Britische Labormisere: Pharmafirmen ziehen Investitionen zurück
Der britische Markt für Laborflächen steht vor einer Herausforderung, da zahlreiche Pharmaunternehmen ihre Investitionen in das Vereinigte Königreich zurückgezogen haben. Einer aktuellen Analyse von CoStar zufolge hat sich die Leerstandsrate in Immobilien für die Lebenswissenschaften über das vergangene Jahr hinweg auf ein Rekordhoch von 9,9 Prozent verdoppelt. Ebenso fiel die Vermietungsaktivität von Laboren im gesamten Vereinigten Königreich um 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Diese Entwicklung stellt das Bestreben der Regierung infrage, Großbritannien zur „Supermacht“ im Bereich der Lebenswissenschaften zu machen, und wirft zugleich Zweifel an dem nach-Covid-Boom im Laborbau auf. Die Pläne der Labour-Partei zur Ankurbelung des Arzneimittelsektors stehen unter Druck, da Streitigkeiten mit Pharmafirmen über die NHS-Arzneimittelausgaben zu Verwerfungen geführt haben.
Erst kürzlich haben sich große Namen des Pharmasektors wie das börsennotierte britische Unternehmen AstraZeneca und das amerikanische Unternehmen Merck von Investitionsprojekten in Großbritannien zurückgezogen. Der britische Gesundheitsminister Wes Streeting bekräftigte indessen, er werde nicht zulassen, dass Pharmafirmen die Steuerzahler durch höhere Preise für die NHS ausbeuteten. Doch genau diese Aussage hat Unternehmen dazu veranlasst, das Vereinigte Königreich als „nicht investierbar“ zu bezeichnen.
Donald Trump hat die Spannungen weiter angestachelt, indem er Pharmafirmen dazu aufrief, verstärkt in die USA zu investieren. Als Reaktion darauf kündigte der britische Pharmaziegigant GSK ein Investitionsvolumen von 30 Milliarden Dollar (etwa 22 Milliarden Pfund) in den USA an, nur wenige Tage nachdem Merck seine Pläne für ein 1 Milliarde Pfund teures Forschungszentrum in Londons King’s Cross auf Eis gelegt hatte. Auch AstraZeneca und Eli Lilly setzten kürzlich ihre millionenschweren Investitionsprojekte in Großbritannien wegen der herausfordernden Rahmenbedingungen aus.
Laut einer separaten Untersuchung von Cushman & Wakefield ist die Leerstandsrate für Laborflächen in London dramatisch auf 35,2 Prozent gestiegen. Trotz eines leichten Anstiegs der Nachfrage in der ersten Jahreshälfte zeigen die Forscher, dass die gedämpfte Nachfrage weiterhin für steigende Leerstände sorgen wird. Zudem wird derzeit an rund 392.000 Quadratfuß Laborfläche gearbeitet, deren Fertigstellung in der zweiten Jahreshälfte erwartet wird. Das Immobilienunternehmen Life Science REIT kündigte unterdessen seinen Rückzug aus dem Geschäft an, da die schleppende Vermietungstätigkeit das Geschäftsergebnis belastet.
Ein Regierungssprecher beschwichtigte: Die Schwankungen bei den Leerstandszahlen könnten verschiedene Ursachen haben. Investoren wie Prologis und Unternehmen wie LifeArc und Relation Therapeutics hätten Milliardensummen in künftige Entwicklungen investiert. Man arbeite eng mit der Industrie zusammen, um im Rahmen des Lebenswissenschaften-Sektorplans Großbritannien als bevorzugten Investitionsstandort zu etablieren.

