Vermarktungsoffensive

Das Big Business von Bayern und BVB im Trump-Land

01. Juli 2025, 10:18 Uhr · Quelle: dpa
Seit Jahren unternehmen die Bundesliga-Topclubs Sommertouren nach Übersee. Die Club-WM verändert die Situation. Die beiden deutschen Teilnehmer nützen sie zum Geld verdienen und als Werbeplattform.

Orlando/Fort Lauderdale (dpa) - Beim Maßkrug-Stemmen legen sich die Bayern-Legenden Giovane Elber und Claudio Pizarro im Wettkampf mit Fans in Lederhosen mächtig ins Zeug. Im Bierhaus in Miami gibt es Schnitzel, Leberkäse und Gerstensaft vom Sponsor des deutschen Fußball-Meisters. Ob in Miami, wo viele Fußball-begeisterte Lateinamerikaner leben, in Cincinnati oder in Charlotte: an seinen Spielorten bei der Club-WM veranstalten die Münchner während des Langzeit-Turniers Fan-Events.

Nicht nur der FC Bayern, auch Borussia Dortmund ist aktiv bemüht, den großen und finanziell attraktiven US-Markt ein Stück weit für sich zu erobern. Der BVB eröffnete an seinen Spielorten New York, Cincinnati und Atlanta Fan-Botschaften inklusive Dortmunder Bier. Die deutschen Topclubs sind auf der Jagd nach Deals im Land von Donald Trump.

 

Eine Marketingreise, wie sie die beiden Bundesliga-Topclubs sonst alljährlich im Sommer nach Asien oder Amerika unternehmen, ist in diesem Jahr zeitlich nicht drin. Aber der Club-Event im neuen XXL-Format lässt sich auch bestens nutzen als Werbe-Plattform. Umso mehr dann, wenn man auch sportlich weit kommt.

Länger als eine klassische Sommer-Werbetour

«Man merkt, dass ein offizielles Turnier immer eine andere Wahrnehmung und Wertschätzung erfährt als eine Vorbereitungsreise. Wir sind ja auch länger hier als im Rahmen einer Sommertour», sagte Geschäftsführer Carsten Cramer der Deutschen Presse-Agentur im Basiscamp des BVB in Fort Lauderdale.

2026 wird es für die Vereine komplizierter. Dann lässt das WM-Turnier der Nationalmannschaften mit erstmals 48 Teilnehmern in den USA, Kanada und Mexiko eigene Fernreisen praktisch nicht zu. Die Topspieler brauchen ja auch mal Urlaub. Abseits der direkten Hoheitsgebiete des Weltverbandes FIFA mit seinen Sponsoren - etwa in den Stadien - lässt sich nun durchaus auch einiges für die eigenen, oft international operierenden Werbepartner machen. 

Über 100 Bayern-Fanclubs in den USA

Es geht um Big Business. Bayern-Chef Jan-Christian Dreesen spricht von «einem Momentum», das nie so günstig gewesen sei, «den Fußball in den USA nachhaltig zu etablieren». Der Soccer will im Land der großen Profi-Sportarten American Football, Basketball, Baseball und Eishockey in die TV-Primetime. 

Über 100 Bayern-Fanclubs mit mehr als 6.500 Mitgliedern gibt es in den Vereinigten Staaten. Viele Anhänger kommen im Trikot zu den WM-Spielen. Sie empfangen ihre Idole am Teamhotel, hoffen auf ein Selfie und Autogramme. «Unsere Fanbasis wächst», berichtete Finanzvorstand Michael Diederich. Das Basiscamp des Rekordmeisters ist in Orlando, quasi mitten im Disneyland. Thomas Müller posierte dort für Fotos mit Micky Maus und Goofy.

Der FC Bayern unterhält schon seit vielen Jahren ein Büro in Manhattan. Auch der BVB hat nachgezogen. Seit 2024 haben die Schwarz-Gelben ebenfalls eine ständige Vertretung in New York City. Die Club-WM ist aus finanzieller Sicht für die beiden Bundesligisten hochattraktiv. Knapp 40 Millionen Euro aus dem Prämientopf der FIFA hatte der BVB vor dem Achtelfinale in der Nacht zum Mittwoch in Atlanta gegen CF Monterrey aus Mexiko eingespielt. 

Die Club-WM als Goldgrube

Die Bayern haben nach dem Vorstoß ins Viertelfinale gegen Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain sogar schon die 50-Millionen-Euro-Marke erreicht. Der Titelgewinn wäre der 100-Millionen-Euro-Jackpot. So viel setzt mancher Mittelklasse-Bundesligist in einer gesamten Saison nicht um. 

