Citadel gegen IEX – ein alter Streit bekommt im Optionshandel neue Schärfe
Der Vorstoß von Investors Exchange (IEX), seine Plattform um den Optionshandel zu erweitern, hat einen Grundkonflikt an der Wall Street neu entfacht. Während die Zahl der gehandelten Optionskontrakte seit 2019 auf täglich rund 61 Mio. gestiegen ist, will die von Michael Lewis in Flash Boys porträtierte Börse mit einem technischen Kniff gegen latency arbitrage vorgehen.
Kern der Idee: IEX will Quotes von Market Makern automatisch verzögern, anpassen oder streichen, wenn die Software erkennt, dass sich der beste Preis in Sekundenbruchteilen ändern wird. Für Befürworter wie Virtu oder CTC schafft dies ein faireres Spielfeld, weil blitzschnelle Händler nicht länger veraltete Quotes ausnutzen können.
Gegner ist vor allem Ken Griffins Citadel Securities, die ihre Milliardeninvestitionen in ultraschnelle Handelsinfrastruktur durch die Pläne bedroht sieht. Ihr Argument: Nach geltenden Regeln müssten Orders zu IEX geleitet werden, wenn dort das vermeintlich beste Angebot vorliegt – selbst wenn es im entscheidenden Moment wieder zurückgezogen wird.
Anders als im Aktienhandel, wo es meist nur eine Gattung gibt, müssen im Optionshandel hunderte von Kontrakten gleichzeitig gepflegt und bepreist werden. Hier könnte die zusätzliche Unsicherheit über die Ausführung einen spürbaren Eingriff ins Geschäftsmodell großer Market Maker darstellen.
Doch die Grundsatzfrage ist nicht neu. Schon bei der Einführung der 350-Mikrosekunden-Verzögerung im Aktienhandel hatte Citadel erfolglos gegen IEX gekämpft. Auch diesmal entscheidet die US-Börsenaufsicht SEC, ob technologische Hürden für die Schnellsten das Spielfeld tatsächlich fairer machen – oder den Wettbewerb verzerren.


