Barrierefrei fliegen: Unterstützung am Flughafen und Ihre Ansprüche

Damit Sie das Maximum aus diesen Rechten herausholen, zeigt dieser Beitrag, wie Sie Hilfe rechtzeitig organisieren, worauf Sie am Flughafen und an Bord Anspruch haben, wie Ihre Mobilitätshilfen geschützt werden – und was bei Verspätungen zusätzlich gilt.
Assistenz rechtzeitig anmelden
EU-Verordnung (EG) Nr. 1107/2006 schützt Passagiere mit Behinderung oder eingeschränkter Mobilität und sichert kostenlose Hilfe an Flughäfen zu; deutsche und europäische Behörden empfehlen die Voranmeldung 48 Stunden vor Abflug über Airline oder Reisebüro. Nennen Sie präzise, was Sie brauchen: Abholung an einem Treffpunkt, Begleitung zur Abfertigung, Hilfe an der Sicherheitskontrolle, Boarding per Ambulift, Sitzplatzwechsel, Unterstützung beim Umstieg, Begleitperson, Mitnahme eines Assistenzhundes.
Ebenso wichtig sind technische Details zu Hilfsmitteln (z. B. Maße und Gewicht des Rollstuhls, Akku-Typ, Zerlegeanleitung). Wird die Frist verpasst, bleibt Ihr Anspruch auf Unterstützung bestehen, es kann aber zu Wartezeiten kommen.
Praktisch: Legen Sie sich eine kurze Checkliste in der Reise-App oder auf Papier an (Buchungsnummer, Notfallkontakt, Treffpunkt am Flughafen, Besonderheiten Ihrer Mobilitätshilfe).
Welche Hilfe Ihnen am Flughafen zusteht
An EU-Flughäfen ist für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität ein kostenloser Begleitservice vorgesehen. Von ausgewiesenen Treffpunkten (z. B. Parkhaus, Bahnhof, Terminaleingang) werden Sie zum Check-in, durch die Sicherheits- und Passkontrolle bis an die Flugzeugtür (und bei Bedarf in den Sitz) begleitet.
Nach der Landung bringt Sie das Assistenzteam über die Grenz- und Gepäckbereiche bis zum Abholpunkt oder Anschlussverkehr. Diese Unterstützung ist nicht „Goodwill“, sondern Pflicht – auch bei knappen Umstiegszeiten. Planen Sie dennoch Puffer ein: Je komplexer die Strecke (z. B. Terminalwechsel), desto wertvoller sind 30 zusätzliche Minuten. Für Umsteiger empfiehlt sich die erste Sitzreihe hinter der Trennwand oder ein Sitz nahe der Tür, sofern sicherheitsrechtlich möglich.
An Bord: Sicher sitzen, gut versorgt
In der Kabine dürfen Sie grundsätzlich nicht wegen Ihrer Einschränkung benachteiligt werden. Die Besatzung hilft beim Ein- und Aussteigen, beim Verstauen von Handgepäck und – sofern vorhanden – mit einem Bordrollstuhl beim Gang zur Toilette. Medizinische Geräte (z. B. CPAP) sind nach vorheriger Anmeldung in der Regel erlaubt. Führen Sie Bedien- und Freigabedokumente mit.
Wenn eine Begleitperson aus Sicherheitsgründen verlangt wird (etwa bei notwendiger persönlicher Assistenz, die das Kabinenpersonal nicht leisten darf), muss die Airline dies transparent begründen und frühzeitig kommunizieren.
Tipp: Klären Sie Sondermahlzeiten, Kühlbedarf für Medikamente und Stromanschlüsse vorab. Ein kurzes Bord-Briefing („So heben Sie meinen Rollstuhl an“, „So helfe ich mir am besten“) erleichtert der Crew die Unterstützung.
Rollstühle & Mobilitätshilfen
Eigenständigkeit hängt oft am Hilfsmittel. Damit Rollstuhl, Scooter oder andere Mobilitätshilfen sicher transportiert werden, sollten Sie sie deutlich kennzeichnen (Name, Telefonnummer, Airline-Tag), Gelenke fixieren, lose Teile abnehmen und eine kurze Handling-Anleitung in Klarsichtfolie anbringen.
Bei batteriebetriebenen Geräten gelten je nach Akku-Typ (Nass, Gel, Lithium) spezifische Verpackungs- und Schaltvorgaben. Diese Infos gehören in die Voranmeldung. Lassen Sie sich am Gate bestätigen, wenn der Rollstuhl bis zur Flugzeugtür mitgeführt wird („delivery at aircraft“).
Kommt es trotz aller Sorgfalt zu Beschädigungen oder Verlust, melden Sie den Schaden sofort am Gepäckschalter (PIR-Bericht), dokumentieren Sie Fotos, Rechnungen und Funktionseinschränkungen und verlangen Sie eine zeitnahe Ersatzlösung.
Für individuell angepasste Geräte kann eine zusätzliche Versicherung oder – sofern angeboten – eine „Sonderwerterklärung“ sinnvoll sein. Wichtig: Notieren Sie die Namen der Ansprechpersonen und Uhrzeiten – das beschleunigt die Regulierung.
Wenn der Flug hakt
Auch bei längeren Wartezeiten müssen Assistenzleistungen am Flughafen weiterlaufen – etwa Begleitung zu barrierefreien Ruhezonen, Sanitäranlagen oder zu einem ruhigen Wartebereich. Unabhängig davon gibt es nach EU-Recht in bestimmten Fällen Ausgleichszahlungen, etwa bei großer Verspätung oder Annullierung. Wie hoch mögliche Pauschalen je Flugdistanz sind, sehen Sie bei AirHelp auf einen Blick in der Flugverspätung Entschädigung Tabelle.
Für die Durchsetzung Ihrer Ansprüche hilft ein strukturiertes Vorgehen: Boardingkarten, Bestätigungen der Verspätungsdauer, eventuelle Service-Belege (Mahlzeiten, Hotel, Transfer), Namen von Ansprechpersonen – alles sammeln und digital ablegen. Prüfen Sie außerdem besondere Betreuung, die Ihnen während der Unregelmäßigkeit zusteht (Getränke, Mahlzeiten, Kommunikation, ggf. Hotel/Transfer), und lassen Sie sich Zusagen kurz schriftlich bestätigen.
Praktische Kurz-Checkliste vor Abflug
- Assistenz spätestens 48 Stunden vor Abflug anmelden, Buchungsnummer bereithalten
- Daten zu Mobilitätshilfen (Maße, Gewicht, Akku-Typ, Zerlegeplan) hinterlegen
- Treffpunkt am Flughafen klären, Pufferzeit einplanen
- Ärztliche Bescheinigungen/Medikamentenliste/Bedienhinweise griffbereit
- Sitzplatzwunsch und ggf. Begleitperson mit Airline abstimmen
- Für Umstiege: Wegezeiten prüfen, barrierefreie Routen priorisieren
- Bei Störungen: Belege, Zeiten, Namen dokumentieren; Rechte prüfen
Weitere Informationen
Weitere Informationen stellt das deutsche Luftfahrt-Bundesamt in Form von Fragen & Antworten zur eingeschränkten Mobilität zur Verfügung.