Die nationalen Ligen und die nicht an der WM teilnehmenden Clubs fürchten, dass die WM-Kohle die finanzielle Überlegenheit der Topvereine noch mehr verfestigt. Das stimmt, freilich mit einer Einschränkung: Die Club-WM im neuen Format liefert nur einen Einmaleffekt. Das Turnier soll alle vier Jahre stattfinden. 

Die jährlichen Champions-League-Einnahmen von Dauer-Teilnehmern wie Bayern, Dortmund, Real Madrid, PSG oder Manchester City bewegen sich dagegen Jahr für Jahr im hohen zweistelligen Millionen-Bereich und sogar darüber. Europas Königsklasse manifestiert das Finanzgefälle nachhaltiger. 

WM-Millionen für Woltemade

Trotzdem eröffnet der WM-Geldregen im nun eröffneten Sommer-Transferfenster Shoppingtouren. Die Bayern könnten einen Großteil ihrer WM-Millionen einfach in den zum Transferziel erkorenen Shootingstar Nick Woltemade vom DFB-Pokalsieger VfB Stuttgart investieren. 

Neben dem Preisgeld von insgesamt einer Milliarde US-Dollar geht es während des Aufenthaltes in den USA für die Bayern und den BVB vor allem um Markenbildung. Dortmunds Marketingchef Cramer ist mit seinem Team emsig unterwegs. In den Fan-Botschaften konnten sich mehrere tausend Anhänger treffen und feiern. In Cincinnati, wo der BVB zweimal spielte, kam ein neuer Fanclub hinzu. Dortmund hat in Nordamerika jetzt 45. 

In Manhattan lud der Verein mehrere hundert Gäste, Sponsoren und Prominente zu einer Rooftop-Party ein. Frühere BVB-Profis wie Lucas Barrios, Patrick Owomoyela oder Roman Weidenfeller umgarnten potenzielle Sponsoren. 

Der Wert von «Aktionen vor Ort» 

«Man muss die Aktivitäten vor Ort auch immer auf die lokalen Interessen herunterbrechen», verdeutlichte Cramer. «Das, was hier nicht funktioniert, ist womöglich zum Beispiel in Dortmund genau richtig - und umgekehrt. Die Aktionen, die wir hier mit unserem Maskottchen machen, die kommen in Deutschland im Zweifel als albern an. Die funktionieren in den USA oder in Asien aber.» Erst wer häufiger vor Ort ist, lernt, wie Amerikaner ticken.

Seit zehn Jahren unternimmt der BVB aus Marketinggründen mehrtägige Fernreisen. «Unsere Netzwerke, unsere Partner, die Anzahl unserer Fans, unsere digitale Reichweite, natürlich auch unsere Umsätze werden immer größer», schilderte Cramer. Während der Club-WM gewannen die Dortmunder etwa zwei Millionen neue Social-Media-Follower hinzu. 

Rückenwind für die Auslandsvermarktung

Auch die Deutsche Fußball Liga will profitieren von den WM-Auftritten der Bundesliga-Aushängeschilder. Je länger diese im Turnier sind, umso besser. Die letzte Turnierwoche mit den beiden Halbfinal-Partien sowie dem Endspiel am 13. Juli im MetLife Stadium steigt praktisch in New York, dem Finanzzentrum mit der legendären Wall Street. Wenn Bayern und/oder der BVB dann noch dabei sind, wäre das für die DFL hilfreich für die TV-Auslandsvermarktung.

«Unsere Teilnahme an der Club-WM wird uns helfen, weil 2026 die Rechte für den amerikanischen Markt neu vergeben werden», glaubt Cramer. Momentan bringe dieser 49 Millionen Euro ein. «Das ist im internationalen Vergleich eher wenig. Wir müssen etwas dafür tun, dass wir das zukünftig übertreffen.» Mit einem deutschen Club-Weltmeister ließe sich vermutlich besser verhandeln.

