Fall Fabian

Anklage: Ex-Freundin des Vaters soll Fabian getötet haben

28. April 2026, 12:56 Uhr · Quelle: dpa
Auftakt Mordprozess im Fall Fabian
Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Die Angeklagte sitzt mit Aktendeckel vor dem Gesicht zwischen ihren Verteidigern Andreas Ohm (l-r) und Thomas Löcker.
Der achtjährige Fabian wird an einem Teich erstochen. Die Ex-Freundin des Vaters steht unter Tatverdacht. Sie soll das Kind getötet haben, weil sie das Aus der Beziehung zum Vater nicht akzeptierte.

Rostock (dpa) - Nach nur 16 Minuten ist der erste Verhandlungstag zu Ende. Die Anklage im Fall des am 10. Oktober 2025 getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow ist kurz und heftig. Fabians Mutter und die des Mordes an ihrem Sohn angeklagte 30-jährige Tatverdächtige trennen keine zehn Meter. Im Gerichtssaal 2.002 des Landgerichts Rostock sitzen rund 80 Zuschauer und 30 Medienvertreter. Die Angeklagte wird um Punkt 9.30 Uhr in Fußfesseln in den Saal geführt und hält sich einen roten Aktendeckel vors Gesicht. 

Sie ist laut Staatsanwaltschaft die Ex-Freundin von Fabians Vater, mit dem sie bis August 2025 etwa vier Jahre lang zusammen war. Seit 7. November 2025 sitzt sie in U-Haft. Von Fabians Mutter, die persönlich als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, lebt der Vater getrennt.

Zu Beginn der Beziehung zwischen der Angeklagten und Fabians Vater habe der Junge diesen noch regelmäßig besucht - auch, um mit dem etwas jüngeren Sohn der Angeklagten zu spielen. Der Kontakt brach demnach aber ab, nachdem Fabian eine körperliche Auseinandersetzung zwischen seinem Vater und der Beschuldigten miterlebt hatte. Erst nach der Trennung der beiden habe Fabian seinen Vater wieder regelmäßig besucht von Freitag bis Sonntag. 

Am 9. Oktober 2025 - dem Tag vor Fabians Verschwinden - machte der Vater laut Staatsanwalt der Angeklagten per Chat-Nachricht klar, dass er die Beziehung nicht wieder aufleben lassen wolle, auch um den Kontakt zu seinem Sohn nicht zu gefährden.

Der Tattag 

Die Geschehnisse des Folgetags, eines Freitags, schilderte die Anklage detailliert. Die Angeklagte sei erbost über die endgültig erscheinende Trennung gewesen und mit ihrem Auto um 10.43 Uhr zur Wohnung von Fabian und dessen Mutter in Güstrow gefahren.

Der Grundschüler war an dem Tag zu Hause geblieben, weil er sich nicht gut fühlte. Die Mutter war zur Arbeit gegangen. Wie die damals 29-jährige Frau den Jungen dazu bewegte, in ihr unweit geparktes Auto zu steigen, ist unklar. Doch Fabian stieg ein. Im Auto war auch der Hund der Angeklagten.

Mit dem Wagen fuhren sie in ein Waldstück zwischen der L11 und dem Lähnwitzsee südwestlich von Güstrow. Dort habe die Frau ihren Hund kurz laufenlassen und ihr Smartphone deaktiviert. Dann fuhren sie den Angaben zufolge über einen Feldweg Richtung Klein Upahl, etwa 15 Kilometer von Güstrow entfernt, und gingen an eine Art Tümpel. 

Dort habe die Angeklagte plötzlich ein Messer mit einer Klingenlänge von mindestens zehn Zentimetern und einer Breite von mindestens 1,5 Zentimetern gezogen und mindestens sechsmal auf den Jungen eingestochen. Zwei Stiche gingen ins Herz. Fabian starb an dem Tag zwischen 10.50 Uhr und 13.00 Uhr. 

Während die Anklage verlesen wurde, sitzt Fabians Mutter mit geradem Rücken und wie versteinert auf ihrem Stuhl. Sie fixiert die Angeklagte mit festem Blick. Ihre Anwältin Christine Habetha sitzt neben ihr. Die persönliche Begegnung mit der Angeklagten falle ihrer Mandantin sehr schwer, sagt sie vor Beginn der Verhandlung. Am Donnerstag, dem zweiten Prozesstag, wird die Mutter als Zeugin aussagen. Am Nachmittag ist der Vater als Zeuge geladen. 

Beziehungs-Aus als Tatmotiv? 

Gerade den Vater halten die beiden Verteidiger der Angeklagten - Andreas Ohm und Thomas Löcker - für einen zentralen Zeugen. Sie wollen ihn auch zur Beziehung zu der Angeklagten fragen, kündigten sie an. Das Verhältnis scheint auch nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft eine wichtige Rolle zu spielen.

Die Angeklagte, die selbst Mutter ist, habe ziel- und zweckgerichtet gehandelt, um durch die Tötung des Jungen einen Streitpunkt in der Beziehung zum Vater aus dem Weg zu räumen, hieß es in der Anklage.

«Dabei vernichtete sie bedenkenlos das Leben des 8-jährigen Kindes für die vage Hoffnung auf Wiederaufnahme einer für sie auch monetär vorteilhaften Beziehung.» Demnach gehen die Ermittler auch von finanziellen Gründen aus. Denn ohne die Beziehung fürchtete die Frau laut Anklage, ihren Lebensstil nicht fortführen zu können. 

Um die Spuren der Tat zu verwischen, soll die Angeklagte den Leichnam des Jungen noch am selben Nachmittag angezündet haben. Gefunden wurde Fabian erst vier Tagen später am 14. Oktober 2025. Die inzwischen Angeklagte hatte selbst den Fund gemeldet. Damals war noch von einer Spaziergängerin die Rede.

Chance auf einen Abschluss

Die Frau will sich laut ihren Verteidigern vorerst nicht zur Sache äußern. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass sich dies im Laufe des Verfahrens ändere. Der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer, Holger Schütt, appellierte an die Medienvertreter, möglichst objektiv und nicht in vorverurteilender Weise zu berichten. «Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung», sagte Schütt. Insgesamt sind bis zum 2. Juli 16 weitere Verhandlungstage angesetzt. Über 60 Zeugen sollen gehört werden. 

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Vier Tage lang suchten damals zahlreiche Einsatzkräfte den Grundschüler. Dabei kamen Spürhunde, Boote und ein Hubschrauber zum Einsatz. Nach der Tat hatte in Güstrow laut Bürgermeister Sascha Zimmermann eine Art Schockstarre geherrscht. 

Vom Prozess erhofft sich Zimmermann, der den Auftakt selbst im Gerichtssaal verfolgte, nun Aufklärung. Vielleicht werde es für die Familie keinen Frieden geben, aber doch die Chance auf einen Abschluss.

Kriminalität / Prozess (Gericht) / Kinder / Mecklenburg-Vorpommern / Deutschland / Mordfall
28.04.2026 · 12:56 Uhr
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