Chinesische Aktien wanken trotz Fortschritten bei Handelsgesprächen
Die chinesischen Börsen gerieten am Dienstag unerwartet unter Druck, als der zweite Tag der Handelsgespräche zwischen China und den USA begann. In Hongkong verzeichnete ein wichtiger Aktienindex zunächst einen Verlust von 0,9 % und schloss letztlich 0,2 % im Minus, nachdem er zuvor bis zu 0,5 % zugelegt hatte.
Auch der CSI 300 Index, der die Entwicklung chinesischer Festlandaktien widerspiegelt, schloss 0,5 % tiefer. Die Ursache für den abrupten Rückgang blieb zunächst unklar. Manche Stimmen vermuteten jedoch einen Zusammenhang mit einer Stellungnahme, die über ein mit dem staatlichen Sender CCTV verbundenes Konto in sozialen Medien verbreitet wurde. Darin wurde die Forderung geäußert, die USA sollten Fortschritte realistisch einschätzen und negative Maßnahmen gegen China aufheben.
Peking nehme die Handelsgespräche ernst, halte jedoch konsequent an seinen Prinzipien fest. Fu Shifeng, Investitionsdirektor bei Cheng Zhou Investment, bemerkte, dass der Markt überaus nervös reagiere. Dies lasse darauf schließen, dass Spekulationen über den Verlauf der Gespräche vorherrschten.
Ein börsengehandelter Fonds für chinesische Internetaktien zeigte sich im US-Vormarkt nahezu unverändert, während die Futures auf den S&P 500 und Nasdaq 100 leicht zulegten. Die Hoffnung, dass ein möglicher Handelsdeal die Beziehungen zwischen China und den USA entspannen könnte, hatte in den vergangenen Wochen zu einer deutlichen Erholung der chinesischen Aktien geführt.
So trat der Hang Seng China Enterprises Index jüngst in einen Bullenmarkt ein, mit einem Zuwachs von über 20 % seit seinem Tiefpunkt im April. Einer aktuellen Analyse von Morgan Stanley zufolge verbessert sich das globale Investorensentiment gegenüber China, da sich Anleger zunehmend in den Bereichen 'neuer Konsum' und Technologie engagieren.
Die Delegationen der beiden Länder kamen am Dienstag in London erneut zusammen. Der US-Handelsminister Howard Lutnick erklärte gegenüber Reportern, die Gespräche liefen gut und würden den ganzen Tag fortgesetzt. Das aktuelle Treffen ist das erste seit einem Monat und soll das Vertrauen stärken, dass beide Seiten ihre in Genf eingegangenen Verpflichtungen ernst nehmen.
Dabei hatten sich Washington und Peking auf eine vorübergehende Senkung der strengen Zölle für 90 Tage verständigt, um ausreichend Zeit zur Lösung des Handelsungleichgewichts zu schaffen, das die Trump-Administration stark kritisiert. Shen Meng, Direktor bei der in Peking ansässigen Investmentbank Chanson & Co., warnt jedoch vor verfrühter Euphorie. Händler könnten besorgt sein, da 'in absehbarer Zeit keine signifikanten Fortschritte' erzielt werden dürften.