Fußball / Finanzen / Club-WM / Bundesliga / DFL / FC Bayern München / Borussia Dortmund / Marketing / USA / Deutschland / Bayern / Nordrhein-Westfalen
01.07.2025 · 10:18 Uhr
[0 Kommentare]
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Der XRP-Kurs hat nach einem Anstieg in Richtung der $1,3550-Marke eine Korrektur nach unten begonnen. Derzeit konsolidiert der Kurs und könnte einen weiteren Anstieg anstreben, sofern er sich über der $1,30-Marke hält. Der XRP-Kurs begann eine Abwärtskorrektur, nachdem er die $1,3550-Marke nicht überwinden konnte. Der Kurs handelt nun unter $1,3220 […] (00)
vor 44 Minuten
Junge Leute mit Smartphones (Archiv)
Berlin - Der langjährige "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert spricht sich für eine strikte Regulierung sozialer Netzwerke aus und stellt deren Relevanz für sein eigenes Leben massiv infrage. "Wenn Social Media völlig unkontrolliert genutzt werden kann, ist das schlecht für den Einzelnen und schlecht für die Gesellschaft", sagte Wickert der "Neuen […] (00)
vor 16 Minuten
Quantenphysik schlägt künstliche Intelligenz — mit nur neun Atomen
Wer mehr Rechenleistung braucht, baut größere Systeme — so lautet die Grundannahme, auf der ein großer Teil der modernen Computerentwicklung beruht. Mehr Schichten, mehr Verbindungen, mehr Energie. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Physical Review Letters, stellt diese Logik grundsätzlich infrage. Ein Forschungsteam hat […] (01)
vor 14 Stunden
iPhone ausschalten
Berlin (dpa/tmn) - Trotz jahrelanger Nutzung dürfte es den meisten iPhone-Besitzern wohl nur äußerst selten passiert sein. Aber wenn sich das iPhone doch mal aufhängt und so gar nicht mehr reagiert, dann wissen viele User gar nicht weiter. Dabei ist die Lösung zum Glück oft recht einfach. Ein erzwungener Neustart. Und der geht so: Die Seitentaste […] (00)
vor 6 Stunden
Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Stunden ich allein in Charakter-Editoren verbracht habe. Über alle Spiele hinweg, seit ich 2003 meinen ersten Helden in Neverwinter Nights zusammengeklickt habe. Das Ergebnis: mindestens 200 Stunden. Zweihundert Stunden, in denen ich Nasenlängen justiert, Augenbrauen verschoben und Haarfarben verglichen habe, ohne […] (01)
vor 9 Stunden
Prime Video zeigt Doku «Jerry West: The Logo» im April
Der Streamingdienst widmet der Basketball-Legende eine persönliche und schonungslose Dokumentation. Prime Video hat den Trailer zur Dokumentation Jerry West: The Logo veröffentlicht. Der abendfüllende Film feiert am 16. April seine Premiere und wird weltweit in mehr als 240 Ländern und Territorien verfügbar sein. Regie führt Kenya Barris, der mit «Jerry West: The Logo» sein Dokumentarfilmdebüt […] (00)
vor 18 Stunden
Daniel Altmaier
Monte-Carlo (dpa) - Tennisprofi Daniel Altmaier hat sein Auftaktmatch beim Masters-1000-Turnier in Monte-Carlo verloren. Der Deutsche unterlag dem Tschechen Tomas Machac in einer umkämpften Partie mit 4: 6, 6: 1, 3: 6. Nach verlorenem ersten Satz zeigte sich Altmaier stark verbessert. Nach einem schnellen Break zum 3: 1 wehrte er in einem umkämpften […] (01)
vor 12 Stunden
Veranstaltungstipp – Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen und freier Eintritt
Mainz, 06.04.2026 (lifePR) - Wir laden Familien herzlich zu einer gemeinsamen Entdeckungstour durch die Kunsthalle ein. Hier gibt es immer etwas anderes zu erleben. Gemeinsames Rätseln, Forschen oder Zeichnen vor den Kunstwerken – mach einfach mit! Der Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen findet am Sonntag, den 19/04 um 14 Uhr statt und ist Teil des Programms  Freistunden. Im Rahmen der  […] (00)
vor 12 Stunden
 
Alibaba-Aktie im Fokus: Wird das chinesische Technologie-Schwergewicht zum Comeback-Kandidaten?
Das chinesische Tech-Imperium unter Druck Alibaba steht als einer der weltgrößten E- […] (00)
Künstliche Intelligenz revolutioniert die Finanzbranche: Chancen und Risiken für Anleger
Die KI-Revolution im Finanzsektor nimmt fahrt auf Die Finanzbranche steht an einem […] (00)
Einführung in die Preisdynamik Die anhaltende Inflation und geopolitische Konflikte, […] (00)
Unfallstelle eines mutmaßlichen Autorennens mit Todesopfern
Stuttgart (dpa) - Etwas über ein Jahr ist vergangen seit dem Tod der beiden jungen […] (00)
Dan Levy
(BANG) - Dan Levy hatte vor dem Tod von Catherine O’Hara über eine Fortsetzung von […] (00)
Geopolitische Landschaft und Ölpreise Die jüngste Eskalation des Konflikts im […] (00)
An Karfreitag verboten: RTLZWEI zeigt diesen Film an Ostersonntag
Tanzverbot, geschlossene Geschäfte und dann auch noch Monty Python. Das Leben des Brian hat […] (00)
Eva Lys
Oeiras (dpa) - Zum Neustart nach dem Abstieg aus der Weltgruppe des Billie Jean King […] (01)
 
 
Suchbegriff