Der Euro taumelt: Parität mit dem Dollar in Sicht
Die Hoffnungen auf eine Parität des Euro gegenüber dem Dollar wachsen, da Ängste um die Auswirkungen eines globalen Handelskriegs auf die europäische Wirtschaft zunehmen. Derzeit wird am Markt eine Wahrscheinlichkeit von 50 % gehandelt, dass ein Euro bis Ende nächsten Jahres nur noch einen Dollar wert sein könnte – ein beachtlicher Rückgang von derzeit 1,04 Dollar.
Seit dem Erdrutschsieg von Donald Trump bei den US-Wahlen im November haben sich diese Aussichten deutlich verändert. Analysten von JP Morgan beschreiben den Euro als "kranken Mann der entwickelten Welt", da die größten Volkswirtschaften der EU mit langsamem Wachstum und hoher Verschuldung zu kämpfen haben, insbesondere seit der Invasion der Ukraine durch Russland. Deutschland, die größte Wirtschaftsmacht Europas, stagnierte 2024 und soll 2025 kaum Wachstum verzeichnen.
Auch andere Institute wie Oxford Economics, Rabobank und BNP Paribas prognostizieren einen weiteren Rückgang des Euros bis Ende des Jahres. Vor der Wahl lag die Einschätzung der Investoren bei nur 20 %, dass die Gemeinschaftswährung bis Ende 2025 mit dem Dollar gleichziehen könnte.
Die angekündigten Importzölle von Trump, mit tarifären Drohungen von bis zu 60 % auf chinesische Importe und bis zu 20 % auf Ware anderer Länder, könnten die europäische Wirtschaft zusätzlich belasten. Laut Caixabank-Forschung haben EU-Exporte in die USA in den letzten 15 Jahren erheblich zugenommen. Besonders Irland, Italien und Deutschland sind stark von Zöllen betroffen, da insbesondere Deutschland jährlich eine beträchtliche Menge an Fahrzeugen in die USA liefert.
Javier Corominas von Oxford Economics vermutet angesichts des langsamen Wachstums in der Eurozone, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen schneller senken könnte als die US-Notenbank Federal Reserve. "Das deutet darauf hin, dass Zinssenkungen bis weit ins Jahr 2025 andauern werden", erklärte er.

