Investmentweek

Der rote Teppich und die kalten Fronten

27. Juli 2025, 22:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Este Diplomatie zwischen EU und China wird von tiefen Spannungen geprägt. Handelskonflikte und geopolitische Konflikte stellen die Beziehungen auf die Probe.

„Große Kerle“ auf dünnem Eis

Die Bilder aus Peking wirken wie aus einem alten Diplomatenhandbuch: Paradeuniformen, Limousinen, rote Teppiche. Xi Jinping nennt die EU und China „da gezi“, also „große Kerle“, was auf Mandarin so viel bedeutet wie: starke Partner auf Augenhöhe.

Doch hinter dem freundlichen Vokabular verbergen sich Spannungen, die kaum überdeckt werden können. Ursula von der Leyen spricht offen von einem „Wendepunkt“. Und was sie meint, ist: Der Geduldsfaden der EU reißt.

Unausgesprochene Eskalation

Die Liste der Streitpunkte ist lang – und sie ist wirtschaftlich hochbrisant: Pekings Exportüberschüsse, staatlich subventionierte Überkapazitäten, Handelsbarrieren für europäische Firmen, Chinas versteckte Hilfe für Russland.

Auf EU-Seite häufen sich die Stimmen, die von einer „strukturellen Unfairness“ sprechen. Und auch von der Leyen formuliert in Peking ungewöhnlich deutlich: Wenn China seine Marktverzerrungen nicht abbaut, werde Europa sein Maß an Offenheit „nicht aufrechterhalten“ können.

Das ist Diplomatie in ihrer höflichsten Form – aber inhaltlich ein Ultimatum.

Kritische Rohstoffe unter Kontrolle: Mit Pekings Exportstopp für Gallium und Germanium beginnt die EU zu begreifen, wie verwundbar ihre Industrie bei Seltenen Erden wirklich ist.

E-Auto-Zölle als Damoklesschwert

Im Zentrum des wirtschaftlichen Konflikts: die chinesischen Elektroautos. Brüssel wirft Peking vor, die Fahrzeuge mithilfe massiver Subventionen zu Dumpingpreisen auf den europäischen Markt zu bringen.

Die EU-Kommission hat Strafzölle vorbereitet – will aber offenbar doch noch einen Deal. Im Gespräch: ein Mindestpreis statt pauschaler Zölle. Peking zeigt sich gesprächsbereit, aber nicht kompromissbereit.

Hinter den Kulissen wissen beide Seiten: Diese Frage ist kein technisches Detail, sondern ein Lackmustest für das gesamte Verhältnis.

Industrie unter Zugzwang

Für die europäische Industrie steht viel auf dem Spiel. Nicht nur Autobauer wie BMW, Mercedes und VW, die in Peking mit am Tisch saßen. Auch Halbleiterhersteller wie Infineon oder Maschinenbauer mit China-Geschäft stehen zwischen allen Fronten. Brüssel fordert faire Bedingungen in China – doch das System bleibt intransparent, parteistaatlich, schwer kalkulierbar.

Gleichzeitig fürchten die Unternehmen eine weitere Eskalation, wie sie mit den USA bereits Realität ist. Zuletzt beschränkte Peking die Ausfuhr seltener Erden – ein Warnschuss, der auch Brüssel getroffen hat. Der jetzt beschlossene „Engpass-Mechanismus“ soll Europas Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen zumindest abfedern.

China, Russland – und Europas rote Linie

Ein weiterer Konflikt brodelt im Hintergrund: Chinas indirekte Unterstützung für Russlands Krieg gegen die Ukraine. Brüssel wirft Peking vor, sogenannte Dual-Use-Güter an Russland zu liefern – Produkte, die zivil genutzt werden können, aber auch militärisch.

Ein aktueller Reuters-Bericht belegt, wie chinesische Motoren über Scheinfirmen an russische Drohnenhersteller gelangen. Die Folge: höhere Schlagkraft auf dem Schlachtfeld – mit westlicher Technik, aus chinesischer Fertigung.

Xi bestreitet jede Mitschuld. Doch in Europa wächst der Zweifel – und damit der Druck auf die Kommission, mit härteren Maßnahmen zu reagieren. Sanktionsverschärfungen gegen chinesische Banken oder Exportkontrollen für Maschinen stehen längst auf der Liste.

Klimapolitik als letzter gemeinsamer Nenner

Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die gemeinsame Erklärung zum Pariser Klimaabkommen. China bekräftigt, am Ziel festzuhalten – auch wenn die USA längst ausgeschert sind.

Der Ausbau erneuerbarer Energien läuft in China in Rekordtempo. Doch auch hier bleibt Misstrauen: Wie glaubwürdig sind Pekings Klimaversprechen, wenn gleichzeitig neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen?

EU-Ratspräsident Antonio Costa betont die „gemeinsame Verantwortung“. Es klingt bemüht. Denn eine strategische Partnerschaft, wie sie einst angedacht war, ist diese Beziehung längst nicht mehr.

Symbolik ersetzt Substanz

Dass Xi von „keinen grundlegenden geopolitischen Interessengegensätzen“ spricht, ist fast schon zynisch. Die Realität sieht anders aus: China umwirbt Russland, brüskiert Taiwan, blockiert europäische Firmen.

Die EU wiederum droht mit Zöllen, erschwert Investitionen und streckt gleichzeitig wieder die Hand aus – in der Hoffnung, wenigstens auf technischer Ebene kooperieren zu können.

Politisch steht die Beziehung auf der Kippe. Wirtschaftlich ist man noch voneinander abhängig. Strategisch aber, da haben sich die Wege längst getrennt.

