Bonusmeilen mit Hürden: Warum der Kreditkartenwechsel Lufthansa-Stammkunden verärgert
Neuer Anbieter, neue Offenlegungspflichten
Konkret geht es um den Wechsel vom bisherigen Partner DKB zur Deutsche Bank. Um ihre Kreditkarte weiter nutzen und damit die gesammelten Meilen dauerhaft sichern zu können, müssen Kunden einen neuen Antrag stellen. Dazu gehören erneute Angaben zu Einkommen und Vermögen sowie eine Schufa-Abfrage.
Genau das stößt vielen sauer auf. Auf Plattformen wie LinkedIn kündigen langjährige Kunden an, ihre Karten schlicht auslaufen zu lassen. Sie empfinden den erneuten Legitimationsprozess als unnötig aufwendig und sehen keinen Mehrwert darin, sensible Daten erneut offenzulegen. Spätestens zum 30. April verlieren die alten Karten ihre Gültigkeit.
Kreditkarte als zentrales Bindungsinstrument
Für den Lufthansa-Konzern ist die Kreditkarte mehr als ein Zahlungsinstrument. Das Miles-&-More-Programm soll Kunden langfristig binden. Neben Flugmeilen lassen sich bei Karteneinsätzen zusätzliche Meilen sammeln, die später gegen Prämien, Upgrades oder in seltenen Fällen Freiflüge eingelöst werden können.
Darüber hinaus spielen Statuspunkte eine wichtige Rolle. Wer bestimmte Schwellen erreicht, profitiert von besseren Services wie Lounge-Zugang oder bevorzugter Behandlung am Flughafen. Die Kreditkarte fungiert dabei als Beschleuniger im System.
Verweis auf regulatorische Vorgaben
Die Deutsche Bank verteidigt den Prozess. Nach bankrechtlichen Vorgaben müssten sich Kunden bei der Beantragung einer neuen Kreditkarte legitimieren. Die abgefragten Informationen seien branchenüblich und dienten sowohl der Sicherheit der Bank als auch dem Schutz der Kunden vor Missbrauch.
In der Praxis berichten Vielflieger jedoch von Problemen im Wechselprozess. Callcenter konnten häufig nicht weiterhelfen, Filialmitarbeiter waren teils unzureichend informiert. Kritisiert wurde auch, dass die bisherige Karte nicht automatisch gekündigt wird, was vorübergehend zu doppelten Gebühren führen kann. Hinzu kam ein zunächst niedriger Kreditrahmen von 2.500 Euro, der inzwischen auf 5.000 Euro angehoben wurde.
Lufthansa kalkuliert Abwanderung ein
Die Miles-&-More-Verantwortlichen weisen die Kritik zurück. Man sei sich bewusst, dass der Wechsel mit Aufwand verbunden sei, halte ihn aber für den sichersten Weg. Der einmalige Mehraufwand werde durch Wechselboni und langfristige Vorteile ausgeglichen. Für einen schnellen Umstieg bis Mitte Februar wurden Anreize von bis zu 6.000 Meilen und 40 Statuspunkten angeboten.
Konkrete Zahlen zum bisherigen Verlauf nennt die Lufthansa-Tochter nicht. In Deutschland werde die Miles-&-More-Kreditkarte von einer substanziell sechsstelligen Zahl von Kunden genutzt. Ein signifikanter Anteil habe sich bereits für den Wechsel entschieden. Gleichzeitig räumt das Unternehmen ein, dass bei einer Umstellung dieser Größenordnung mit Kündigungen gerechnet werde. Diese bewegten sich im erwartbaren Rahmen.
Loyalität hat Grenzen
Der Kreditkartenwechsel zeigt, wie empfindlich Kundenbeziehungen im Premiumsegment sind. Was aus regulatorischer Sicht nachvollziehbar sein mag, wird von Vielfliegern als unnötige Hürde wahrgenommen. Für die Lufthansa steht viel auf dem Spiel: Das Vertrauen in das eigene Treueprogramm.
Ob die angebotenen Boni ausreichen, um den Ärger zu kompensieren, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Klar ist schon jetzt: Loyalität lässt sich nicht unbegrenzt administrativ belasten.


