Demonstrationen

Bauernverband ruft zu Mäßigung auf

06. Januar 2024, 16:09 Uhr · Quelle: dpa
Der Schock über die eskalierte Bauernaktion gegen Habeck scheint tief zu sitzen und hat eine Diskussion über die Protestkultur ausgelöst. Jetzt richtet sich der Blick auf die kommende Aktionswoche.

Berlin (dpa) - Kurz vor einer Protestwoche der Agrarbranche hat der Bauernverband die Teilnehmer zur Mäßigung aufgerufen. Es dürfe keine Aktionen vor Privatwohnungen von Gesprächspartnern - also Politikern - oder persönliche Anfeindungen geben, appellierte der Verband. «Demo-Symbolik wie Galgen, schwarze Fahnen oder andere Symbole extremistischer Gruppen lehnen wir entschieden ab!» Die Bundesregierung machte deutlich, am Agrarkompromiss festhalten zu wollen.

Ab Montag planen Bauern zahlreiche Aktionen, um gegen die Agrarpolitik zu demonstrieren. Geplant sind etwa Traktorkonvois, Blockaden und Kundgebungen. Am Donnerstag war eine Protestaktion in Schleswig-Holstein eskaliert: Dort blockierten Demonstranten an der Nordseeküste eine Fähre und hinderten Wirtschaftsminister Robert Habeck am Aussteigen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auch viele Politiker fordern nach dem Vorfall, dass sich Demonstranten an Recht und Gesetz halten müssen.

Der Bauernverband erklärte nun, man distanziere sich scharf von Personen, die Umsturzfantasien propagierten oder Gewalt verherrlichten. Das gelte auch für rechtsextremistische Kreise und andere radikale Randgruppen - «auch weil diese teilweise unseren Protest für ihre niederträchtigen Anliegen vereinnahmen wollen». Landwirte seien aufgerufen, nur friedlich zu demonstrieren und nur an angemeldeten und genehmigten Aktionen teilzunehmen.

«Sie haben sich verrannt»

Auch Finanzminister Christian Lindner rief die Bauern auf, friedlich zu bleiben. «Lassen Sie sich nicht unterwandern und instrumentalisieren. Sie haben sich verrannt, bitte kehren Sie um», sagte der FDP-Chef. Protest müsse verhältnismäßig und im Rahmen der demokratischen Ordnung erfolgen.

Ähnlich äußerte sich Agrarminister Cem Özdemir. «Wer jetzt glaubt, mit Umsturzfantasien hier irgendwie Eindruck machen zu können, wird sehen, dass die Mehrheit unseres Landes und auch die Politik da sehr klar steht: Wir sind nicht erpressbar», sagte der Grünen-Politiker am Freitagabend im ZDF. Er unterschied zwischen einem legitimen Protest und Aktionen wie gegen Habeck.

Der Protest der Landwirte hatte sich an Sparplänen der Koalition entzündet. Die Kraftfahrzeugsteuerbefreiung für die Landwirtschaft soll nun allerdings weiter gelten. Die Steuerbegünstigung beim Agrardiesel soll nur schrittweise auslaufen. Die Branche argumentiert unter anderem mit dem internationalen Wettbewerb. Dem Bauernverband reicht die teilweise Rücknahme der Pläne nicht aus.

Özdemir hatte sich dafür starkgemacht, dass die Sparmaßnahmen abgemildert werden. Auf die Frage, ob er den Landwirten weiter entgegenkommen könne, sagte er: «Nein, denn das müsste gegenfinanziert werden.» Die Koalition gehe sehr fair vor.

Auch Lindner verteidigte die Ampel-Politik: «Gerade eine europäisch und national so hochsubventionierte Branche wird sich nicht jedes Konsolidierungsbeitrags erwehren können.» Man könne nicht auf der einen Seite von der gesenkten Stromsteuer profitieren wollen und zusätzliche Fördermittel für den Stallumbau fordern und auf der anderen Seite an alten Subventionen festhalten.

