Borderlands 4-Entwickler Randy Pitchford spricht über „Stop Killing Games“-Kampagne
Die Diskussion um die Initiative Stop Killing Games wird immer lauter. Ziel der Kampagne ist es, Spiele nach dem Ende ihres offiziellen Supports nicht komplett unspielbar zu machen, sondern sie auf privaten oder Community-Servern weiterleben zu lassen. Nach der Abschaltung von Ubisofts The Crew und der Enttäuschung vieler Spieler hat die Petition des YouTubers Ross Scott viel Aufmerksamkeit erlangt.
Nun hat sich auch Randy Pitchford, CEO von Gearbox (Borderlands 4), zu Wort gemeldet. In einem Gespräch mit The Gamer zeigte er sich zwiegespalten: Einerseits bewundere er den Aktivismus und verstehe die Enttäuschung, wenn Spiele verschwinden. Andererseits sei die Idee schwer mit Live-Service-Games vereinbar, die per Definition irgendwann ein Ende finden.
„Alles endet irgendwann“
Pitchford sprach offen darüber, selbst Spiele verloren zu haben, die er liebte. Trotzdem sieht er das Problem der Initiative darin, dass ein „lebendiger“ Service-Titel nicht gleichzeitig für immer bestehen könne. „Wenn wir Spiele haben, die aufrichtig Live-Services sind, dann scheint es widersprüchlich, ihnen kein Ende zu erlauben“, erklärte er.
Der Gearbox-Chef zog sogar Parallelen zur Vergänglichkeit allen Lebens. Er sprach über das Konzept des Wärmetods des Universums und meinte, dass der Widerstand gegen das Ende letztlich dazu geführt habe, dass Menschen länger leben. Vielleicht könnten auch Spiele eines Tages länger überdauern – aber niemals ewig.
Battleborn als Beispiel für Vergänglichkeit
Besonders emotional wurde Pitchford, als er über Battleborn sprach. Das gescheiterte Live-Service-Spiel von Gearbox, das heute ohne Community-Mods völlig unspielbar ist. Passenderweise handelte Battleborn thematisch vom letzten Stern im Universum, bevor die Dunkelheit alles verschlingt. „Ich hasse es, dass alles enden wird“, sagte Pitchford mit Blick auf die philosophische Dimension des Themas.
Für viele Spieler ist genau dieser Punkt jedoch schwer nachvollziehbar. Sie fordern nicht, dass ein Titel bis zum „Ende des Universums“ unterstützt wird, sondern nur, dass ein technischer Weg bleibt, um alte Spiele weiterhin genießen zu können – ohne sie komplett zu verlieren.

Das Live-Service-Spiel Battleborn erschien 2016 und ist heute in Vergessenheit geraten. – Bild: Gearbox
Die Branche bleibt gespalten
Pitchfords Gedanken stehen nicht allein. Auch Ubisoft-Chef Yves Guillemot betonte, dass „nichts ewig ist“. Branchenverbände wie Video Games Europe argumentieren zudem, dass die Anpassung jedes Live-Service-Spiels an private Server nicht nur extrem aufwendig, sondern auch finanziell untragbar wäre. Studios müssten möglicherweise weniger Spiele entwickeln, wenn diese Pflicht zur Nachsorge bestehen würde.
Auf der anderen Seite sehen viele Spieler in der Argumentation einen Vorwand. Schließlich sei es nicht nötig, Spiele bis in alle Ewigkeit zu pflegen, es gehe vielmehr um digitale Archivierung und Zugänglichkeit. Die Stop Killing Games-Kampagne bleibt damit ein Reizthema zwischen Idealismus, wirtschaftlicher Realität und philosophischer Sichtweise.
Randy Pitchford hat mit seinen Kommentaren deutlich gemacht, dass auch Entwickler die Problematik erkennen, aber keine einfachen Lösungen sehen. Zwischen Spielerwunsch nach Erhalt und den realen Zwängen der Branche bleibt ein Spannungsfeld, das wohl auch in den nächsten Jahren für Diskussionen sorgen wird. Ob die Initiative langfristig Veränderungen anstößt, ist unklar – sicher ist nur, dass die Debatte über die Zukunft und Vergänglichkeit von Spielen nicht so schnell enden wird.


