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Chinas tödliche Falle? Schaeffler-Chef fordert Knallhart-Kurs von Kanzler Merz

26. Februar 2026, 09:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Vor der wegweisenden China-Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz bricht Schaeffler-Boss Klaus Rosenfeld das Schweigen über die gefährliche Liaison mit Fernost. Er warnt vor einer einseitigen Kapitulation und fordert ein neues Selbstbewusstsein.

Es ist ein diplomatischer Drahtseilakt in einer Welt, die ökonomisch aus den Fugen gerät. Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz demnächst in Peking landet, trägt er die Last einer gesamten Industrienation im Gepäck, deren Herzschlag gefährlich eng mit dem Wohlwollen der Kommunistischen Partei verknüpft ist.

Doch Klaus Rosenfeld, Chef des fränkischen Industrie-Giganten Schaeffler, warnt davor, als Bittsteller aufzutreten. In einem Moment, in dem die deutsche Wirtschaft zwischen US-Zöllen und chinesischer Dominanz zerrieben wird, plädiert der Top-Manager für eine radikale Neubewertung der Machtverhältnisse.

Die Erzählung von der totalen Abhängigkeit Deutschlands sei nur die halbe Wahrheit. In Wahrheit stecke Peking in einer gegenseitigen Klammer, aus der es sich nicht ohne massiven Eigenschaden befreien könne. Rosenfeld fordert von Merz, diese Karte am Verhandlungstisch rücksichtslos auszuspielen, um den schleichenden Ausverkauf europäischer Interessen zu stoppen.

Mit rund 110.000 Mitarbeitern ist Schaeffler einer der weltweit größten Player im Maschinenbau und der Automobilzulieferung. Dass ausgerechnet dieser Konzern, der massiv in China investiert ist, nun lautstark auf die „gegenseitige Abhängigkeit“ pocht, gleicht einem Paukenschlag in der deutschen Industrie-Landschaft.

Die Illusion der einseitigen Macht in Fernost

Seit Jahren dominiert das Narrativ der deutschen Verwundbarkeit. Seltene Erden, Batterietechnologien, gigantische Absatzmärkte – China scheint alle Trümpfe in der Hand zu halten. Rosenfeld hält dagegen: „Vielleicht gelingt es, bei dieser Reise klarzumachen, dass die Abhängigkeit nicht einseitig ist“, so der CEO gegenüber der dpa.

Es ist ein Appell an das europäische Selbstvertrauen. China braucht das deutsche Ingenieurswissen, die Präzisionsteile und die technologische Reife, um seine eigenen Ambitionen vom Weltmarktführer nicht zu gefährden. Ohne Zulieferer wie Schaeffler stünden viele chinesische Fabriken still.

Diese Wechselwirkung ist die einzige Versicherung, die der deutschen Industrie noch bleibt. Rosenfeld macht deutlich, dass man in China „eine Menge zu gewinnen, aber auch eine Menge zu verlieren“ habe. Eine einseitige Bewertung der Abhängigkeiten sei gefährlich und spiele Peking direkt in die Hände.

Deutschland müsse sich zwar mit der chinesischen Dominanz bei Rohstoffen auseinandersetzen, dürfe dabei aber nicht vergessen, dass Europa für Chinas Wirtschaftswachstum systemrelevant bleibt. Der Kanzler müsse in Peking als Partner auf Augenhöhe auftreten, nicht als Bittsteller einer kriselnden Exportnation.

Verteidigung als Festung: Der Plan für eine China-freie Rüstung

Doch Rosenfeld ist kein Träumer. Während er im zivilen Bereich auf Kooperation setzt, fordert er für sicherheitskritische Sektoren eine radikale Abkehr. Sein Konzept für die Rüstungsindustrie ist ein wirtschaftspolitischer Schutzwall, der in seiner Konsequenz aufhorchen lässt.

Eine Lieferkette im Verteidigungsbereich müsse laut dem Schaeffler-Chef zwingend „China-frei“ sein. Mehr noch: In einem bemerkenswerten Seitenhieb auf die aktuelle globale Instabilität fordert er, dass diese Ketten im Idealfall sogar „US-frei“ sein sollten.

Europa müsse in der Lage sein, seine Souveränität ohne die Hilfe von Supermächten zu verteidigen, die ihre Handelsbeziehungen zunehmend als Waffe einsetzen. Dies gilt insbesondere für Zukunftstechnologien wie humanoide Roboter.

Schaeffler entwickelt diese zwar auch in China weiter, doch die militärische und strategische Anwendung müsse streng kontrolliert in europäischer Hand bleiben. Es ist der Versuch, eine technologische Souveränität zurückzugewinnen, die durch die Globalisierung der letzten Jahrzehnte fast vollständig verloren gegangen ist.

Der riskante Spagat zwischen Peking und dem Pentagon

Die Herausforderung für Merz und die deutsche Industrie könnte kaum größer sein. Schaeffler beliefert sowohl europäische Hersteller, die in China für den Weltmarkt fertigen, als auch die rasant wachsenden chinesischen Automobilmarken.

Das Unternehmen sitzt damit direkt an der Nahtstelle des globalen Konflikts. Wenn der Kanzler in Peking zu hart auftritt, riskieren Konzerne wie Schaeffler ihre dortigen Investitionen. Tritt er zu weich auf, droht der Verlust der technologischen Führerschaft an eine asiatische Supermacht, die keine Gefangenen macht.

Rosenfelds Vorstoß markiert das Ende der Ära von „Wandel durch Handel“. Es geht nur noch um die Verwaltung von Abhängigkeiten und das Sichern von Rückzugswegen. Die Industrie hat erkannt, dass die Naivität der Vergangenheit im heutigen geopolitischen Klima tödlich sein kann.

Die Pointe dieser neuen Realität: Während Friedrich Merz versucht, die deutsche Exportwirtschaft in China zu retten, bereiten sich seine wichtigsten Industriemanager bereits auf den Ernstfall vor. Man verdient zwar noch Milliarden im Reich der Mitte, aber das Vertrauen ist längst der nackten Kalkulation gewichen. Wer in China gewinnt, darf nie vergessen, dass er dort jederzeit alles verlieren kann.

Finanzen / Märkte / Schaeffler / China / Deutsche Wirtschaft / Friedrich Merz / Wirtschaftspolitik
[InvestmentWeek] · 26.02.2026 · 09:00 Uhr
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