Bayer erwägt "Texas Two-Step" zur Glyphosat-Einigung
Eine potenzielle Wende kündigt sich im Rechtsdrama des Dax-gelisteten Bayer-Konzerns an: Bayer spielt mit dem Gedanken an eine riskante juristische Vorgehensweise – bekannt als der "Texas Two-Step" – um die zahlreichen offenstehenden Glyphosatklagen in den USA beizulegen. Insiderberichten zufolge berät sich das Unternehmen mit Anwälten und setzt dabei auf eine Methode in der Rechtstaktik, die in der Vergangenheit nicht immer von Erfolg gekrönt war. Diese Taktik erfordert die Aufsplittung von Vermögenswerten und Schulden in separate Einheiten, mit der Möglichkeit, den belasteten Teil in den Bankrott zu führen und damit Vergleichsverhandlungen zu erzwingen.
Das Manöver steht im Einklang mit der Ankündigung Bayers, im Kampf gegen die rechtlichen Herausforderungen neue Lösungswege zu gehen. Das Unternehmen hat bereits Anfang März im Rahmen eines Strategie-Updates formuliert, die legalen Risiken aktiv zu reduzieren. Eine Schlüsselrolle wird hierbei die Bestellung neuer Kanzleien und die bevorstehende Aufnahme der renommierten Juristin Lori Schechter in den Aufsichtsrat sein. Bayer-Chef Bill Anderson bekräftigte die Entschlossenheit, gegen jedes negative Urteil vorzugehen und betonte die Notwendigkeit einer kombinierten Vorgehensweise aus Verteidigung und politischer Kooperation, ohne jedoch nähere Details zu nennen.
Die Auseinandersetzungen um den Unkrautvernichter haben Bayer bereits beträchtliche Summen gekostet: 13 Milliarden Euro, um genau zu sein. Ungeachtet dessen, bleiben circa 54.000 Klagen bestehen, welche bis Ende Januar 2023 mit Rückstellungen von 6,3 Milliarden US-Dollar (entspricht etwa 5,7 Milliarden Euro) bewertet wurden. Finanzchef Wolfgang Nickl äußerte die Hoffnung, dass diese Summe ausreichend sei, konnte jedoch keine Garantie dafür übernehmen. Dies verdeutlicht einmal mehr die Schwere der Situation, während zahlreiche Experten und Wirtschaftsprüfer die Lage eingehend prüfen. (eulerpool-AFX)

