Bürokratischer Kraftakt: Deutschlands Wirtschaft leidet unter Verwaltungskosten
Eine aktuelle Studie des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA) bringt es ans Licht: Die deutsche Wirtschaft sieht sich im Jahr 2024 mit Bürokratiekosten von rund 67 Milliarden Euro konfrontiert, was etwa eineinhalb Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ausmacht. Während Bürokratie unbestritten Qualität, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit sichert, ist es entscheidend, diese so einfach und effizient wie möglich zu gestalten. Ein modernes, digitales Bürokratiesystem könnte daher zu einem erheblichen Standortvorteil werden, wie der VFA betont. Besonders kritisiert wird, dass Bürokratie Ressourcen bindet, die sonst für Forschung und Entwicklung oder die Produktion genutzt werden könnten.
Der größte Kostenblock, fast 51 Milliarden Euro, entsteht laut VFA durch allgemeine Vorschriften, inklusive arbeits-, steuer- und handelsrechtlicher Vorgaben. Weitere rund 16 Milliarden Euro ergeben sich aus branchenspezifischen Regulierungen. Besonders stark reguliert ist die Pharmaindustrie, wo der bürokratische Aufwand pro Beschäftigtem mehr als zwölfmal so hoch ist wie im Durchschnitt der Industrie. Seit 2012 sind die Bürokratiekosten dieser Branche auf fast 2,5 Milliarden Euro gestiegen.
Trotz belastender Vorschriften gibt es Hoffnungsschimmer: Wo Doppelregulierung abgebaut wird, kann dies erhebliche Entlastungen bringen. Gerade in der global vernetzten Pharmaindustrie könnte eine effiziente Regulierung dafür sorgen, dass Produktion, Forschung und Entwicklung bevorzugt in Deutschland angesiedelt werden. VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen hebt hervor, dass das Ziel eine moderne, international kompatible Bürokratie sein sollte, die Deutschlands wirtschaftliches Potenzial freisetzt.

