Opferzahlen steigen

Gewalt gegen Frauen - und was die Politik dagegen tut

21. November 2025, 14:14 Uhr · Quelle: dpa
Pressekonferenz „Häusliche Gewalt 2024“
Foto: Britta Pedersen/dpa
BKA-Präsident Holger Münch, Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) präsentieren in Berlin zwei Sonderauswertungen der Polizeistatistik: Ein Bundeslagebild zu häuslicher Gewalt und ei
Die Zahlen zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland zeigen besorgniserregende Anstiege. Die Politik plant schärfere Gesetze und mehr Schutzmaßnahmen.

Berlin (dpa) - 308 getötete Frauen und Mädchen, 53.451 weibliche Opfer von Sexualstraftaten und 187.128 weibliche Opfer häuslicher Gewalt - in Berlin vorgelegte Zahlen der Ermittlungsbehörden für das vergangene Jahr aus den Bereichen häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen klingen erschreckend. Fast überall gab es Anstiege. Doch was sagen die Zahlen aus, wenn viele Taten im Dunkeln bleiben? Und welche Gegenmaßnahmen ergreift die Politik? 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich bei der Vorlage der Zahlen selbstkritisch. Die Politik tue nicht genug. «Da muss deutlich mehr kommen», sagte er. Die Bundesregierung habe sich das vorgenommen. Familienministerin Karin Prien (CDU) ergänzte: «Es ist alles immer noch nicht genug, solange auch nur eine Frau, auch nur ein Kind Opfer von Gewalt oder sexualisierter Gewalt wird.»

Die Zahlen

308 Frauen und Mädchen wurden 2024 gewaltsam getötet (32 weniger als 2023), 191 davon durch Partner, Ex-Partner oder andere Familienmitglieder. In allen anderen Bereichen gab es einen Anstieg:

  • 53.451 Frauen wurden Opfer von Sexualstraftaten (plus 2,1 Prozent), fast die Hälfte aller Opfer war unter 18 Jahren alt
  • 187.128 Frauen wurden Opfer häuslicher Gewalt (plus 3,5 Prozent)
  • 18.224 Frauen wurden Opfer von digitaler Gewalt, wie Nötigung, Bedrohung oder Stalking (plus 6 Prozent)
  • 593 Frauen wurden Opfer von Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung (plus 0,3 Prozent)

Die Kriminalstatistik zeigt nur Fälle, die den Ermittlern auch bekanntwerden. Der gemessene Anstieg kann also damit zusammenhängen, dass es tatsächlich mehr Taten gibt, aber auch damit, dass Menschen verstärkt Taten anzeigen. Man könne das nicht abschließend sagen, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) Holger Münch. «Die Vermutung ist, teils, teils.»

Politisch sind einige Vorhaben in der Planung und schon beschlossen, um Gewalttaten gegen Frauen zu begegnen. 

Elektronische Fußfessel

Das Bundeskabinett hat erst am Mittwoch einen Gesetzentwurf für eine sogenannte elektronische Fußfessel beschlossen. Künftig können Familiengerichte bei gewalttätigen Ex-Partnern das Tragen einer solchen elektronische Aufenthaltsüberwachung anordnen, damit diese sich an Auflagen halten, sich nicht zu nähern. Dies schaffe neue Schutzräume, sagte Dobrindt.

K.o.-Tropfen als Waffe einstufen?

Der Bundestag hatte kürzlich bereits ein Gesetz beschlossen, das den Handel und Vertrieb sogenannter K.o.-Tropfen, die als «Vergewaltigungsdroge» bekannt sind, stark eingeschränkt hat. Dobrindt kündigte an, dass auch die Strafen verschärft werden sollen. «K.o.-Tropfen sind K.o.-Waffen», sagte er, deshalb müssten sie bei der Strafverfolgung auch wie eine Waffe behandelt werden. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte ebenfalls bereits gesagt, dass Verschärfungen des Strafrechts etwa bei Vergewaltigungen unter Einsatz solcher Tropfen geplant seien.

