Russischer Angriffskrieg

Ausfuhr von bis zu 178 Leopard-1-Panzern in die Ukraine

08. Februar 2023, 03:50 Uhr · Quelle: dpa
Die Bundesregierung gibt grünes Licht für den Export von Leopard-1-Kampfpanzern in die Ukraine. Nun steht fest, wie viele. In Kiew nennt Verteidigungsminister Pistorius ebenfalls konkrete Zahlen.

Berlin (dpa) - Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Ausfuhr von bis zu 178 Kampfpanzern des Typs Leopard 1A5 in die Ukraine genehmigt. Das teilten das Wirtschafts- und das Verteidigungsministerium in Berlin gemeinsam mit. «Wie viele Leopard 1A5 Kampfpanzer tatsächlich an die Ukraine geliefert werden, hängt von den erforderlichen Instandsetzungsarbeiten ab», heißt es in der Erklärung weiter.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hofft, dass die Lieferungen bei der Abwehr einer erwarteten neuen russischen Angriffswelle helfen werden. «Es sind hohe Stückzahlen, die dort bereitgestellt werden, um die russische Frühjahrsoffensive dann abzuwehren», sagte der Vizekanzler in der US-Hauptstadt Washington.

Da die Panzer noch hergerichtet werden müssten, sei der genaue Zeitplan nicht absehbar, sagte Habeck. «Aber es sollte ja natürlich möglichst zügig gehen.» Wenn man sich im Nachhinein frage, ob solche Entscheidungen nicht früher hätten fallen können, «dann hat man natürlich einen Punkt», so der Grünen-Politiker. Andererseits sei die Frage wohl müßig, weil dabei immer auch die politische und militärische Situation eine Rolle spiele.

Entscheidung nach längerer Diskussion

Die Bundesregierung hatte bereits in der vergangenen Woche ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem Export gegeben. Der Leopard 1 ist der erste Kampfpanzer, der für die Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Von 1965 bis Mitte der 80er Jahre wurden 4700 Exemplare produziert. Die Bundeswehr hat ihre letzten Leopard-1-Panzer bereits vor 20 Jahren ausgemustert.

Die Bundesregierung hatte nach längerer Diskussion bereits vor zwei Wochen entschieden, der Ukraine 14 modernere Leopard 2 zu überlassen sowie Verbündeten solche Lieferungen des in Deutschland entwickelten Waffensystems zu erlauben. Auch Schützenpanzer vom Typ Marder und das Flugabwehrraketensystem Patriot sollen an die Ukraine gehen. Die Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland läuft bereits.

Pistorus in Kiew: Ukraine erhält mehr als 100 Leopard-1-Panzer

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte bei seinem ersten Besuch in Kiew, die Lieferung der Leopard 1 werde in Etappen erfolgen. Bis zum Sommer sollten 20 bis 25 Panzer geliefert werden, bis Ende des Jahres bis zu 80. Ziel sei, im Laufe des ersten oder zweiten Quartals 2024 auf mehr als 100 zu kommen. Dies bedeute, dass mindestens drei ukrainische Bataillone einschließlich des zu beschaffenden Materials für Ersatzteile und Munition ausgerüstet werden sollten. Zudem habe man mit der Ausbildung von 600 Feldwebeln begonnen.

Erhalten soll die Ukraine die Panzer von einer Gruppe mehrerer europäischer Länder. In einer gemeinsamen Erklärung mit den Verteidigungsministerien der Niederlande und Dänemarks hieß es, dass die beiden Länder sich auch an der Leopard-1-Lieferung beteiligen. «Dänemark, Deutschland und die Niederlande stellen überholte Leopard 1A5 aus industriellen Beständen zur Verfügung», hieß es. Die Initiative sei offen für andere Länder. Belgien habe erstes Interesse an einer Teilnahme signalisiert.