Finanzen / Global / EU-China-Relationen / Handelskonflikte / Geopolitik
[InvestmentWeek] · 27.07.2025 · 22:00 Uhr
[0 Kommentare]
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Der Gründer der Kampagne, Yves Bennaim, gibt nicht auf. Obwohl seine Gruppe nicht genügend Unterschriften sammeln konnte, um ein nationales Referendum in der Schweiz über Bitcoin-Reserven zu erzwingen, erklärte Bennaim, dass ein weiterer Versuch folgen könnte. Das Schweizer System der direkten Demokratie erfordert, dass Kampagnen innerhalb von 18 […] (00)
vor 1 Stunde
Gasspeicher (Archiv)
Berlin - Die Bundesnetzagentur hat Kritik an angeblich zu niedrigen Gasspeicherfüllständen zurückgewiesen. "Sich Mitte Mai schon volle Speicher zu wünschen, kann ich emotional verstehen", sagte Behördenchef Klaus Müller dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Sonntagausgaben). Ökonomisch und physikalisch sei das aber nicht notwendig, ergänzte er. Müller […] (01)
vor 42 Minuten
Kneecap
(BANG) - Kneecap werden die Gewinne ihres neuen Albums 'Fenian' an wohltätige Organisationen spenden. Das zweite Studioalbum der Band aus West-Belfast – der Nachfolger von 'Fine Art' – erschien am 1. Mai und schoss in Großbritannien bereits auf Platz zwei der Charts. Damit ist es das irischsprachige Album mit der höchsten Chartplatzierung in der […] (00)
vor 10 Stunden
Review: Dreame Z30 Pro Aqua/Aqua-A im Test
Mit dem Dreame Z30 Pro Aqua hatten wir einen Stielstaubsauger im Einsatz, der auf den ersten Blick wie ein klassischer Akkustaubsauger wirkt, im Alltag aber deutlich mehr kann. Das Gerät kombiniert starke Saugleistung, flexible Bodenreinigung, Nassreinigung, intelligente Schmutzerkennung und eine praktische Station in einem System. Genau diese Mischung […] (00)
vor 6 Stunden
PS6: Warum die ersten großen Spiele längst entstehen dürften
Die PlayStation 6 ist noch nicht offiziell angekündigt. Trotzdem wird immer klarer: Sony bereitet die nächste Konsolen-Generation längst vor. Nicht mit einem großen Trailer, nicht mit einem Preis und auch nicht mit einem Termin. Sondern mit Investitionen, Technik-Partnerschaften und ersten Hinweisen darauf, wie Spiele in Zukunft aussehen könnten. Für […] (00)
vor 2 Stunden
Renée Zellweger
(BANG) - Renée Zellweger wird zusammen mit Sissy Spacek und Mia Threapleton in 'A Woman in the Sun' zu sehen sein. Die Oscar-Preisträgerinnen Zellweger ('Unterwegs nach Cold Mountain', 2004, und 'Judy', 2020) und Spacek ('Nashville Lady', 1980) werden gemeinsam mit Threapleton – der Tochter von Kate Winslet – im kommenden Regiedebüt von Julia Cox […] (02)
vor 10 Stunden
1. FC Nürnberg - FC Schalke 04
Nürnberg (dpa) - Nach dem Feiertrip auf die Party-Insel Ibiza haben die Bundesliga-Aufsteiger des FC Schalke 04 eine nicht mehr schmerzende Niederlage beim 1. FC Nürnberg kassiert. Für das «Club»-Team von Trainer Miroslav Klose war das 3: 0 (2: 0) nach einem Eigentor von Ron Schallenberg (20. Minute) sowie Treffern von Henri Koudossou (45.+2) und […] (01)
vor 2 Stunden
Gemeinsam Chancen schaffen: Town & Country Stiftung würdigt Ehrenamt
Erfurt, 09.05.2026 (lifePR) - Bereits zum 12. Mal wurde in diesem Jahr der Town & Country Stiftungspreis ausgelobt. Bundesweit fördert die Stiftung im Rahmen des Projekts 300 Vereine, Organisationen und Initiativen, die sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzen mit insgesamt über 300.000 €. Am Samstag, den 9. Mai, wurden in Erfurt zwölf […] (00)
vor 4 Stunden
 
Positive Analysteneinschätzung von JPMorgan Die US-Bank JPMorgan hat die Bewertung […] (00)
Rückgang des Frauenanteils in Dax-Aufsichtsräten In den letzten zwei Jahren ist der […] (00)
Michael C. Jakob: Warum Seriosität in der Finanzbranche kein Selbstläufer ist
Es gibt im deutschen Sprachraum eine merkwürdige Gewohnheit: Wenn jemand von sich […] (00)
Bundeswehr-Soldat mit G36 (Archiv)
Berlin - Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte (CDU), sieht Sanktionen […] (02)
Landgericht Hamburg stärkt SPIEGEL im Fall Christian Ulmen
Das Magazin darf weiter über den Verdacht digitaler Gewalt und körperlicher Übergriffe […] (00)
SC Paderborn 07 - Karlsruher SC
Paderborn (dpa) - Dem SC Paderborn geht im engen Aufstiegsrennen der 2. Fußball- […] (04)
Billie Eilish
(BANG) - Billie Eilish hat auf die heftigen Online-Reaktionen auf ihre Aussage […] (03)
Metas Geheimplan: Solarstrom aus dem All soll die KI-Apokalypse verhindern
Der Energiehunger der KI sprengt alle Grenzen Die Rechenzentren brennen nicht. Aber […] (01)
 
 
Suchbegriff