Boeing-Aktie verlustreich: Kongressausschuss nimmt Vorgänge bei Boeing genauer unter die Lupe

Die Ermittler des House Transportation and Infrastructure Committee, die sich mit dem Design und der Zertifizierung der 737 MAX befassen, haben Details einer drei Jahre alten internen Boeing-Umfrage erhalten. Diese zeigen, dass etwa jeder dritte Mitarbeiter, der geantwortet hat, in Bezug auf sicherheitsrelevante Genehmigungen durch Bundesbehörden in einer Reihe von Verkehrsflugzeugen "potenziell übermäßigen Druck" von Managern empfindet.

Als wichtige Ursachen wurden Arbeitsbelastung und Zeitplanung genannt. Solche Konflikte könnten problematisch werden, wenn es um Boeing-Ingenieure ging, die im Auftrag des Flugzeugherstellers bestimmte Systeme entwarfen und dann im Auftrag der Luftfahrtverwaltung dieselben Systeme als sicher zertifizierten. Es ist eine jahrzehntelange Praxis, dass die Agentur solche Regulierungsaufgaben an die Mitarbeiter des Unternehmens delegiert.

Die Zusammenfassung der Umfrage vom November 2016 ergab auch, dass 15 Prozent der Befragten solche Situationen "mehrmals" oder "häufig" erlebten. Die Umfrageergebnisse wurden dem Komitee von einer Einzelperson und nicht im Rahmen des formalen Prozesses der Dokumentenübergabe von Boeing zur Verfügung gestellt und vom Wall Street Journal überprüft.

Die Umfrage konzentrierte sich nicht speziell auf die MAX, sondern umfasste Mitarbeiter aus einer Reihe von Boeing-Programmen für Verkehrsflugzeuge. Sie fand gegen Ende des mehrjährigen Bundesgenehmigungsverfahrens für den MAX näher. Boeing lehnte es ab, die Umfrage zu kommentieren, aber ein Vorstandsmitglied sagte, dass eine interne Überprüfung keine Anzeichen dafür ergeben habe, dass übermäßiger Druck die Sicherheit beeinträchtigt hätte.

Boeing führte die Umfrage im selben Monat durch, als ein leitender Firmenpilot, der an der Entwicklung der MAX 737 beteiligt war, einem Kollegen schrieb, dass die Testpiloten von Boeing "so verdammt beschäftigt waren und Druck" von den Programmbeamten bekommen hätten, die die Entwicklung der Flugzeuge beaufsichtigten. Sie hätten nicht genügend Zeit, um technische Probleme zu lösen, heißt es in einer Abschrift der internen Nachrichten, die vom Journal überprüft und von Boeing am Freitag den Ermittlern des Kongresses mitgeteilt wurden.

Diese Einblicke in die interne Kultur von Boeing während der Entwicklung des MAX deuten auf Konflikte hin, die sich aus einem Regulierungssystem ergeben können, in dem die Mitarbeiter sowohl für ihren Arbeitgeber als auch für dessen Aufsichtsbehörde arbeiten. In einigen Fällen können Boeing-Ingenieure oder -Manager im Namen der Aufsichtsbehörde FAA Entscheidungen zu Komponenten treffen, die sie selbst für das Unternehmen konstruieren oder bauen.

Solche Fragen stehen im Mittelpunkt der eskalierenden Debatte im Kongress um die Art und Weise, wie das MAX genehmigt wurde. Peter DeFazio, der demokratische Vorsitzende des Parlamentsausschusses, deutete an, dass er bei der Anhörung Ende dieses Monats plant, Boeing-CEO Dennis Muilenburg nach der internen Kultur des Unternehmens zu fragen. DeFazio ist der Ansicht, dass Boeing stärker für zwei Flugzeugabstürze mit 346 Toten in die Verantwortung genommen werden sollte.

Boeing hatte Muilenburg erst kürzlich den von bisher von ihm parallel besetzten Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden entzogen. Am Sonntag wollte der Verwaltungsrat San Antonio zusammenkommen.

Boeing-Aktie fällt in Richtung August-Tief

Die Schwäche der Boeing-Aktien hat sich zum Wochenauftakt fortgesetzt. Nachdem die Anteile bereits am Freitag mit einem Minus von fast 7 Prozent ihren größten Tagesverlust seit Februar 2016 verbucht hatten, ging es am Montag an der NYSE zuletzt um weitere 3,76 Prozent auf 331,06 Dollar bergab. Zeitweise waren die Papiere bis auf 324,40 Dollar abgerutscht und hatten sich damit ihrem August-Tief bei 319,55 Dollar genähert.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte wegen angeblicher Versäumnisse im Zusammenhang mit Ermittlungen zur Zulassung des Krisenjets 737 Max Vorwürfe gegen Boeing erhoben. Mit UBS und Credit Suisse strichen am Montag zudem zwei Investmenthäuser ihre Kaufempfehlungen für die Aktien.

Die hohen Zahlungen wegen angeblicher Versäumnisse im Zusammenhang mit den Ermittlungen dürften den Free Cashflow des Flugzeugherstellers bis zum Jahr 2022 deutlich schmälern, schrieben die Credit-Suisse-Analysten. Sie senkten deshalb auch ihre Gewinnprognosen für diesen Zeitraum.

WASHINGTON (Dow Jones)/ (dpa-AFX)

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[finanzen.net] · 21.10.2019 · 22:17 Uhr
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