.
Allfunds stellt Managern und Verkäufern von Investmentfonds Systeme für Handel und Ausführung bereit, ergänzt durch Datenanalyse und Compliance-Dienstleistungen. Ende 2025 betrug das verwaltete Vermögen des Unternehmens rund 1,7 Billionen Euro. Die Hauptaktionäre von Allfunds, Hellman & Friedman sowie BNP Paribas, kontrollieren zusammen nahezu die Hälfte der Anteile. Der Vorstand von Allfunds hat die Übernahmepläne einstimmig befürwortet, und bereits fast 49 Prozent des Aktienkapitals wurden angedient, obwohl die Zustimmungsschwelle bei 75 Prozent liegt.
Die Deutsche Börse plant, mit der Fusion jährlich 60 Millionen Euro an Kosten vor Steuern einzusparen und rechnet mit einem Abschluss der Übernahme im ersten Halbjahr 2027, vorbehaltlich regulatorischer Zustimmungen. Der Zusammenschluss soll eine "harmonisierte Plattform mit globaler Reichweite" schaffen und es Privatinvestoren erleichtern, in Kapitalanlagen zu investieren. Schon im November hob die Deutsche Börse die Vorteile für Kunden und den EU-Aktienmarkt hervor, die durch die vereinte Plattform erwartet werden.
Sollte die Transaktion erfolgreich sein, würde es sich um die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte handeln. Zuvor war die teuerste Akquisition die von SimCorp im Jahr 2023 für 3,9 Milliarden Euro gewesen. Enrico Bolzoni, Branchenexperte bei JPMorgan, prognostiziert, dass Allfunds bereits im ersten Jahr nach der Akquisition positiv zum Gewinn der Deutschen Börse beitragen wird und sieht weiteres Potenzial für einen Anstieg des Aktienkurses des DAX-Unternehmens auf 298 Euro.
Generaldirektor Stephan Leithner verfolgt mit der Übernahme das Ziel, die Deutsche Börse unabhängiger von Börsenschwankungen zu machen, eine Strategie, die bereits von seinem Vorgänger Theodor Weimer angestoßen wurde.

