Asien zieht davon – M&A-Geschäft in der APAC-Region legt kräftig zu
Mit einem Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr dominiert die Asien-Pazifik-Region (APAC) derzeit das weltweite M&A-Geschehen. Laut Bloomberg-Daten entwickelt sich das Übernahmevolumen dort deutlich dynamischer als in den USA mit einem Zuwachs von 13 Prozent – und lässt Europa, wo die Volumina um 14 Prozent zurückgingen, klar hinter sich.
Vor allem Großtransaktionen wie der geplante Verkauf des Hafenportfolios von CK Hutchison Holdings sowie die Umstrukturierung des Handelskonzerns Seven & i Holdings stützen die Entwicklung. Goldman Sachs, als einziger Berater an der Hutchison-Transaktion beteiligt, führt aktuell das globale M&A-Berater-Ranking an.
Raghav Maliah, Global Vice Chairman of Investment Banking bei Goldman Sachs, verweist auf eine wachsende Risikobereitschaft in der Region: „Unternehmen und Finanzinvestoren in Asien zeigen deutlich mehr M&A-Aktivität als in den letzten drei Jahren.“ Besonders Japan und Südkorea profitieren von verbesserten Governance-Strukturen, was Investitionen erleichtere und das Vertrauen in die Märkte stärke.
Auch in China nimmt der Druck auf Investoren zu, Kapital zu allokieren oder bestehende Engagements zu veräußern, sagt Samson Lo, Co-Head APAC M&A bei UBS. Gerade Finanzinvestoren suchten gezielt nach Exit-Möglichkeiten.
Doch trotz dieser Dynamik ist die Unsicherheit hoch. „Geopolitik und neue Regulierungsmaßnahmen wie US-Zölle sorgen für Zurückhaltung“, erklärt Richard Wong, Leiter APAC M&A bei Morgan Stanley. „Deals brauchen derzeit länger bis zur Umsetzung.“
Insbesondere in Hongkong boomt das „Take-private“-Segment. Unternehmen wie China Mobile und der US-Investor I Squared Capital interessieren sich für die Übernahme des Telekommunikationsanbieters HKBN. Gleichzeitig strebt der Großaktionär von ENN Energy die vollständige Kontrolle an – bewertet wird der chinesische Gasanbieter mit rund 11,6 Milliarden US-Dollar.
Die Börse Hongkongs zählt 2024 zu den aktivsten der Welt. Xiaomi und BYD sammelten allein im März elf Milliarden US-Dollar über Kapitalmaßnahmen ein. Auch sogenannte „Secondary Listings“ wie der geplante fünf Milliarden Dollar schwere Börsengang von CATL sorgen für weiteres Momentum.
In Indien hat sich die Lage nach einem IPO-Rekordjahr 2024 zunächst abgekühlt. Doch laut Citigroup-Banker Rahul Saraf könnte die Aktivität in der zweiten Jahreshälfte wieder zunehmen. Die anhaltende geopolitische Unsicherheit dominiert zwar weiterhin alle Gespräche, doch Saraf zeigt sich vorsichtig optimistisch. Auch Barclays sieht das M&A-Potenzial in Indien in den kommenden 12 bis 18 Monaten steigen.
Opportunistische Transaktionen dürften auch in Südostasien zunehmen, meint Antonio Puno von Bank of America. Gefragt seien vor allem Health Care, Digitalinfrastruktur und Finanzdienstleister.
„Es gibt definitiv gute Dynamik im Markt“, fasst Morgan Stanleys Wong zusammen. „Die Frage ist, wie viel davon tatsächlich in Abschlüssen münden wird.“

