Bewegung im festgefahrenen Tarifstreit: Oettinger vor Durchbruch?
Der langanhaltende Tarifkonflikt bei der Brauerei Oettinger könnte bald ein Ende finden. Der Schlichter Benedikt Hövelmann hat nach Aussagen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) potenzielle Eckpunkte für eine Einigung präsentiert, denen die NGG bereits ihre Zustimmung erteilt hat. Die langwierigen Schlichtungsverhandlungen dieser Woche endeten bislang ergebnislos, in deren Verlauf es bereits zu mehrtägigen Warnstreiks kam.
Stefan Blaschak, Geschäftsführer von Oettinger, bestätigte den Vorschlag des Schlichters, betonte jedoch: "Dies ist kein Schiedsspruch, sondern lediglich ein konstruktiver Vorschlag zur Empfehlung." Er fügte hinzu, dass keine Details genannt werden könnten, da bis zur endgültigen Empfehlung Stillschweigen vereinbart sei. Blaschak hob die Bedeutung eines lösungsorientierten Vorgehens für die Zukunft des Unternehmens hervor.
Im Gegensatz zur Brauerei informierte die NGG über die Inhalte des Vorschlags. Demnach beinhalte er die Wiedereinsetzung der Manteltarifverträge für die Standorte in Mönchengladbach, Oettingen und Walldorf mit einigen redaktionellen Änderungen. Eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit sei damit vom Tisch. Zudem umfasse der Vorschlag eine tabellenwirksame Erhöhung aller Entgelte um 2 Prozent rückwirkend ab dem 1. Juli und um 0,8 Prozent ab dem 1. Januar 2026 bei einer Laufzeit von 17 Monaten.
Tim Lubecki, Verhandlungsführer der NGG, äußerte sich skeptisch: "Die vorgeschlagene Entgelterhöhung liegt weit unter den branchenüblichen Abschlüssen. Aber die Wiedereinsetzung der Manteltarifverträge bietet den Beschäftigen Sicherheit. Daher sind wir bereit, diesen Kompromiss zu akzeptieren." Er erwarte, dass auch die Mitarbeiter hinter dem Vorschlag stehen.
Sollte Oettinger nicht zustimmen, droht die NGG mit einer erneuten Eskalation des Tarifkonflikts. Einer Erhebung von BarthHaas, dem weltgrößten Hopfenhändler aus Nürnberg, zufolge, rangiert die Oettinger Gruppe als drittgrößte Brauereigruppe Deutschlands hinter Radeberger und TCB (Frankfurter Brauhaus, Feldschlösschen, Gilde Brauerei) und vor der Paulaner Gruppe. Weltweit steht Oettinger damit auf Platz 30.

