Präsidentenwahl

Bolivien: Stichwahl zwischen zwei Oppositionskandidaten

18. August 2025, 05:47 Uhr · Quelle: dpa
Nach den Wahlen in Bolivien tritt eine Stichwahl an, die einen Richtungswechsel signalisiert. Mit Fokus auf Lithium und Wirtschaftsreformen könnte dies die Zukunft des Landes prägen.

La Paz (dpa) - In Bolivien wird laut vorläufigen Ergebnissen eine Stichwahl über die künftige Staatsführung entscheiden. Keiner der Bewerber erreichte im ersten Durchgang die erforderliche Mehrheit, wie die Wahlbehörde nach Auszählung von etwa 90 Prozent der Stimmen mitteilte. Klar ist aber schon jetzt, dass nach fast zwei Jahrzehnten linker Regierungen ein politischer Richtungswechsel in dem südamerikanischen Land bevorsteht.

Am 19. Oktober treten die beiden Kandidaten gegeneinander an, die im ersten Durchgang die meisten Stimmen erhielten. Dies sind Senator Rodrigo Paz Pereira von der christlich-demokratischen Partei «Partido Demócrata Cristiano», die der politischen Mitte zugerechnet wird, und Ex-Präsident Jorge Quiroga von der rechtsgerichteten Partei «Libertad y Democracia» (Freiheit und Demokratie).

Globale Bedeutung und Chancen für Deutschland

Der sich abzeichnende politische Richtungswechsel zieht auch international Aufmerksamkeit auf sich: Das südamerikanische Land verfügt über die weltweit größten Lithiumreserven. Lithium ist ein zentraler Rohstoff für E-Autos und Batterien. Für die globale Energiewende spielt es deswegen eine wichtige Rolle.

Die Förderung kommt allerdings bislang nur langsam voran, ein Regierungswechsel könnte Investitionen erleichtern. «Man sitzt in den Startlöchern», sagt Bolivien-Expertin Christina Stolte von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mit Blick auf deutsche Unternehmen.

Wirtschaftskrise, hohe Armut und politischer Machtkampf

Bolivien steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise: Benzin- und Devisenmangel, hohe Inflation und fehlende Medikamente prägen den Alltag. Die linke Regierung setzte stark auf Subventionen, vor allem für Treibstoffe, was den Staatshaushalt belastete. 

Zudem gehört Bolivien zu den ärmsten Ländern Südamerikas, besonders betroffen sind ländliche und indigene Regionen. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist hoch, und wegen der schlechten Wirtschaftslage kommt es immer wieder zu Protesten. Rund 12 Millionen Menschen leben in dem Binnenstaat, der etwa dreimal so groß wie Deutschland ist.

Die Politik war lange vom Machtkampf zwischen Ex-Präsident Evo Morales und dem scheidenden Staatschef Luis Arce der linken Partei «Movimiento al Socialismo» (MAS) geprägt - beide traten aus unterschiedlichen Gründen nicht an.

Arce zog sich vor der Wahl wegen sinkender Beliebtheit zurück. Morales durfte wegen der verfassungsrechtlichen Amtszeitbegrenzung nicht mehr antreten. Zudem sieht er sich einem Haftbefehl wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen ausgesetzt und hält sich deswegen seit Monaten in seiner Hochburg in Cochabamba auf, wo ihn Anhänger schützen.

Zwei moderate Oppositionskandidaten treten an

Vor diesem Hintergrund treten in der Stichwahl zwei erfahrene Oppositionspolitiker gegeneinander an: Rodrigo Paz Pereira, Sohn des früheren Präsidenten Jaime Paz Zamora (1989–1993), plant, die politische Tradition seiner Familie fortzusetzen und die Wirtschaft zu öffnen. Der Ökonom setzt auf institutionelle Reformen und ein moderates Modernisierungsprogramm, das ausländische Investitionen erleichtern soll.

Quiroga, der 2001 bis 2002 kurz Präsident war, tritt mit einem wirtschaftsliberalen Kurs an. Der Wirtschaftsingenieur will den defizitären Staatssektor verkleinern, selektive Privatisierungen umsetzen und Treibstoffsubventionen schrittweise reduzieren. Zudem zeigt er sich offen für eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Neben Quiroga galt ursprünglich der Unternehmer Samuel Doria Medina als Favorit für die Stichwahl. Dass sich nun Paz durchgesetzt hat, gilt als Überraschung.

Stabilität statt radikalen Umbruch

Anders als in Argentinien mit dem radikalen Kurs von Präsident Javier Milei strebt die bolivianische Wählerschaft laut KAS-Expertin Stolte «keine Revolution, sondern Stabilität» an. Die ethnische Zugehörigkeit spiele politisch kaum noch die Rolle wie unter Morales, der als erster indigener Präsident 13 Jahre regierte (2006 bis 2019).

Laut Volkszählung 2012 sind 41 Prozent der Bolivianer über 15 Jahre indigener Herkunft, Schätzungen von 2017 gehen von etwa 48 Prozent aus. Schon vor der Wahl kündigten viele Indigene, die früher zur MAS gehörten, ihre Unterstützung für die Opposition an. 

Auch das Parlament wurde neu gewählt

Am Rande der Abstimmung kam es zu Zwischenfällen. Der linke Kandidat Andrónico Rodríguez wurde nach seiner Stimmabgabe von mutmaßlichen Anhängern des Ex-Präsidenten Morales mit Steinen attackiert. Wenige Stunden zuvor war am selben Ort die Detonation eines Sprengsatzes gemeldet worden. Über Verletzte lagen zunächst keine Informationen vor. Neben der Präsidentenwahl wurde auch ein neues Parlament bestimmt.