Resnikow: «Deutschland steht an der Seite der Ukraine»

Mit der aktuellen Zusage zur Lieferung der Leopard-1-Panzer verbinde er «den Wunsch und die große Hoffnung, dass auch dieser Beitrag dazu beitragen kann, dass die Ukraine weiter verteidigungsfähig bleibt und dem Angriff standhält», sagte Pistorius. Der Wille des ukrainischen Volkes, die Heimat zu verteidigen, sei ungebrochen. «Dafür zolle ich Ihnen meine größte Bewunderung», sagte der Minister bei einem gemeinsamen Auftritt mit seinem ukrainischen Kollegen Olexij Resnikow.

Resnikow zeigte sich hoch erfreut über die angekündigte Panzer-Lieferung. «Es gibt keinen Zweifel - Deutschland steht an der Seite der Ukraine», schrieb er auf Facebook. Dies sei ein bedeutender Beitrag Deutschlands zum Kampf der Ukraine gegen die Aggression Russlands. «Die Unterstützung ist enorm, es kann nur noch besser werden.»

Selenskyj dankt Deutschland für Unterstützung

Selenskyj wertete den Besuch als «ein Signal für die Unterstützung der Ukraine». «Die Ukraine ist sehr an der Unterstützung durch einen der Führer der Europäischen Union – Deutschland – interessiert, besonders in dieser für uns schwierigen Zeit», wurde Selenskyj in einer Mitteilung seines Präsidialamtes weiter zitiert. «Wir sind dankbar für die jüngsten Entscheidungen, für alle Entscheidungen», betonte er. Die von Pistorius erst später verkündete Panzer-Lieferung wurde in der Mitteilung nicht erwähnt.

Pistorius betonte, es dürfe keinen Zweifel daran geben, dass Deutschland sowie die anderen Partner in Europa und darüber hinaus «auch in Zukunft fest an der Seite der Ukraine stehen werden und wir sie weiter unterstützen werden mit allem, was nötig ist». Bis Ende des Monats erhält die Ukraine nach Pistorius' Angaben weitere Lenkflugkörper, zudem fünf Gepard-Flugabwehrpanzer und weitere fünf Dachs-Pionierpanzer. Fünf Brückenlegepanzer vom Typ Biber würden im März geliefert.

