Aufruhr bei Thyssenkrupp: Ein Aktienjahr voller Herausforderungen
Der Vorstandsvorsitzende von Thyssenkrupp, Miguel López, warb auf der virtuellen Hauptversammlung des Industriekonzerns inständig um das Vertrauen der Aktionäre in die aktuelle Unternehmensstrategie. Angesichts der notwendigen Erneuerung des Konzerns versprach López, die Neuausrichtung engagiert voranzutreiben. Trotz gegenteiliger Stimmen machte er deutlich, dass man sich auch weiterhin um einen fairen Interessenausgleich mit den Arbeitnehmervertretern bemühen wolle. Besonders in der mit Schwierigkeiten kämpfenden Stahlsparte müsse das Steuer nun herumgerissen werden, um eine profitable Zukunft sicherzustellen.
Gegenstimmen ließen jedoch nicht lange auf sich warten. Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment äußerte herbe Kritik am ersten vollen Geschäftsjahr von López, das er als enttäuschend bezeichnete. Die Lage bei Thyssenkrupp sei „äußerst angespannt“ und drohe gar zu eskalieren. Auch wurde López vorgeworfen, bisher keine klaren Pläne zur anstehenden Umstrukturierung der Stahlsparte geliefert zu haben, trotz angekündigter Schritte zur Kapazitätsanpassung und Arbeitsplatzverlagerungen.
Finanziell bleibt die Luft ebenfalls dünn: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2023/24 sank der Umsatz um sieben Prozent auf 35 Milliarden Euro, während unter dem Strich ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro zu Buche schlug. Vor allem Marktwertberichtigungen und Restrukturierungskosten belasten die Bilanz. Nichtsdestotrotz plant der Vorstand eine Dividende von 15 Cent je Aktie auszuschütten. Deka-Investment sprach von einem "verlorenen Jahr" und zeigte sich skeptisch bezüglich einer zukünftigen Erholung.
Der Aktienkurs verzeichnete im letzten Jahr einen Einbruch von 50 Prozent und weist im Vergleich zur Branche gar ein Minus von nahezu 80 Prozent auf. Solche Zahlen fordern ihren Tribut; Aktionäre und Anleger sind zunehmend ungeduldig. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz drängt auf zügige Entscheidungen und eine klare Strategie für die kriselnde Stahlsparte.
Hendrik Schmidt und Ingo Speich mahnen unterdessen, der Wert von Thyssenkrupp müsse im Sinne aller Parteien endlich steigen. Besonders im Interesse der Arbeitnehmer, deren Engagement ungebrochen ist. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich das Ruder herumreißen lässt und ob die anvisierten Maßnahmen Wirkung zeigen.

