CDU-Kandidat gewinnt Stichwahl im Saale-Orla-Kreis gegen die AfD
Bei der Stichwahl um das Landratsamt im ostthüringischen Saale-Orla-Kreis hat sich der CDU-Kandidat Christian Herrgott durchgesetzt. Wie der Landeswahlleiter bekannt gab, unterlag der AfD-Kandidat Uwe Thrum. Thrum war mit einer klaren Führung in die Stichwahl gegangen und hatte auf das zweite AfD-Landratsamt bundesweit gehofft.
Nach Auszählung aller Stimmbezirke erreichte Herrgott 52,4 Prozent der Stimmen, während Thrum auf 47,6 Prozent kam. Der 39-jährige Herrgott ist derzeit Generalsekretär der Thüringer CDU und Mitglied des Landtags seit 2014. Sein erster Arbeitstag als Landrat ist für den 9. Februar vorgesehen.
Die Wahlbeteiligung lag bei rund 69 Prozent der über 66.000 Wahlberechtigten. Bereits im ersten Durchgang vor zwei Wochen beteiligten sich etwa 66 Prozent der Wähler, was doppelt so hoch ist wie bei der letzten Landratswahl 2018. In diesem ersten Wahlgang hatte Thrum mit 45,7 Prozent der Stimmen die Nase vorn gehabt. Herrgott erreichte damals 33,3 Prozent. Die AfD in Thüringen wird vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.
Parallel zu dieser Kommunalwahl fanden am Wochenende deutschlandweit Kundgebungen gegen Rechtsextremismus statt, an denen Hunderttausende Menschen teilnahmen. Allein in Düsseldorf waren laut Polizeiangaben bis zu 100.000 Menschen auf der Straße. Auch in Thüringen gab es mehrere Tausend Demonstranten. In der vergangenen Woche hatte sich ein breites Bündnis mit über 3.400 Kommunen, Verbänden, Unternehmen, Kirchen und Einzelpersonen unter dem Titel 'Weltoffenes Thüringen' der Öffentlichkeit vorgestellt.
Diese Wahl galt als erster Stimmungstest für die bevorstehenden Wahlen in Thüringen. Im Mai werden zahlreiche Landrats- und Oberbürgermeistersessel neu besetzt, gefolgt von den Landtagswahlen am 1. September. Die AfD liegt in Umfragen weit vorne und erreichte zuletzt immer Werte von über 30 Prozent. Ähnlich sieht es in Sachsen und Brandenburg aus, wo im Herbst ebenfalls Wahlen anstehen.
Der Saale-Orla-Kreis, der im Südosten Thüringens liegt und an Bayern und Sachsen grenzt, ist ländlich geprägt und gehört mit einem durchschnittlichen Bruttoverdienst von 29.048 Euro pro Arbeitnehmer zu den zehn Landkreisen Deutschlands mit den niedrigsten Gehältern. Etwa 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Niedriglohnsektor, so der Deutsche Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen.
Der Landkreis, wie auch andere Regionen Thüringens, kämpft mit sinkenden Einwohnerzahlen. Während im Jahr 1994 noch 103.000 Menschen dort lebten, waren es Ende 2022 rund 79.000 - von denen die Hälfte 50 Jahre und älter waren. Die größte Stadt des Kreises, Pößneck, hat etwa 12.000 Einwohner.
Ein Landrat hat als Chef der Kreisverwaltung die Aufgabe, Beschlüsse des Kreistages sowie des Landtags und des Bundestags umzusetzen. Außerdem kann er regionale Fragen wie die Betreuung in Kindertagesstätten oder die Sanierung von Gebäuden und Straßen klären. Auch bei der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen im Kreis können Landräte Entscheidungen treffen. In letzter Zeit hatten mehrere von der CDU geführte Landkreise in Thüringen etwa Bezahlkarten für Geflüchtete eingeführt. (eulerpool-AFX)