Konflikte / Krieg / Verteidigung / Boris Pistorius / Wolodymyr Selenskyj / Kampfpanzer / Leopard / Deutschland / Ukraine / Russland
08.02.2023 · 03:50 Uhr
[5 Kommentare]
Bundeswehr-Soldat mit Pistole (Archiv)
Berlin/Oldenburg - Verfassungsrechtler kritisieren eine mögliche Genehmigungspflicht für Auslandsreisen für junge Männer. "Insgesamt halte ich die aktuelle Regelung außerhalb des Spannungs- und Verteidigungsfalles nicht für verhältnismäßig", sagte Alexander Thiele, Professor für Öffentliches Recht an der Business & Law School Berlin, der "Welt". Ziel […] (02)
vor 24 Minuten
Quantenphysik schlägt künstliche Intelligenz — mit nur neun Atomen
Wer mehr Rechenleistung braucht, baut größere Systeme — so lautet die Grundannahme, auf der ein großer Teil der modernen Computerentwicklung beruht. Mehr Schichten, mehr Verbindungen, mehr Energie. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Physical Review Letters, stellt diese Logik grundsätzlich infrage. Ein Forschungsteam hat […] (00)
vor 5 Stunden
Review: Reolink Duo 3V PoE – statische Überwachung mit Dual-Kamera
Die Reolink Duo 3V PoE fällt schon beim ersten Blick aus dem Rahmen klassischer Überwachungskameras. Sie verzichtet auf ein einzelnes Objektiv und setzt stattdessen auf ein Dual-Lens-System, das zwei separate Kameras zu einem 180°-Panoramabild kombiniert. Das ist keine Spielerei: Die Kamera zielt darauf ab, maximale Flächen mit minimaler Hardware […] (00)
vor 2 Stunden
Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Stunden ich allein in Charakter-Editoren verbracht habe. Über alle Spiele hinweg, seit ich 2003 meinen ersten Helden in Neverwinter Nights zusammengeklickt habe. Das Ergebnis: mindestens 200 Stunden. Zweihundert Stunden, in denen ich Nasenlängen justiert, Augenbrauen verschoben und Haarfarben verglichen habe, ohne […] (00)
vor 13 Minuten
Prime Video zeigt Doku «Jerry West: The Logo» im April
Der Streamingdienst widmet der Basketball-Legende eine persönliche und schonungslose Dokumentation. Prime Video hat den Trailer zur Dokumentation Jerry West: The Logo veröffentlicht. Der abendfüllende Film feiert am 16. April seine Premiere und wird weltweit in mehr als 240 Ländern und Territorien verfügbar sein. Regie führt Kenya Barris, der mit «Jerry West: The Logo» sein Dokumentarfilmdebüt […] (00)
vor 9 Stunden
Daniel Altmaier
Monte-Carlo (dpa) - Tennisprofi Daniel Altmaier hat sein Auftaktmatch beim Masters-1000-Turnier in Monte-Carlo verloren. Der Deutsche unterlag dem Tschechen Tomas Machac in einer umkämpften Partie mit 4: 6, 6: 1, 3: 6. Nach verlorenem ersten Satz zeigte sich Altmaier stark verbessert. Nach einem schnellen Break zum 3: 1 wehrte er in einem umkämpften […] (00)
vor 3 Stunden
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Ein neuer Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) warnt vor den Risiken der Krypto-Tokenisierung. Die Umstellung der Handelsinfrastruktur von Wall Street auf blockchain-basierte Systeme könnte Finanzkrisen beschleunigen und die Reaktionsfähigkeit der Regulierungsbehörden überfordern, obwohl die Technologie verspricht, Kosten zu senken und […] (00)
vor 29 Minuten
Veranstaltungstipp – Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen und freier Eintritt
Mainz, 06.04.2026 (lifePR) - Wir laden Familien herzlich zu einer gemeinsamen Entdeckungstour durch die Kunsthalle ein. Hier gibt es immer etwas anderes zu erleben. Gemeinsames Rätseln, Forschen oder Zeichnen vor den Kunstwerken – mach einfach mit! Der Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen findet am Sonntag, den 19/04 um 14 Uhr statt und ist Teil des Programms  Freistunden. Im Rahmen der  […] (00)
vor 3 Stunden
 
natur, nature, ireland, landscape, frühling, travel, sea, holiday
Viel Sonne bei lokaler Bewölkung und Wind Am Ostermontag prägt viel Sonnenschein das […] (02)
Britta Haßelmann
Berlin (dpa) - Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann fordert Korrekturen an der neuen […] (01)
Älteres Paar (Archiv)
Berlin - Für neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepots soll künftig ein […] (01)
Krankenwagen
Korinth (dpa) - Eine 43 Jahre alte Touristin aus Deutschland ist im Raum der […] (02)
Gordon Ramsay
(BANG) - Gordon Ramsay soll im Mittelpunkt einer weiteren Netflix-Dokumentation […] (01)
Super Mario Galaxy-Film sprengt Kino-Rekorde – Milliarden-Erfolg zeichnet sich ab
Was gerade im Kino passiert, fühlt sich fast unwirklich an. Der neue Super Mario-Film […] (00)
Review: Ecovacs Deebot T90 Pro Omni Saugwischer im Test
Hallo zusammen! Nach intensiver Recherche und dem Vergleich zahlreicher Roboter- […] (00)
Netflix holt Kinderformat «Danny Go!» ins Programm
Die erfolgreiche YouTube-Reihe erweitert ihr Publikum und startet Anfang April beim […] (01)
 
 
Suchbegriff