Bundesanleihen im Aufwind: Schwache Industriedaten und politische Entspannung sorgen für Kursgewinne
Die Kurse deutscher Bundesanleihen konnten zulegen, gestützt durch unerwartet schwache Industriedaten aus der Bundesrepublik. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future verzeichnete am Vormittag einen Anstieg um 0,21 Prozent auf 128,81 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen bewegte sich bei 2,69 Prozent.
Eine unerfreuliche Entwicklung zeigt sich in der Produktion des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland, die im August um 4,3 Prozent zurückging. Dieser Rückgang übertraf die pessimistischeren Prognosen von Volkswirten um ein Vielfaches, die lediglich einen Rückgang von 1,0 Prozent vorausgesehen hatten. Hauptanteil daran hatte die Autoindustrie, die nicht nur von einem Produktionsrückgang, sondern auch von spätsommerlichen Werksferien betroffen war.
Ralph Solveen, Volkswirt der Commerzbank, beschreibt die Tendenz als eindeutig abwärtsgerichtet und spricht von einer deutlichen Belastung für die deutsche Wirtschaft, deren Wachstumsprognosen für das dritte Quartal wenig enthusiastisch ausfallen. Die wirtschaftlichen Aussichten sind derzeit merklich eingetrübt. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt von ING, äußert die Möglichkeit einer bevorstehenden technischen Rezession, gestützt auf aktuelle monatliche Daten, die eine kontraktierende Wirtschaft signalisieren.
Auch jenseits des Rheins bleibt die politische Großwetterlage ein Thema. Frankreichs Regierungsverhältnisse wanken, doch der zurückgetretene Premier Sébastien Lecornu zeigt sich zuversichtlich in seiner Mission, die politische Krise des Landes noch vor Neuwahlen zu entschärfen. Seine morgendlichen Gespräche in Paris mit Vertretern der Parteien säen Hoffnung auf einen bevorstehenden Haushaltsbeschluss bis Jahresende, womit die Gefahr einer Parlamentsauflösung vorerst gebannt scheint. Diese Annäherung ließ die Renditen französischer Staatsanleihen am Morgen stärker fallen als die ihrer deutschen Pendants.