Regierung / Wahl / Bolivien
18.08.2025 · 05:47 Uhr
[0 Kommentare]
Auswärtiges Amt
Berlin (dpa) - Das Auswärtige Amt kritisiert scharf die jüngsten Drohungen Russlands gegen die Ukraine und ausländische Diplomaten. Nach der Aufforderung Russlands, dass ausländische Bürgerinnen und Bürger Kiew verlassen sollen, bestellte das Auswärtige Amt den russischen Botschafter in Berlin ein, wie es auf der Plattform X mitteilte. Russland setze […] (00)
vor 12 Minuten
Anne Hathaway
(BANG) - Anne Hathaway war aufgrund eines geheim gehaltenen Gesundheitsproblems zehn Jahre lang auf dem linken Auge "gesetzlich blind". Die 43-jährige Schauspielerin aus 'Der Teufel trägt Prada 2' verriet, dass sie während ihrer Dreißigerjahre unter Sehproblemen litt. Bei ihr wurden früh einsetzende Katarakte (Grauer Star) diagnostiziert, wodurch sie […] (00)
vor 3 Stunden
watchOS 27 bringt verbessertes Herzfrequenz-Tracking für die Apple Watch
In seinem aktuellen Power On-Newsletter berichtet der renommierte Bloomberg-Redakteur Mark Gurman, dass das kommende watchOS 27 das Herzfrequenz-Tracking der Apple Watch optimieren wird. Während diese Verbesserung für Sportler spannend ist, müssen sich Nutzer auf den neuen KI-Gesundheitscoach wohl noch etwas länger gedulden. Apple Watch, Bild: […] (00)
vor 3 Stunden
Warhorse bestätigt: Das neue Kingdom Come wird ein Open World RPG – und kommt ohne Henry
Warhorse Studios hat still und heimlich seinen Status als One-Hit-Wonder des Mittelalter-RPGs abgelegt. Das tschechische Studio, das mit Kingdom Come: Deliverance 2 über vier Millionen Einheiten verkaufte, arbeitet parallel an zwei AAA-Projekten: einem Open World RPG in Tolkiens Mittelerde – und einem neuen Kingdom Come Abenteuer, das sich vom […] (00)
vor 5 Stunden
Staffel 20: «Bergdoktor» operiert auch 2027
Die Dreharbeiten mit Hans Sigl und Co. steigen noch bis Dezember - die Ausstrahlung ist für Anfang 2027 anberaumt. 20. Staffel der ZDF-Erfolgsserie: Seit Ende April entstehen in Ellmau und Umgebung neue Folgen vom Publikumsliebling "Der Bergdoktor". Neben Hans Sigl in der Titelrolle spielen erneut in den Hauptrollen Heiko Ruprecht, Monika Baumgartner, Ronja Forcher, Mark Keller, Natalie O'Hara, […] (00)
vor 5 Stunden
SC Paderborn 07 - VfL Wolfsburg
Paderborn (dpa) - Nach dem ebenso bitteren wie verdienten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga wollten die Wolfsburger Spieler nur noch weg. Reden über das aus ihrer Sicht Unfassbare tat kein Profi mehr. Nachdem sie minutenlang mit leeren Blicken vor ihren schockierten und wütenden Fans gestanden hatten, verschwanden die Grün-Weißen in der Paderborner […] (02)
vor 1 Stunde
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Das Pi Network ist eine der ungewöhnlicheren Geschichten in der Kryptowelt. Im Gegensatz zu den meisten Token, die zunächst Liquidität aufbauen und dann nach Nutzern suchen, hat das Team von Pi jahrelang eine mobile Community aufgebaut, bevor es sich durch ein Token-Generierungsereignis dem breiteren Kryptomarkt öffnete. Die Frage, ob das Pi Network […] (00)
vor 34 Minuten
Weitere Förderung für Healthcare Accelerator in Regensburg
Regensburg, 26.05.2026 (PresseBox) - Mit dem BioPark Jump hat Regensburg eine neue Anlaufstelle für Gründer aus den Bereichen der Lebenswissenschaften und Gesundheitswirtschaft geschaffen. Das erfolgreiche Projekt erhält für weitere 3 Jahre eine Förderung. Die BioPark Regensburg GmbH, ein Unternehmen der Stadt Regensburg, erhält eine weitere Förderung vom Bayerischen Staatsministerium für […] (00)
vor 1 Stunde
 
Justizzentrum (Archiv)
Frankfurt am Main - Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat entschieden, dass […] (02)
Siemens (Archiv)
Berlin - Der Industriekonzern Siemens will im Zuge seiner Umorganisation zahlreiche […] (01)
Passagiere vor Informationstafel am Frankfurter Flughafen
Wiesbaden - Im Jahr 2025 haben 652.000 Kurzstreckenflüge mit Passagierbeförderung an […] (00)
Proteste in Izmir
Izmir (dpa) - In der türkischen Küstenmetropole Izmir haben Tausende gegen die […] (01)
Vonovia im Schuldensumpf: Neuer Chef will trotzdem wachsen – ein riskanter Balanceakt
Die Erbe der Expansionsjahre: Wie Vonovia in die Schuldenfalle tappte Der deutsche […] (00)
«30 Rock»-Darsteller Grizz Chapman mit 52 Jahren gestorben
Der aus der Kultserie «30 Rock» bekannte Schauspieler Grizz Chapman ist im Alter von 52 Jahren […] (02)
Julian Nagelsmann
Herzogenaurach (dpa) - Das WM-Abenteuer beginnt. Julian Nagelsmann spürt, «wie extrem […] (00)
Tom Hanks
(BANG) - Tom Hanks ringt damit, dass er immer wieder zum Thema Zweiter Weltkrieg […] (00)
 
 
Suchbegriff