Deutsche Bahn im Zwiespalt: Fortschritte und Sorgenkindern im Fokus
Die Deutsche Bahn steht in einem komplexen Spannungsfeld zwischen beachtlichen Fortschritten und andauernden Herausforderungen. Im ersten Halbjahr konnten die Verluste signifikant gesenkt werden, und die Weichen zur Renovierung der vielbefahrenen Streckennetzwerke sind gestellt. Zukünftig stehen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, um das Schienennetz zu modernisieren. Doch die Reise zu einem optimal funktionierenden Bahnsystem ist noch lang.
Obwohl die finanzielle Seite der Bahn sich verbessert hat, bleibt die Pünktlichkeit der Züge auf einem historischen Tiefstand, und die Auslastung im Fernverkehr genügt nicht den Erwartungen. Ein rigider Sparkurs sorgt für Unmut unter den Mitarbeitern. Bahnchef Richard Lutz kommentiert, dass die Fortschritte in der Wirtschaftlichkeit zwar bemerkenswert seien, aber aufgrund der hohen Bautätigkeit und der mangelhaften Anlagenqualität noch nicht die erhofften Ergebnisse in der Pünktlichkeit sichtbar werden.
Nur 63,4 Prozent der Fernzüge erreichten im ersten Halbjahr pünktlich ihr Ziel, was unterhalb des selbstgesteckten Zieles von 65 Prozent liegt und weiterhin die Herausforderungen des überlasteten und veralteten Schienennetzes verdeutlicht. Um die Infrastruktur zu verbessern, investiert die Tochtergesellschaft DB InfraGo 350 Millionen Euro in Sanierungsmaßnahmen, unterstützt durch Sondervermögen der Bundesregierung.
Die Nachfrage im Personenverkehr zeigt zwar positive Tendenzen mit einem Anstieg auf insgesamt 943 Millionen Passagiere, dennoch bleibt das Unternehmen im Minus. Der Verlust belief sich auf 760 Millionen Euro, was jedoch eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Die Rückführung von Baukosten durch den Bund und eigene Sparanstrengungen trugen zur Reduktion bei. Der Finanzplaner der Bahn betont das Ziel, in diesem Jahr operativ in die Gewinnzone zu kommen.
Ein erheblicher Teil der Sparpläne betrifft die Belegschaft: 10.000 Stellen sollen bis 2027 entfallen, was die Stimmung innerhalb des Unternehmens belastet. Der Vorsitzende der EVG, Martin Burkert, betont, dass Kostensenkungen nicht auf Kosten der betrieblichen Gesundheit gehen sollten.
Im Konzern stehen insbesondere der Fern- und Güterverkehr im Fokus der Bemühungen. DB Cargo muss aufgrund EU-Vorgaben schnellstmöglich in die Gewinnzone kommen, hat aber bereits Verluste drastisch reduziert. Für den Fernverkehr bestehen Erwartungen für zusätzliche Bundesmittel, doch es bleibt eine Finanzierungslücke sowohl in diesem als auch im folgenden Jahr.
Die grundlegende Sanierung von rund 40 wichtigen Streckenabschnitten ist bis Mitte der 2030er Jahre geplant. Der Start erfolgte auf der Riedbahn, mit weiteren Projekten auf der Strecke Hamburg-Berlin. Kritiker bemängeln jedoch die langen Sperrungen dieser Strecken, was den Güterverkehr stark belastet. Trotz der umfangreichen Investitionen warnt Lutz vor drohenden Finanzierungslücken ab 2027, die es zu adressieren gilt, um die Infrastruktur angemessen auszubauen und zu modernisieren.

