Autoindustrie

Chipmangel, Zölle, Porsche: VW kämpft mit vielen Baustellen

30. Oktober 2025, 13:13 Uhr · Quelle: dpa
VW verzeichnet im dritten Quartal hohe Verluste aufgrund von Porsche-Strategieänderungen und US-Zöllen. Die Chipkrise könnte weitere Schwierigkeiten bringen.

Wolfsburg (dpa) - Porsche verhagelt VW die Bilanz: Weil die einstige Ertragsperle im dritten Quartal fast eine Milliarde Verlust einfuhr, rutscht auch die Konzernmutter tief in die roten Zahlen. Unterm Strich lief in den Monaten Juli bis September ein Verlust von 1,072 Milliarden Euro auf, wie der Wolfsburger Autobauer mitteilte. Vor einem Jahr waren es noch 1,56 Milliarden Euro Überschuss gewesen.

In den ersten neun Monaten schmolz der Überschuss um mehr als 60 Prozent zusammen, von 8,8 auf 3,4 Milliarden Euro. Schuld seien vor allem Belastungen in Höhe von 7,5 Milliarden Euro vornehmlich durch erhöhte Zölle, die Anpassung der Produktstrategie bei Porsche und Abschreibungen auf den Geschäfts- und Firmenwert von Porsche, sagte Finanzvorstand Arno Antlitz laut Mitteilung. Allein die Anpassungen und Abschreibungen bei Porsche hätten den Konzern mit 4,7 Milliarden Euro belastet.

Verbrenner-Verlängerung kostet Milliarden

Porsche hatte bereits vergangene Woche tief rote Zahlen im dritten Quartal gemeldet. Die VW-Tochter leidet unter Milliardenkosten für den jüngsten Strategie-Schwenk zur Verbrenner-Verlängerung. Im dritten Quartal führte das zu einem Verlust von fast einer Milliarde Euro, in den ersten neun Monaten insgesamt schmolz das Ergebnis nach Steuern um knapp 96 Prozent zusammen. Das schlug nun auch auf die Konzernmutter durch.

Mit den Problemen ist VW nicht allein. Auch Mercedes-Benz erlitt im vergangenen Quartal einen dramatischen Gewinneinbruch um fast ein Drittel. Die Opel-Mutter Stellantis kann zwar dank einer Erholung im wichtigen Markt Nordamerika etwas aufatmen, rechnet aber im zweiten Halbjahr mit hohen Sonderkosten. Im dritten Quartal zogen Umsatz und Absatz merklich an. Angaben zum Gewinn machte der Vielmarkenkonzern (unter anderem Fiat, Chrysler, Peugeot, Jeep, Alfa Romeo) nicht.

Chipversorgung vorerst gesichert

Noch nicht berücksichtigt sind in den Zahlen die Auswirkungen der sich abzeichnenden Chipkrise um Nexperia. Dort gibt es Lieferprobleme, nachdem die niederländische Regierung die Kontrolle über die von einer chinesischen Konzernmutter geführten Firma übernommen hatte. Bis Ende kommender Woche sei die Versorgung aller deutschen VW-Werke gesichert. Konzernchef Oliver Blume sagte im Interview mit der «Zeit»: «Dennoch ist die Lage kritisch.»

VW sei weiter auf der Suche nach Ersatzlieferanten, sagte Antlitz. Wirklich lösen lasse sich das Problem aber nur politisch, forderte der VW-Finanzchef. Denn der Ausfall sei nicht wirtschaftlich bedingt gewesen. «Deshalb hoffen wir, dass alle relevanten Seiten zusammenkommen und eine Lösung finden.» Bis dahin bleibe VW nichts anderes übrig, als «von Tag zu Tag und von Woche zu Woche» nach Ersatz zu suchen.

Dabei sollte es im VW-Konzern in diesem Jahr eigentlich wieder besser laufen. Und ohne die Sondereffekte hätte die Gewinnmarge auch bei 5,4 Prozent gelegen, sagte Finanzchef Antlitz. «Das ist im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld eigentlich ein ordentlicher Wert.» Bei Absatz und Umsatz konnte der Konzern leicht zulegen: Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 0,6 Prozent auf 239 Milliarden Euro, die Auslieferungen um 1,2 Prozent auf 6,6 Millionen Fahrzeuge. 

Sparprogramm zeigt Wirkung

Vor allem bei der lange schwächelnden Kernmarke Volkswagen läuft es wieder besser. Das Ende 2024 auferlegte Sparprogramm mit geplanten Zehntausenden Stellenstreichungen zeige Wirkung: «Wir machen gute Fortschritte bei der Restrukturierung der Volkswagen AG und des ganzen Konzerns», sagte Antlitz. «Erstmals seit langer Zeit sind die Gemeinkosten im Vergleich zum Vorjahr gesunken.»

Beim operativen Ergebnis legte die Kernmarke in den ersten neun Monaten deutlich zu, von 1,28 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 1,48 Milliarden Euro - bei nahezu unverändertem Umsatz von knapp 64 Milliarden Euro.

Unternehmen und Gewerkschaft hatten sich Ende 2024 nach langem Ringen auf ein Sanierungsprogramm für die Kernmarke VW geeinigt. Bis 2030 sollen mehr als 35.000 Stellen gestrichen werden, fast ein Viertel der 130.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Weitere 7.500 Stellen sollen bei Audi wegfallen und knapp 4.000 bei Porsche.

US-Zölle belasten

Angesichts neuer Verwerfungen werde man hier das Tempo beim Sparen womöglich noch einmal erhöhen müssen und Maßnahmen vorziehen, sagte Antlitz. Denn allein die neuen US-Zölle dürften den Konzern in diesem Jahr mit bis zu fünf Milliarden Euro belasten. Und anders als bei anderen Sondereffekten rechne er nicht damit, dass die Zölle so schnell wieder verschwinden. «Die Zollbelastung wird bleiben.»

Für den VW-Konzern kommt das zur Unzeit. Denn angesichts des wegschmelzenden China-Geschäfts hatten die Wolfsburger vor allem auf Wachstum in Nordamerika gesetzt. Um zehn Prozent sollte der Absatz dort eigentlich wachsen, sagte Antlitz. Stattdessen ist er in den ersten neun Monaten um acht Prozent geschrumpft. 

Um die Zölle zu vermeiden, prüft Audi nun den Bau eines eigenen US-Werks. «Wir sind noch in der Diskussion mit der Regierung», sagte Antlitz. Bis Jahresende solle die Entscheidung fallen. Bisher ist einzig die Kernmarke VW mit einem Werk in den USA vertreten, für die neue Marke Scout wird dort gerade ein Werk gebaut. Porsche beliefert den wichtigen Markt dagegen komplett aus Europa, Audi auch aus Mexiko.

Automobilindustrie / Quartalszahlen / Deutschland / Niedersachsen
30.10.2025 · 13:13 Uhr
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