«Viele in unserem Land schockiert»

Die Aktion gegen Habeck hat auch eine Diskussion über die Protestkultur in Deutschland ausgelöst. «Zu sehen, wie ein Minister auf einer privaten Reise von einer aggressiven Menschenmenge eingeschüchtert wird und sich nach Bedrohungen in Sicherheit begeben musste, hat viele in unserem Land schockiert, auch mich. Das dürfen wir nicht hinnehmen», sagte etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der «Bild» (Freitag).

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sieht eine besondere Verantwortung des Bauernverbands und regionaler Organisatoren. «Sie müssen vor den angekündigten Demonstrationen in der kommenden Woche deeskalieren», sagte Haßelmann der Deutschen Presse-Agentur. Sie müssten sich Gedanken machen, wie sie friedlichen Protest und die Sicherheit von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Politikern gewährleisteten, die sich der demokratischen Debatte stellten.

Die «Welt am Sonntag» berichtete unterdessen, dass Behörden im Zusammenhang mit den geplanten Protesten Mobilisierungsaufrufe und Solidaritätsbekundungen von Rechtsextremisten, Gruppierungen der Neuen Rechten und der Querdenker-Szene, besonders in den sozialen Medien, beobachteten. Dabei berief sich das Blatt auf das Bundeskriminalamt und Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern. Darunter seien Aufrufe für einen «Generalstreik» und «Umsturzrandale» sowie für eine «Unterwanderung» der Demonstrationen. Auch das Innenministerium hatte vor Versuchen gewarnt, Bauernproteste zu missbrauchen.