Mehr Frauenhäuser und Beratung

Ein im Februar beschlossenes Gesetz verpflichtet die Bundesländer dazu, künftig ausreichend Frauenhausplätze und Beratungsangebote vorzuhalten. Ab 2032 sollen Betroffene einen Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Platz und Beratung bekommen. Der Bund gibt 2,6 Milliarden Euro. Prien nannte das Gesetz einen Meilenstein.

Zudem würden für die kommenden vier Jahre 150 Millionen Euro für die Sanierung und den Bau von Frauenhäusern zur Verfügung gestellt. Die Familienministerin verwies auch auf die Nummer des kostenlosen Hilfetelefons 116 016, an das sich Betroffene wenden können.

Dunkelfeldstudie für mehr Klarheit

Innenministerium, Familienministerium und Bundeskriminalamt haben Menschen in Deutschland zu Gewalterfahrungen befragt, unabhängig von gestellten Strafanzeigen. Die Ergebnisse dieser Dunkelfeldstudie sollen Anfang des kommenden Jahres vorgestellt werden, sagte BKA-Präsident Münch. Er verriet so viel: Die Anzeigequote im Bereich Partnerschaftsgewalt liege bei unter fünf Prozent. Viele Taten würden aus Angst, Abhängigkeit oder Scham nicht angezeigt. 

Prävention 

Bildungs- und Familienministerin Prien will sich nach eigenen Angaben dafür einsetzen, dass das Thema in den Schulen auf den Plan kommt. Sie werde es mit ihren Kollegen in den Ländern aufnehmen und gemeinsam überlegen, wie man Unterrichtseinheiten entwickeln könne. Sie verwies darauf, dass es an vielen Schulen beispielsweise auch schon Schutzkonzepte für Prävention beim Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder gebe.

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes appellierte an die Politik, sich stärker mit den gesellschaftlichen Ursachen von Gewalt gegen Frauen zu beschäftigen. Maßnahmen wie die elektronische Fußfessel seien richtig, griffen aber zu spät, nach der Gewalttat, sagte Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle. «Was im Verborgenen liegt muss stärker von der Politik adressiert werden: Ein patriarchales Weltbild mit der Vorstellung männlicher Überlegenheit und die strukturelle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.»

