Bürgergeld treibt Kosten der Arbeitslosigkeit in Deutschland
Steigende Arbeitslosigkeit treibt Kosten
Als Hauptursachen nennen die IAB-Forscher den deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen sowie höhere Regelsätze in der Grundsicherung. Trotz der für 2025 vorgesehenen Nullrunde beim Bürgergeld rechnen die Experten auch im kommenden Jahr mit weiter steigenden Belastungen. Der anhaltende wirtschaftliche Abschwung dürfte die Zahl der Arbeitslosen hoch halten und damit die öffentlichen Haushalte zusätzlich strapazieren.
Gemessen am Bruttoinlandsprodukt machten die Kosten der Arbeitslosigkeit 2024 rund 1,77 Prozent des BIP aus. In die Berechnung fließen nicht nur direkte Ausgaben für Versicherungs- und Sozialleistungen ein, sondern auch Mindereinnahmen bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.
Transferleistungen dominieren die Ausgaben
Den größten Anteil an den Gesamtkosten stellen Transferzahlungen dar. Arbeitslosengeld und Bürgergeld einschließlich der darauf entfallenden Sozialversicherungsbeiträge summierten sich auf rund 47 Milliarden Euro. Damit entfielen etwa 61 Prozent der gesamten fiskalischen Kosten auf direkte Leistungen an Arbeitslose.
Hinzu kamen Mindereinnahmen des Staates von 29,6 Milliarden Euro, etwa durch entgangene Lohnsteuer sowie niedrigere Beiträge zur Sozialversicherung. Diese indirekten Effekte der Arbeitslosigkeit belasten die öffentlichen Finanzen damit fast ebenso stark wie die direkten Ausgaben.
Bürgergeld größter Einzelposten
Innerhalb der Transferleistungen ist das Bürgergeld der mit Abstand größte Kostenblock. Mit 25,1 Milliarden Euro entfielen gut 37 Prozent der Gesamtkosten auf diese Leistung und damit verbundene Ausgaben, etwa für Unterkunft und Heizung.
Die finanziellen Lasten verteilen sich dabei ungleich auf die staatlichen Ebenen. Besonders stark betroffen ist der Bund, der rund 32 Prozent der Kosten trägt. Es folgen die Bundesagentur für Arbeit mit 27 Prozent sowie die Rentenversicherung mit 14 Prozent.
Rücklagen der Bundesagentur aufgebraucht
Besonders kritisch ist die Lage bei der Bundesagentur für Arbeit. Nach Angaben des IAB sind ihre Rücklagen durch den seit mehr als drei Jahren anhaltenden Wirtschaftsabschwung vollständig aufgezehrt. Für 2025 erwartet die Behörde ein Defizit von 5,2 Milliarden Euro.
Um künftig ohne Darlehen des Bundes auszukommen, wäre laut IAB eine Rücklage in Höhe von mindestens 0,65 Prozent des BIP notwendig. Bezogen auf das aktuelle Wirtschaftsniveau entspräche das rund 29 Milliarden Euro – ein Ziel, das derzeit in weiter Ferne liegt.
Die Zahlen verdeutlichen, wie stark steigende Arbeitslosigkeit nicht nur soziale, sondern auch fiskalische Folgen hat. Ohne eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung dürfte der finanzielle Druck auf Bund, Sozialkassen und Beitragszahler weiter zunehmen.