Agrar / Demonstrationen / Subventionen / Extremismus / Kriminalität / Bundesregierung / Bauern / Bauernprotest / Robert Habeck / Protetstwoche / Bauernverband / Deutschland
06.01.2024 · 16:09 Uhr
[51 Kommentare]
Friedrich Merz und Lars Klingbeil (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung macht sich nach eigenen Angaben trotz Spannungen zwischen Union und SPD wegen Steuervorschlägen der Sozialdemokraten keine Sorgen um den Koalitionsfrieden. Er schätze diesen derzeit als "sehr gut" ein, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Mittwoch in Berlin auf Anfrage der dts Nachrichtenagentur. Es handele sich um einen "völlig normalen politischen Vorgang", […] (00)
vor 3 Minuten
Louis Tomlinson
(BANG) - Louis Tomlinson fühlt sich zu alt, um gewisse Songs von One Direction zu singen. Der 34-jährige Sänger wurde als Mitglied der britischen Boyband berühmt. Obwohl er bei seinen Live-Shows auf den Katalog der Gruppe zurückgreift, sei es oft gar nicht so einfach, die Tracks auszuwählen, weil er sich mit manchen Texten nicht mehr wohlfühlt. Auf die Frage, ob er bereits die One Direction-Songs […] (00)
vor 1 Stunde
Ein Mann hält ein Smartphone in der Hand
Berlin (dpa/tmn) - Per Fingertipp einmal täglich bestätigen, dass es einem gut geht, dass man lebt - und anderen die Sicherheit geben, dass nichts passiert ist, auch wenn man einmal nicht ans Telefon gegangen ist oder sich mit der Antwort auf eine Nachricht viel Zeit gelassen hat. Das will die in China über Nacht populär gewordene App «Si le me» («Bist du tot?») leisten. Denn die sendet eine Mail […] (00)
vor 37 Minuten
Ubisoft Producer nennt Assassin’s Creed Shadows „AAAA“ – Ein Ausrutscher oder Größenwahn?
In der Gaming-Welt gibt es Marketing-Buzzwords, die kommen und gehen, aber ein Begriff hält sich hartnäckig wie ein Kaugummi am Schuh: „AAAA“. Erinnert ihr euch an das Debakel um  Skull and Bones ? Nun scheint es, als hätte Ubisoft diesen elitären, fast schon absurden Standard noch nicht ganz zu Grabe getragen. Ein Adlerauge aus der Community, Timur222, hat auf LinkedIn eine Entdeckung gemacht, […] (00)
vor 21 Minuten
Ethan Hawke
(BANG) - Ethan Hawke verrät, dass die Vorstellung, KI in Filmen einzusetzen, den Wunsch in ihm weckt, "zurück ins Theater" zu gehen. Der 'Blue Moon'-Schauspieler versteht die Technologie nicht vollständig, ist jedoch der Meinung, dass ihr Einsatz im Film bedeutet, dass die "Zukunft" nun in Live-Events mit echter menschlicher Interaktion liegt. Im Gespräch mit 'The Hollywood Reporter' gestand er: […] (00)
vor 1 Stunde
Basketball: NBA, Pressekonferenz
Berlin (dpa) - Die Chancen auf ein Comeback von Basketball-Star Franz Wagner beim NBA-Heimspiel in Berlin steigen. «Mir geht es sehr gut. Ich habe ein gutes Training gehabt und ich plane morgen zu spielen», sagte der 24-Jährige vor der Partie seiner Orlando Magic gegen die Memphis Grizzlies am Donnerstag (20.00 Uhr/Amazon Prime). Es ist das erste reguläre Saisonspiel der Liga in Deutschland - dazu […] (00)
vor 1 Stunde
Perverser KI-Sumpf: Zwingt Deutschland Elon Musk jetzt in die Knie?
Die Schonfrist für das Silicon Valley ist vorbei. Ein aktueller Bericht der Nachrichtenagentur Reuters legt offen, dass die deutsche Justiz drastische Maßnahmen gegen KI-generierte Bildmanipulationen vorbereitet. Es geht nicht mehr um abstrakte Debatten über Urheberrecht oder Datenschutz. Der Fokus hat sich verschoben: Wir sprechen über digitale Gewalt in ihrer reinsten Form. Im Zentrum des Sturms […] (00)
vor 20 Minuten
Synchronsprecher, Nostalgie und Charity
Sinsheim/Speyer, 14.01.2026 (lifePR) - Die Retrobörse im Technik Museum Speyer lädt am Samstag, 24. Januar 2026, von 9 bis 19 Uhr, und am Sonntag, 25. Januar 2026, von 9 bis 17: 30 Uhr in die Raumfahrthalle und in das FORUM Kino des Museums ein. Besucher können sich auf ein vielseitiges Programm mit prominenten Synchronsprechern, abwechslungsreichen Talkrunden, zahlreichen Ausstellern, […] (00)
vor 1 Stunde
 
Kiefer Sutherland
Los Angeles (dpa) - Hollywood-Star Kiefer Sutherland (59, «Flatliners», «24») ist wegen […] (00)
Carabinieri
Florenz (dpa) - Im Fall einer in der Toskana getöteten Deutschen hat die italienische Polizei […] (00)
Baumkänguru-Jungtier in England geschlüpft
Chester (dpa) - Neugierig und noch etwas unsicher blickt das kleine Tierchen mit seinen […] (01)
Steffen Baumgart (Archiv)
Berlin - Der Fußball-Bundesligist Union Berlin hat den Vertrag mit Cheftrainer Steffen Baumgart […] (00)
Anna-Maria Ferchichi
(BANG) - Anna-Maria Ferchichi und Bushido sind wieder zusammen. Ihre Liebe überwindet alle […] (00)
VfB Stuttgart - Eintracht Frankfurt
Stuttgart (dpa) - Rückkehrer Ermedin Demirovic, Torjäger Deniz Undav und Joker Nikolas Nartey […] (05)
Eklat in Michigan: Trump reagiert auf Zwischenrufe mit obszöner Geste
Provokationen während des Werksbesuchs Der Vorfall ereignete sich während eines öffentlichen Auftritts in […] (01)
SPIEGEL Media baut Client-Partner-Bereich für direkte Kundenansprache auf
Mit einer neuen Einheit will SPIEGEL Media den direkten Kontakt zu Werbungtreibenden stärken und […] (00)
 
 
Suchbegriff