„Dann saßen wir im Keller – und der Krieg endete.“

07. Mai 2025, 14:28 Uhr · Quelle: LifePR
Fritz Mardorf, 91 Jahre alt, erinnert sich an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Thüringen als Kind und schildert seine Erlebnisse im Luftschutzkeller sowie die Schwierigkeiten in der Nachkriegszeit. Er betont die Wichtigkeit von Frieden und fordert die jüngere Generation auf, für eine bessere Zukunft zu kämpfen.

Berlin, 07.05.2025 (lifePR) - In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Wie fühlt es sich an, wenn ein Krieg endet, den man als Kind miterlebt hat? Zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus haben wir mit Menschen gesprochen, die das Kriegsende 1945 als Kinder und Jugendliche erlebt haben. Ihre Erinnerungen sind bewegend, erschütternd – und wichtiger denn je. Fritz Mardorf erzählt im Interview, was das Ende des Krieges für ihn als Elfjährigen bedeutete. Er ist 91 Jahre alt und wohnt im Pflegewohnheim „Dr. Günter Hesse“ des Unionhilfswerks. Eine weitere Geschichte zu diesem Thema erwartet Sie morgen.

Wo befanden Sie sich am 8. Mai 1945 oder während des Kriegsendes?

Ich lebte in Thüringen. Dort war ein besonders Hitlertreuer, der Gauleiter Sauckel, tätig. Wir spotteten „Sauleiter Gaukel“, wussten aber, dass wir uns dabei nicht erwischen lassen durften.

Wann und wie haben Sie erstmals vom Ende des Krieges erfahren – und wie reagierten die Menschen um Sie herum?

Daran erinnere ich mich genau. Wir saßen im Luftschutzkeller. Aus Sicherheitsgründen waren damals die Trennwände zwischen den Kellern entfernt worden. Aus diesem Grunde hatte der Fleischermeister freien Weg zu den Bewohnern der Häuser und bot ihnen den Rest seiner Ware an. Er wollte ihn „vor dem Feind retten“. Das war für uns das Kriegsende.

Welche Bilder, Geräusche oder Gerüche aus dieser Zeit sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Die Kriegsereignisse haben meinen Wohnort nur insofern erreicht, als mit den Jahren immer häufiger Flugzeuge (Bomber) von West nach Ost flogen, um dort ihre Last abzuwerfen. Einmal erwischte es auch unseren Ort: Als wir nicht im Keller waren, schlug eine Bombe in unserem Garten ein und richtete Schaden an. Wir vermuteten, dass ein Bomberpilot auf dem Rückweg noch eine nicht genutzte Bombe fand und sie irgendwo abwarf.

In unsere Region marschierten zuerst die Amerikaner ein. Deshalb hatten wir – natürlich für kurze Zeit – bis sie die Russen ablösten, völlig unterschiedliche Verhältnisse.

Was Gerüche betrifft, hatte meine Mutter eine schöne Zeit, sie erwähnte die herrlichen Seifengerüche, als die Amerikaner die Besatzung stellten. Ich war mehr an amerikanischen Kaugummis interessiert. Auch was Geräusche betrifft, konnte die Zeit nicht unterschiedlicher sein. Keiner kann die damals Panjewagen genannten Pferdefuhrwerke der Russen und ihre Geräusche vergessen. Das war ein großer Unterschied zu den modernen Fahrzeugen der Amerikaner.

Können Sie einen besonderen Moment oder eine Begegnung nennen, die Sie nachhaltig geprägt hat?

Ich erinnere mich an eine maßlose Enttäuschung in der Nachkriegszeit. Das war die Schulreform. Die verschiedenen Regierungen, die damals das Sagen hatten, hatten auch unterschiedliche Ansichten über die Schulstruktur. So kam es, dass ich, als frischer Oberschüler (Gymnasium) wieder zurück musste in die Grundschule und den Schulwechsel nach mehreren Jahren noch einmal machen musste. Diese Entwicklung war prägend für mich!

Wie hat sich Ihr Alltag – und der Ihrer Familie – unmittelbar nach 1945 sowie in den folgenden Monaten und Jahren verändert?

Mein Vater war Soldat, er kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde dort einem Farmer als Arbeitskraft zugeteilt. Der war nicht an einer schnellen Freigabe des Gefangenen interessiert, deshalb kam mein Vater sehr spät in den Kreis seiner Familie zurück. So wurde ich von zwei Frauen, meiner Mutter und Großmutter erzogen. Eine Hauptbeschäftigung war damals die Nahrungsbeschaffung. Es fehlte an allem. Die Beschaffung erstreckte sich auf die umliegenden Dörfer, wo alle möglichen Haushaltsgegenstände und Wertsachen in Nahrungsmittel verwandelt wurden. Meine Mutter begab sich sogar auf eine abenteuerliche Fahrt über die Grenze zu Verwandten, um auch dort etwas zu beschaffen.

Wie blicken Sie heute, 80 Jahre später, auf diese Zeit zurück? Hat sich Ihre Sichtweise verändert?

Ich habe hohe Achtung vor den Alliierten, die damals mit einem ungeheuren Kraftakt die Nazis besiegten. Das sollte man nie vergessen. Ich habe im vorigen Jahr Torgau besucht. Dort steht am Elbufer das Denkmal der Begegnung am 25. April 1945, wo sich die russischen und US-Soldaten die Hände reichten. Für diese Entwicklung bin ich dankbar und habe mich an das Zusammentreffen beider Mächte in meinem Heimatort 1945 erinnert.

Welche Hoffnungen haben Sie für die Gegenwart und Zukunft in Bezug auf Frieden, Demokratie und Zusammenhalt, und welche Botschaft möchten Sie der jüngeren Generation mitgeben?

Leider wird besonders in der heutigen Zeit der damals erreichte Frieden in Frage gestellt – und man neigt allzu leichtfertig zu Drohgebärden. Diejenigen sollten das letzte Wort haben, bei denen die Vernunft überwiegt und der Wille, eine bessere Welt zu schaffen. Man sollte die Steigerung der Verteidigungsausgaben nicht übertreiben – einmal beschaffte Waffen werden möglicherweise Krieg bedeuten, wenn auch nicht bei uns, aber vielleicht in Ländern dieser Welt, die aus Gründen der Religion oder Besitzansprüche oder Stammesfehden glauben, noch Krieg führen zu müssen.

Zu dieser Entwicklung können wir Alten nicht mehr viel beitragen, außer unsere Stimme zu erheben, aber wir schauen auf die jüngere Generation und hoffen, dass sie für uns alle eine lebenswerte Zukunft erkämpft.

Während Fritz Mardorf das Kriegsende in Thüringen erlebte, war Hannelore Treutler als Kind mit einem Leiterwagen unterwegs durch ein zerstörtes Land. Im nächsten Beitrag berichtet sie von ihrer Flucht, von Begegnungen voller Hilfsbereitschaft – und von einem Dresdner, der ihr bis heute unvergessen geblieben ist.

Hier finden Sie außerdem den Beitrag von gestern „Ich möchte nicht noch mal einen Krieg erleben. Käti Grabowsky berichtet“.

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