Commerzbank strebt nach Unabhängigkeit und Wachstum
Die Commerzbank plant, ihre Eigenständigkeit durch strategische Restrukturierungen und ehrgeizige Wachstumsziele zu sichern. Angesichts des anhaltenden Drucks der italienischen Unicredit verfolgt die seit Oktober amtierende Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp eine klare Richtung, um den Dax-Konzern unter den erfolgreichen europäischen Banken zu etablieren.
Ein zentraler Bestandteil dieses Vorhabens ist der Abbau von rund 3.900 Vollzeitstellen bis 2027. Obwohl in Deutschland etwa 17 Prozent der Belegschaft betroffen sein werden, soll die Gesamtheit der Arbeitsplätze konzernweit stabil bei etwa 36.700 bleiben. Die Einschnitte konzentrieren sich vor allem auf die Zentrale in Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet, mit einem sozialverträglichen Ansatz, der durch Altersteilzeit-Angebote gestützt wird.
Zusätzlich zu den Stellenstreichungen plant die Commerzbank, ihre Eigenkapitalrendite von 9,2 Prozent (2024) auf 15 Prozent (2028) zu steigern. Ein ambitioniertes Ziel ist es, den Gewinn bis 2028 auf 4,2 Milliarden Euro zu erhöhen. Im Zuge dessen ist jedoch für das laufende Jahr ein Rückgang auf 2,4 Milliarden Euro zu erwarten, da der Stellenabbau initial einmalige Kosten von rund 700 Millionen Euro verursacht.
Unicredit ist derweil bestrebt, die Hungerstrecke für eine eventuelle Übernahme geschickt zu nutzen. Ein formelles Angebot wird aber frühestens ab Ende 2025 erwartet, da der italienische CEO Andrea Orcel beabsichtigt, seine Pläne bei der nächsten Bundesregierung vorzustellen. Dessen ungeachtet setzen sich alle Ebenen der Commerzbank mit beachtlicher Standhaftigkeit für die Unternehmensautonomie ein.
Mit der neuen Strategie "Momentum", die auch Partnerschaften wie die mit Visa umfasst, strebt die Commerzbank an, ihre Ertragskostenquote 2028 auf 50 Prozent zu reduzieren. Die angestrebten Maßnahmen zur Gewinnsteigerung und Dividendenpolitik, bei der bis 2028 bis zu 100 Prozent des Überschusses ausgeschüttet werden sollen, zeigen den festen Willen, Aktionäre zufriedenzustellen. Der Markt reagierte auf diese Ausrichtung zunächst zwiegespalten, doch letzten Endes stieg der Aktienkurs um etwa 1,8 Prozent.

