Deutsche Autoindustrie spart bei Robotik-Investitionen
Die deutsche Automobilindustrie hat im vergangenen Jahr ihre Investitionen in Industrieroboter deutlich reduziert. Wie die International Federation of Robotics (IFR) in einem Bericht feststellt, wurden im Jahr 2024 etwa 7.000 Einheiten installiert – ein Rückgang um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahl markiert den niedrigsten Stand der letzten 15 Jahre. Besonders die Automobilzulieferer waren von diesem Rückgang betroffen, verzeichneten sie doch einen Rückgang von 34 Prozent auf 2.700 Installationen. Doch auch die Hersteller selbst haben 4.300 neue Roboter installiert, was einem Rückgang von 15 Prozent entspricht. Während der Absatz im Jahr 2023 noch durch Nachholeffekte aus der Corona-Pandemie sowie Investitionen in E-Auto-Fabriken angekurbelt wurde, ist diese Entwicklung nun ins Stocken geraten.
Ähnliche Trends sind auch im restlichen Europa zu beobachten: Frankreich, Tschechien und Italien meldeten zweistellige Rückgänge bei der Installation neuer Industrieroboter. In Spanien, dem zweitgrößten Auto-Produzenten Europas, brachen die Zahlen um lediglich ein Prozent ein. Eine Ausnahme bildet Ungarn, wo durch Großprojekte der Absatz an Industrierobotern vervierfacht werden konnte. Insgesamt sank die Anzahl der in der europäischen Autoindustrie im Jahr 2024 installierten Roboter um fünf Prozent auf 30.650 Einheiten.
Susanne Bieller, Generalsekretärin der IFR, kommentierte dazu: „Die Automobilindustrie hat ein Absatzproblem – sowohl in Deutschland als auch in Europa.” Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen habe sich als geringer erwiesen als erwartet, und politische Unsicherheiten hätten zu zurückhaltenden Investitionen geführt. Zudem könnte der Investitionszyklus der Unternehmen ungünstig gelegen haben.
Die Automobilindustrie ist traditionell der größte Abnehmer von Robotertechnologie in Deutschland, doch ihr Anteil an den Neuinstallationen sank von 35 Prozent im Jahr 2021 auf 26 Prozent im Jahr 2024. Die schleppende Einführung der Elektromobilität und sinkende Verkaufszahlen, insbesondere in China, sowie US-Zölle belasten zusätzlich die Branche. Auch bei den Zulieferern sind viele Werke nicht ausgelastet, was den Druck zu sparen erhöht.
Interessanterweise verzeichnete die deutsche Wirtschaft insgesamt im vergangenen Jahr ein moderates Minus bei der Robotik. Insgesamt wurden rund 27.000 neue Roboter installiert, was dem zweitbesten Ergebnis aller Zeiten entspricht und nur knapp fünf Prozent unter dem Rekordwert des Vorjahres liegt. Besonders die metallverarbeitende Industrie, die Chemie- und Kunststoffindustrie sowie die Elektroindustrie steigerten ihre Einsatzfrequenz von Robotern erheblich. Insgesamt waren im Jahr 2024 rund 279.000 Roboter in der deutschen Industrie im Einsatz.