Kriminalität / Frauen / Deutschland
21.11.2025 · 14:14 Uhr
[1 Kommentar]
Kaputtes Paket
Bonn (dpa) - In Deutschland haben sich noch nie so viele Verbraucherinnen und Verbraucher über die Post und ihre Wettbewerber beschwert wie im vergangenen Jahr. Wie die Bundesnetzagentur mitteilte, gingen bei ihr 55.395 Beschwerden zu Postdienstleistungen ein und damit ein Viertel mehr als 2024. Damals waren es 44.406 gewesen.  Es geht um Briefe und […] (00)
vor 17 Minuten
Das Wireless Festival wurde abgesagt, nachdem das Innenministerium Kanye die ETA entzogen hat.
(BANG) - Das Wireless Festival wurde abgesagt, nachdem das Innenministerium Kanye die ETA entzogen und ihm damit die Einreise ins Vereinigte Königreich verweigert hat. Festival Republic bestätigte die Entscheidung in einer Erklärung und teilte mit, dass alle Ticketinhaber Rückerstattungen erhalten werden. Ein Sprecher sagte: "Das Innenministerium hat YE […] (00)
vor 15 Stunden
Anthropic
San Francisco (dpa) - Ein neues KI-Modell des OpenAI-Rivalen Anthropic ist so gut darin, bisher unentdeckte Software-Schwachstellen zu finden, dass es in den falschen Händen zu einer verheerenden Cyberwaffe werden könnte. Deshalb macht Anthropic es nicht öffentlich, sondern lässt Unternehmen wie Apple, Amazon und Microsoft damit Sicherheitslücken in […] (00)
vor 5 Stunden
FC 26 fixt nervigen Exploit – Update bringt wichtige Gameplay-Änderung
Viele Spieler kennen das Problem nur zu gut: Du liegst zurück, willst nochmal angreifen und dein Gegner spielt minutenlang den Ball zum Torwart zurück. Zeitspiel, Frust, kaum Chancen einzugreifen. Genau hier setzt das neue Update 1.5.3 für EA Sports FC 26 an. Und die Änderung dürfte für viele ein echter Gamechanger sein, die sich einige erhofft haben. […] (00)
vor 10 Stunden
«XO, Kitty» startet auf der Eins
Die deutsche Komödie «Eat Pray Bark» erreichte mit sieben Millionen Abrufen den zweiten Platz bei den nicht-englischsprachigen Filmen. Man muss kein Kuppler wie Kitty Song Covey (Anna Cathcart) sein, um zu erkennen, dass die Fans der dritten Staffel von XO, Kitty verfallen sind, wodurch die Young-Adult-Serie mit 12,9 Millionen Aufrufen auf Platz 1 der englischen TV-Liste landete. Die […] (00)
vor 9 Stunden
Real Madrid - FC Bayern München
Madrid (dpa) - Diesmal verließ Manuel Neuer das berühmte Estadio Santiago Bernabéu als strahlender Triumphator. Zwei Jahre nach seinem folgenschweren Fehler beim bitteren Halbfinal-Aus des FC Bayern in der Champions League gegen Real Madrid hatte der Münchner Kapitän nun kurz nach seinem 40. Geburtstag die Auszeichnung als «Man oft the Match» absolut […] (00)
vor 3 Stunden
kostenloses stock foto zu 4k wallpaper, anlagekonzept, bitcoin
Nach mehreren Tagen angespannter Lage haben die USA und Iran ein zweiwöchiges Waffenstillstandsabkommen erreicht, um Verhandlungen über einen dauerhaften Friedensvertrag zu ermöglichen. Die Finanzmärkte reagierten sofort auf diese Nachricht, jedoch in unterschiedlicher Weise. Während die meisten Vermögenswerte wie Bitcoin (BTC), Gold und Aktien […] (00)
vor 37 Minuten
Holzfassaden aus Douglasie: effizient und nachhaltig
Bopfingen, 08.04.2026 (PresseBox) - Möbel, Terrassen oder gar Schiffe: All das kann man aus dem Holz der heimischen Douglasie bauen. Ganz besonders in Außenbereichen nimmt die Verwendung dieses besonderen Materials stetig zu. Das hat einen guten Grund: Der Einsatz von natürlichen Materialien wie Holz trägt positiv zur CO ₂ -Bilanz von Geb ä uden bei. Die Douglasie rückt dabei als nachhaltige […] (00)
vor 1 Stunde
 
Karte von Israel und Libanon (Archiv)
Jerusalem - Die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte zweiwöchige Feuerpause im […] (00)
Fahrgäste in einer Straßenbahn (Archiv)
Wiesbaden - Im Jahr 2025 sind in Deutschland etwa gleich viele Fahrgäste im […] (00)
Nordkorea testet Raketenstartsysteme
Seoul (dpa) - Nordkorea hat nur wenige Stunden nach dem Abschuss mehrerer […] (01)
Tankstelle (Archiv)
Berlin - Die drei ostdeutschen Ministerpräsidenten Mario Voigt (Thüringen), Sven […] (05)
Robotaxi-Krieg: Travis Kalanicks vernichtendes Urteil bringt Tesla am Abgrund ins Straucheln
Der Ex-Uber-Boss prophezeit das Ende der Tesla-Dominanz Die Worte von Travis […] (00)
Kanye West
(BANG) - Pepsi hat sich nach Kritik an Kanye West aus dem Sponsoring des Wireless […] (00)
Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln
Frankfurt/Main (dpa) - Ein Zuschauer ist nach einem medizinischen Notfall während des […] (02)
Primetime-Check: Ostermontag, 6. April 2026
Welcher Sender tat sich bei den Jüngeren als erster «Tatort»-Verfolger hervor? ProSieben- […] (01)
 
 
Suchbegriff