Deutsche Bahn: Verwirrung um Reisendenstatistiken
Die Deutsche Bahn sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, die Pünktlichkeitsstatistik ihres Fernverkehrs durch gezielte Zugstopps zu beschönigen. Nachdem ein Bericht des "Spiegel" diese Praktiken ans Licht brachte, verteidigte sich der in staatlichem Besitz befindliche Konzern umgehend und stellte klar, dass solche Maßnahmen nicht dazu dienen, die Erfassung der Verspätungsstatistik zu umgehen. Der "Spiegel" hatte zwei Fälle dokumentiert, in denen Züge mit erheblicher Verspätung gestoppt wurden, um den Reisenden einen Umstieg auf andere Verbindungen zu ermöglichen.
Der Hintergrund dieser Vorfälle liegt in der unterschiedlichen Erhebung von Zug- und Reisendenpünktlichkeit. Während die unternehmenseigene Statistik die Pünktlichkeit der Züge erfasst, die Haltepunkte mit mehr als sechs Minuten Verzögerung erreichen, wird das teils ausgefallene Strecken nicht mitgezählt. Die separat erhobene Reisendenpünktlichkeit hingegen berücksichtigt Zugausfälle und misst den Prozentsatz jener Reisenden, die mit maximal 14 Minuten und 59 Sekunden Verspätung ihr Ziel erreichen.
In einer internen Kommunikationsplattform, "BetriebLive", soll hierzu ein missverständlicher Kommentar eines Mitarbeiters veröffentlicht worden sein, der den Anschein erweckte, die Deutsche Bahn stoppe Züge absichtlich zur Verbesserung der Statistik. Die Bahn erklärte, dass dieser Kommentar unzutreffend sei und der betreffende Mitarbeiter bereits kontaktiert wurde.
Die Deutsche Bahn stellt klar, dass Zugstopps aus anderen Gründen geschehen: Insbesondere müssen arbeitsrechtliche Bedingungen für das Zugpersonal eingehalten werden, und stark verspätete Züge könnten das ohnehin überlastete Schienennetz zusätzlich beeinträchtigen. Wichtig sei hierbei, dass den Reisenden eine direkte alternative Reiseverbindung angeboten werde.

