Krieg in der Ukraine

Auf Putins Gespräch mit Trump folgt heftige Attacke in Kiew

04. Juli 2025, 16:04 Uhr · Quelle: dpa
Die ukrainische Hauptstadt erlebt einen der schlimmsten Angriffe mit russischen Drohnen und Raketen. Es gibt viele Verletzte - und einen scharfen Kommentar aus Kiew.

Kiew/Moskau/Berlin (dpa) - Bei einem der schlimmsten russischen Luftangriffe gegen die ukrainische Hauptstadt Kiew sind etwa zwei Dutzend Menschen verletzt worden. In einer «brutalen und schlaflosen Nacht» habe Russland bei diesen «zynischen Angriffen» 550 Drohnen, Raketen und Marschflugkörper eingesetzt, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj auf X. Behörden berichteten auch von einem Toten, der aus den Trümmern gezogen wurde. Selenskyj forderte den Westen erneut auf, bei der Stärkung seiner Flugabwehr zu helfen. «Patriots und die Raketen dafür sind wahre Beschützer des Lebens», sagte er. 

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach von einer der schlimmsten Nächte seit Kriegsbeginn vor mehr als drei Jahren. «Hunderte russische Drohnen und ballistische Raketen rasselten auf die ukrainische Hauptstadt nieder. Direkt nach Putins Gespräch mit Präsident Trump», erklärte er. Kremlchef Wladimir Putin zeige deutlich «seine völlige Verachtung für die Vereinigten Staaten und alle, die ein Ende des Krieges gefordert haben». US-Präsident Donald Trump fordert seit Wochen vergeblich ein schnelles Ende der Angriffe.

Merz sieht Zusammenhang zwischen Angriffen und Telefonat

Putin hatte mit Trump in dem Telefonat am Donnerstag unter anderem über seinen Krieg gegen die Ukraine gesprochen. Trump äußerte sich anschließend «nicht glücklich»: Es habe keinen Fortschritt gegeben. Der Kreml sprach hingegen von einem sachlichen und konkreten Dialog.

Mit den großangelegten Attacken will Russland die Ukraine zermürben und zur Aufgabe ihres Widerstandes zwingen. Eine Kapitulation lehnt Kiew ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht einen Zusammenhang zwischen dem Telefonat Putins mit Trump und den anschließenden massiven Luftangriffen auf die Ukraine. Der Kanzler habe in den vergangenen Tagen mehrfach gesagt, «dass es ein Muster gibt beim russischen Präsidenten», sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius. Telefonate würden üblicherweise von umso härteren Angriffen begleitet. «Das, was vergangene Nacht passiert ist, hat diesen Eindruck unterstützt oder bestärkt.»

Die massiven Angriffe nach dem Telefonat sprächen für sich, sagte Kornelius. Er hoffe, dass sie zu einer anderen Haltung vor allem in Sanktionsfragen beitrügen. Bisher ist US-Präsident Trump den Forderungen der EU nach Verschärfung der Russland-Sanktionen nicht nachgekommen. 

Das Auswärtige Amt verurteilte die russischen Angriffe - kurz nach einem Besuch von Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) diese Woche in Kiew. «Russland setzt weiter auf brutale Gewalt. Die Ukraine braucht mehr zur Verteidigung, nicht weniger», teilte das Ministerium auf dem Portal X mit.

Schäden und viele Verletzte in Kiew

Angriffe gab es laut Selenskyj auch in anderen Städten, darunter Dnipro, Sumy und Charkiw. Der Schwerpunkt war Kiew, wo Augenzeugen von starkem Rauchgestank und Qualmwolken auch im Zentrum der Hauptstadt nach den Attacken berichteten. Laut Bürgermeister Vitali Klitschko gab es allein in Kiew 24 Verletzte und Schäden an der Infrastruktur. Zwölf Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden, wie Klitschko in seinem Telegram-Kanal mitteilte. Nach Angaben des Zivilschutzes ist auch ein zehn Jahre altes Mädchen unter den Verletzten. 

Es gebe Schäden an Wohnhäusern, an Bildungs- und medizinischen Einrichtungen und der Verkehrsinfrastruktur. Auch mehrere Autos seien getroffen worden. Wegen der Zerstörungen an Bahngleisen gebe es Verzögerungen im Zugverkehr, hieß es.

Bei dem Angriff wurde auch das Konsulatsgebäude der polnischen Botschaft in Kiew beschädigt, wie Polens Außenminister Radoslaw Sikorski auf X schrieb. Die Mitarbeiter seien unverletzt. «Die Ukraine braucht dringend Mittel zur Flugabwehr», appellierte Sikorski. Die Botschaft selbst schrieb in einer Mitteilung von «unbedeutenden Schäden» an Fassade und Dach, die mutmaßlich durch herabstürzende Drohnenteile verursacht wurden.

«Härteste Sanktionen» gegen Russland gefordert

Sybiha forderte «härteste Sanktionen» des Westens gegen Russland, um das Land zu bestrafen. Zudem müssten die Verbündeten der Ukraine die notwendigen Mittel für die Verteidigung liefern. «Falsche Entscheidungen können den Aggressor nur zur Eskalation des Terrors anspornen», sagte er. Das sei dann auch eine Ermutigung für jedes «verbrecherische Regime» in der Welt. Die Ukraine drängt die westlichen Verbündeten immer wieder zur Stärkung der Flugabwehr. 

Erst am Dienstag war bekanntgeworden, dass die USA die Lieferung einiger Waffen - darunter auch Flugabwehrraketen - an die Ukraine gestoppt haben. Das US-Verteidigungsministerium erklärte dazu, dass die USA dabei seien, ihre eigenen Fähigkeiten zu überprüfen – und auch Hilfen für andere Länder gestoppt hätten. Ministeriumssprecher Sean Parnell betonte jedoch auch, dass die amerikanischen Streitkräfte alles hätten für jeden Einsatz weltweit.

Der ukrainische Staatschef Selenskyj setzt darauf, zeitnah mit Trump über den teilweisen Waffenlieferstopp sprechen zu können. Manches könnten die europäischen Staaten nicht liefern, etwa Raketen für die so wichtigen Patriot-Flugabwehrsysteme, sagte er am Donnerstag im dänischen Aarhus.

Russisches Verteidigungsministerium: 48 Drohnen zerstört

In ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg griff die Ukraine das Nachbarland erneut mit Drohnen an. Im Gebiet Rostow starb dabei eine Rentnerin nach dem Einschlag einer Drohne in einem zweigeschossigen Wohnhaus, wie die Behörden mitteilten. Das Haus mit acht Wohnungen musste demnach evakuiert werden. Nördlich von Moskau, in der Stadt Sergijew Possad, gab es laut Behörden zwei Verletzte nach einem Drohnenangriff.

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Morgen mit, dass insgesamt 48 ukrainische Drohnen zerstört worden seien. Zu den massiven Angriffen auf Kiew erklärte das Ministerium in Moskau, dass es sich um Schläge gegen Produktionsstätten für Drohnen und andere mobile militärische Komplexe gehandelt habe.

Russland und die Ukraine tauschten ungeachtet der Gefechte erneut Kriegsgefangene aus. Grundlage waren die in Istanbul getroffenen Vereinbarungen, wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte. Dort hatten russische und ukrainische Unterhändler bereits zweimal solche humanitären Aktionen vereinbart. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Austausch in seinem Telegram-Kanal. Über die Anzahl der freigekommenen Soldaten wurde erneut nichts bekanntgegeben.

Konflikte / Krieg / Ukraine / Russland / USA / Deutschland
04.07.2025 · 16:04 Uhr
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