Der Dax im Spannungsfeld zwischen geopolitischen Risiken und Unternehmenszahlen
Obwohl der unerwartete Zoll-Auftritt von US-Präsident Donald Trump die Anleger zunächst aufschreckte, dürfte der deutsche Aktienmarkt nächste Woche kaum zur Ruhe kommen. Nachdem Trump die drohenden Strafzölle nach einem plötzlichen Abkommen über Grönland zurückzog, bleiben geopolitische Herausforderungen bestehen. Die Berichtssaison nimmt zudem in Deutschland an Fahrt auf. Weitere relevante Ereignisse sind die Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve und die Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimas.
Die Dax-Erholung signalisiert das Vertrauen vieler Anleger in die langfristige Nachhaltigkeit des in Davos vereinbarten Grönland-Deals, so Thomas Altmann von QC Partners. Frank Sohlleder von Activtrades bleibt jedoch skeptisch: "Der Grönland-Konflikt ist entschärft, aber keinesfalls gelöst." Marktbeobachter Andreas Lipkow rätselt, welche Themen die USA als nächstes auf die Agenda setzen werden.
Laut Jochen Stanzl von der Consorsbank festigt sich der Dax bei rund 24.900 Punkten in einem neutralen Bereich. Ein weiterer Aufschwung hängt von der Bestätigung der bislang starken Gewinnerwartungen für 2026 ab. Nach der Grönland-Diskussion kann sich der Fokus nun mehr auf die Berichtssaison richten.
In Deutschland stehen am Donnerstag die Jahresabschlüsse von Unternehmen wie SAP, der Deutschen Bank und DWS im Rampenlicht. International ziehen Quartalszahlen von Apple, Microsoft, Tesla und Meta verstärkt Aufmerksamkeit auf sich. Europäische Größen wie ASML und LVMH vervollständigen das Bild mit ihren Ergebnissen.
Der positive Start in die US-Berichtssaison überrascht, so Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Dennoch fielen die Kursreaktionen angesichts hoher Bewertungen und Erwartungen der Anleger gemischt aus. Diese Faktoren könnten kurzfristig Druck auf Aktienmärkte ausüben, trotz günstigen langfristigen Aussichten.
Abseits der Bilanzen könnten Rüstungswerte im Mittelpunkt stehen. RBC BlueBays Mark Dowding sieht gestiegene Dringlichkeit in Europa, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Dies verdeutlicht auch das Potential einer bisher unterschätzten Risikowahrnehmung in den Finanzmärkten.
Besorgnis über die politische Unabhängigkeit der Fed wächst, da Trump den Druck auf Fed-Chef Jerome Powell erhöht hat. Edgar Walk von Metzler vermutet, dass Powell weiteren Zinssenkungen bis zu seinem Ausscheiden im Mai nicht zustimmen wird. Auch bei der bevorstehenden Fed-Sitzung werden keine Zinssenkungen erwartet, was mit den verbesserten Wirtschaftsdaten in den USA übereinstimmt.
Unter den zahlreichen deutschen Wirtschaftsdaten wird das Ifo-Geschäftsklima am Montag im Fokus stehen. Simon Azarbayjani von der Landesbank Helaba erwartet aufgrund positiver Einkaufsmanagerindizes eine weitere positive Überraschung. Am Freitag sollen neue Arbeitslosenzahlen und vorläufige Inflationsdaten veröffentlicht werden.

