Bitcoin zeigt ein Chartmuster wie im Jahr 2022, aber die Situation ist anders

Der bekannte Makroanalyst Alex Krüger widerspricht einem Vergleich, der seit Beginn der Angriffe im Zusammenhang mit Iran die Runde macht: Die Märkte würden das Schockmuster des Russland-Ukraine-Konflikts von 2022 wiederholen, wobei insbesondere Bitcoin einem ähnlichen Muster folge. Krüger argumentiert, dass die Analogie dort bricht, wo es für Bitcoin entscheidend ist: bei der Geldpolitik und der Dauer des Energieschocks.
Wichtige Faktoren für Bitcoin
Krüger betont, dass Kriege und Konflikte oft Kaufgelegenheiten schaffen, auch wenn die anfängliche Reaktion risikoscheu ist. 2022 war nicht die Invasion selbst das Problem, sondern die nachfolgenden Ereignisse. Damals erreichten Bitcoin und andere Risikoanlagen ihren Tiefpunkt am Tag der russischen Invasion in der Ukraine (24. Februar), erholten sich kurzzeitig und fielen dann bis Ende März weiter, als die Märkte erneut abrutschten. Der Krieg war der Auslöser, nicht der Motor. Der Motor war die aggressive Zinserhöhung der Federal Reserve bei bereits hoher Inflation und einem Ölpreisanstieg, der das Inflationsproblem verschärfte.
Krüger behauptet, dass 2026 nicht das gleiche politische Umfeld wie 2022 hat. Damals war die Fed "hinter der Kurve" mit einer Inflation von 7,9% und einem realen Fed Funds Rate von etwa -7,5%. Heute befindet sich die Fed im "Abwarten-Modus", mit einer sinkenden Inflation und realen Zinsen von etwa +1,2%.
Selbst wenn ein Ölpreisanstieg die Inflation vorübergehend erhöht, hat die Fed laut Krüger Spielraum, um darauf nicht sofort zu reagieren. Bei +1,2% realen Zinsen müssen sie nicht in einen Angebotsschock hinein straffen. 2022 hatten sie keine Wahl, bei -7,5% waren sie katastrophal im Rückstand. Das ist der Unterschied, der für Risikoanlagen zählt.
Krüger verweist auf die jüngsten Äußerungen der Fed, die diese Haltung unterstützen. John Williams sagte, dass Öl die kurzfristige Inflationsprognose beeinflussen würde, aber die Beständigkeit entscheidend sei. Der US-Finanzminister Scott Bessent argumentierte ebenfalls, dass die USA in einer anderen Position seien als bei der russischen Invasion in der Ukraine.
Der zweite Pfeiler von Krügers Argumentation ist, dass die Ölunterbrechung 2026 eher vorübergehend ist im Vergleich zu 2022. Damals verlor Europa den Zugang zu etwa 4,5 Millionen Barrel russischem Rohöl und raffinierten Produkten pro Tag, und Sanktionen machten diese Unterbrechung effektiv dauerhaft. Diesmal sind Irans eigene Barrel nicht der entscheidende Faktor.
Der Fokus des Marktes liegt auf der Straße von Hormus, durch die etwa 14 Millionen Barrel pro Tag transportiert werden, was etwa 20% des weltweiten Verbrauchs an Erdölflüssigkeiten ausmacht. Krüger sagt, dass die Futures-Kurve die wahre Geschichte erzählt. 2022 wurde der Frontmonat um etwa +50% und der zehnte Vertrag um +29% neu bewertet. 2026 schätzt er, dass der Frontmonat um +32% gestiegen ist, aber der zehnte Vertrag nur um +12%, was darauf hindeutet, dass Händler das Ende der Störung sehen, anstatt eine Umstrukturierung der Lieferketten.
Risiken für Bitcoin
Krüger erklärt, was einen "vorübergehenden" Schock in eine 2022-ähnliche Regimeverschiebung verwandeln könnte: direkte, wiederholte Angriffe, die die Raffineriekapazität oder LNG-Anlagen für Monate außer Betrieb setzen. Iran hat bereits Ras Tanura, Fujairah und katarische LNG-Anlagen getroffen, hauptsächlich mit Trümmern von abgefangenen Drohnen, aber er sieht ein Eskalationsmuster in Richtung Energieinfrastruktur.
Für Bitcoin ist die Schlussfolgerung weniger das Abgleichen von Mustern im Chart, sondern mehr das Beobachten, ob der makroökonomische "Ausschalter" glaubwürdig bleibt. Krügers Faustregel ist einfach: Wenn das Ende der Kurve neu bewertet wird, signalisiert der Markt, dass der Schock strukturell wird. "Aber bis heute", schrieb er, "hat die Kurve nicht gezuckt. Verwechseln Sie einen vorübergehenden geopolitischen Schock (2026) nicht mit einer großen Liquiditätskrise (2022)."

