Investmentweek

Der leise Milliardenmoment von Sevdesk

02. Mai 2025, 18:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Ein deutscher Mittelstandssoftwareanbieter, gegründet in einer badischen Kleinstadt, avanciert zum Mega-Exit. Hinter dem 400-Millionen-Deal mit Cegid steckt mehr als ein guter Verkaufszeitpunkt – es ist das Comeback der Vernunft in der deutschen Start-up-Szene.

and mitbekommen. Anfang des Jahres verkündete das französische Softwareunternehmen Cegid, das Offenburger Start-up Sevdesk übernommen zu haben. Die Höhe? „Vertraulich“, hieß es.

Cegid schließt Vereinbarung zum Erwerb von sevdesk ab
Die strategische Akquisition von sevdesk beschleunigt die europäische Expansion von Cegid weiter durch den Ausbau der Präsenz in der DACH-Region und unterstreicht den starken Wachstumsfokus im Segment der cloud-basierten Business Management Software für Mikro- und KMU-Unternehmen.

Jetzt kommt raus: Es waren knapp 400 Millionen Euro – einer der größten Exits der letzten Jahre. Nicht aus Berlin, sondern aus einem kleinen Ort am Rande des Schwarzwalds. Und genau deshalb blieb die Nachricht so lange unter dem Radar.

Zwei Gründer, ein Dialekt

Marco Reinbold und Fabian Silberer, beide Anfang 30, stammen aus der Region. Kennengelernt haben sie sich an der Dualen Hochschule Karlsruhe. Der badische Dialekt half beim Eisbrechen, das gemeinsame Ziel war schnell klar: Die Buchhaltung einfacher machen – und digitalisieren.

Was sie aus dem Studium heraus gründeten, ist heute eine Cloud-Plattform mit 130.000 Kundinnen und Kunden. Monatlich zahlen diese im Schnitt 20 Euro für Rechnungen, Belege und Steuer-Vorbereitung in der Cloud. Das Geschäftsmodell? Simpel, wiederkehrend, profitabel.

Ein Exit ohne Show

Während viele Start-ups mit lauter Kommunikation und riesigen Finanzierungsrunden um Aufmerksamkeit buhlen, hielten sich die Sevdesk-Gründer lieber raus aus dem Rampenlicht.

Pascal Houillon, CEO von Cegid, verfolgt mit dem Zukauf eine klare Strategie: Der Eintritt in den regulierten deutschen Markt gelingt am einfachsten durch Übernahmen – statt langwieriger Eigenentwicklung.

Öffentlich wurden sie selten, und der Verkauf an Cegid lief – gemessen an der Größe – erstaunlich leise ab. Dass es am Ende ein Deal dieser Größenordnung wurde, lag nicht an der Verpackung, sondern an den Zahlen.

Sevdesk wuchs solide, sammelte seit der Gründung 2013 rund 65 Millionen Euro ein, zuletzt 50 Millionen im Jahr 2021. Zum Zeitpunkt des Verkaufs hielten die Gründer noch knapp 40 Prozent – ihr Anteil dürfte über 100 Millionen Euro eingebracht haben.

Samwer steigt aus

Mitverdient hat auch ein alter Bekannter: Oliver Samwer, Gründer von Rocket Internet, war mit mehreren Fonds mit etwa 15 Prozent beteiligt.

Dass er nun kassiert, passt zu seiner Strategie seit dem Börsenrückzug von Rocket: Beteiligungen monetarisieren, nicht ewig halten. Für Samwer war Sevdesk also eher Durchgangsstation als Herzensprojekt.

Markt mit Rückenwind

Der Zeitpunkt für den Verkauf hätte besser kaum sein können. Durch die geplante Einführung der E-Rechnung bis spätestens 2028 müssen sich Unternehmen in Deutschland ohnehin digital aufstellen. Laut Bitkom laufen bislang nur 38 Prozent aller IT-Anwendungen in der Cloud – der Markt wächst.

Das Angebot von Sevdesk richtet sich vor allem an kleine Betriebe, Freiberufler und Handwerker – genau jene, für die Buchhaltung meist noch Papier und Frust bedeutet. Cegid hingegen bedient eher größere Unternehmen.

Für CEO Pascal Houillon war der Kauf ein logischer Schritt, um den Markteintritt in Deutschland zu schaffen. Auch die Mitarbeiter profitieren: Alle 230 sollen übernommen werden, die Standorte Offenburg und Berlin bleiben bestehen.

Bis zum Notartermin ein Bieterwettstreit

Dass Cegid sich gegen mehrere Interessenten durchsetzte, zeigt: Das Interesse war da. Der Verkaufsprozess, im Sommer 2024 als sogenannter „Dual Track“ gestartet, war hart umkämpft.

Der Cloud-Markt für Buchhaltung steht erst am Anfang: Laut Bitkom nutzten 2024 nur 38 Prozent der Unternehmen cloudbasierte IT – bis 2028 wird die E-Rechnung zur Pflicht.

Noch bis kurz vor Weihnachten rangen drei Bieter um den Zuschlag. Mit an Bord: Strategen, aber auch große Private-Equity-Firmen. Dass am Ende Cegid gewann, lag laut Insidern nicht nur am Preis, sondern an der Strategie. Die Franzosen wollten das Unternehmen langfristig führen, nicht zerschlagen.

Aus dem Schwarzwald in die Cloud-Welt

Dass die Geschichte von Sevdesk ausgerechnet in Offenburg spielt, ist kein Zufall. Die Gründer erzählen gerne von ihrer „bodenständigen Herkunft“.

Der Vater des einen Monteur, der andere Sohn eines Landwirts – das Thema Buchhaltung war ihnen vertraut, schon bevor es zur Software wurde. Die Erfahrung half: Die Zielgruppe verstanden sie aus dem Effeff.

Die Erfolgsgeschichte ist deshalb auch ein Fingerzeig an die Szene: Man muss nicht in Berlin sitzen, um erfolgreich zu sein. Und man braucht nicht jede Investorenrunde mitzumachen, um zu wachsen.

Der leise Exit als Blaupause

400 Millionen Euro für ein Softwareunternehmen aus einer Kleinstadt – das ist keine Randnotiz. Es ist ein Signal: Für Investoren, dass es in Deutschland weiter lohnenswerte Ziele gibt. Für Gründer, dass solide Arbeit sich auszahlt. Und für die Branche, dass Substanz am Ende mehr zählt als Show.

Marco Reinbold sagt, er sei Autofan und denke über ein neues Auto nach. Einen langen Urlaub habe er sich aber noch nicht gegönnt. Vielleicht typisch für den badischen Pragmatismus – oder für jemanden, der weiß: Der nächste Aufbau hat schon begonnen.

Finanzen / Startups & VC
[InvestmentWeek] · 02.05.2025 · 18:00 Uhr
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