Anthropic verschärft KI-Schock – Software- und Datenaktien brechen ein
KI greift Kernbereiche der Branche an
Anthropic stellte am Freitag neue Plug-ins vor, die juristische Recherchen, Vertriebsanalysen, Marketingauswertungen und Datenaufbereitung automatisieren können.
Damit zielt das Unternehmen direkt auf Segmente, in denen klassische Anbieter bislang mit:
- Abonnements
- Nutzerlizenzen
- spezialisierten Datenbanken
- beratungsintensiven Services
hohe Margen erwirtschafteten.
Die Sorge: KI könnte diese Leistungen kostengünstiger und skalierbarer ersetzen.
Historische Verluste bei Thomson Reuters und RELX
Besonders hart traf es Thomson Reuters. Die Aktie brach um fast 18 Prozent ein – der stärkste Tagesverlust der Unternehmensgeschichte. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf rund 33 Prozent.
Auch europäische Anbieter gerieten massiv unter Druck:
- RELX: minus 14 Prozent
- Wolters Kluwer: minus rund 13 Prozent
- Experian, Sage, LSEG, Pearson: Verluste zwischen 6 und 12 Prozent
Analysten sprechen von einer „aggressiven Neubewertung“, da die bisherige „Visibilitätsprämie“ für stabile, planbare Einnahmen erodiere.
Bewertungsmodell gerät ins Wanken
Das strukturelle Problem:
Viele dieser Unternehmen basieren auf dem Modell „Preis pro Nutzer“ oder „Preis pro Datenzugang“. Wenn KI-Tools erlauben, mit weniger Personal mehr Output zu generieren, schrumpft die Zahlungsbereitschaft für klassische Lizenzmodelle.
Ein Marktteilnehmer formulierte es so:
Der Markt schießt zuerst – und stellt später Fragen.
Die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung mache langfristige Bewertungsmodelle zunehmend unsicher.
Werbebranche ebenfalls betroffen
Auch Werbekonzerne litten unter der KI-Angst:
- Omnicom: minus 11 Prozent
- Publicis: minus über 9 Prozent
- Pinterest: minus 5,6 Prozent
- Snap: minus 8,4 Prozent
Die Befürchtung: KI automatisiert kreative und datengetriebene Prozesse, die bislang Agenturen und Plattformen vorbehalten waren.
Tech-Giganten mitgezogen
Der Abverkauf blieb nicht auf Spezialanbieter beschränkt.
Auch große US-Technologiewerte schlossen schwächer:
- Nvidia: –2,8 %
- Microsoft: –2,9 %
- Meta: –2,1 %
- Oracle: –3,4 %
Der Nasdaq verlor 1,43 Prozent.
Struktureller Wendepunkt?
Der Kurssturz markiert möglicherweise mehr als eine kurzfristige Reaktion.
Er offenbart einen fundamentalen Perspektivwechsel: KI ist nicht nur Produktivitätswerkzeug für etablierte Softwareanbieter – sie wird selbst zum direkten Wettbewerber.
Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf Informationsasymmetrie oder arbeitsintensiver Analyse basiert, geraten besonders unter Druck.
Die zentrale Frage lautet nun:
Wer integriert KI erfolgreich in sein eigenes Angebot – und wer wird durch sie substituiert?


