Angriff auf das Vertrauen: Wieder Schließfach-Einbruch bei der Sparkasse – und die Sicherheitsfrage wird drängender
Einbruch am Vormittag: Minuten reichten aus
Nach Angaben der Polizei verschafften sich mindestens zwei Täter Zugang zum Tresorraum einer Sparkassenfiliale in der Preußenstraße. Wie sie in den gesicherten Bereich gelangten, ist bislang ungeklärt. Der Zugang erfolgt regulär über eine spezielle Kundenkarte in Kombination mit einem persönlichen Code – ein System, das eigentlich unbefugtes Eindringen verhindern soll.
Fest steht: Die Einbrecher hatten nur ein sehr enges Zeitfenster. Innerhalb weniger Minuten brachen sie mit Werkzeug eine zweistellige Zahl von Schließfächern auf. Kurz darauf löste ein interner Alarm aus. Die Täter flüchteten zu Fuß, noch bevor die Polizei eintraf.
Unter 50 Fächer betroffen – Schaden noch unklar
Nach ersten Ermittlungen liegt die Zahl der gewaltsam geöffneten Schließfächer im unteren zweistelligen Bereich, also unter 50. Ob und in welchem Umfang Wertgegenstände entwendet wurden, ist derzeit offen. In dem besonders gesicherten Raum befanden sich auch unvermietete, möglicherweise leere Fächer.
Die Sparkasse will nun alle betroffenen Kunden kontaktieren und gemeinsam klären, welche Inhalte in den Schließfächern lagerten und ob Verluste entstanden sind. Die Polizei selbst kann aus Datenschutzgründen keine Auskunft darüber geben, wer konkret betroffen ist.
Fahndung nach bis zu drei Tätern
Die Ermittler schließen nicht aus, dass ein dritter Tatbeteiligter beteiligt war. Entsprechend wurden Personenbeschreibungen von drei Männern veröffentlicht. Gesucht werden etwa 1,80 Meter große Personen mit schmaler Statur und ungepflegtem Erscheinungsbild.
Ein Tatverdächtiger soll blondes, zotteliges Haar, eine blaue Jacke und eine ausgebeulte Jeans getragen haben, dazu eine dunkelblaue Stofftasche. Der zweite trug ein weißes Cappy, eine dunkle Jacke mit Camouflage-Muster, dunkle Schuhe und eine bunte Plastiktüte. Ein möglicher dritter Mann war mit schwarzem Kapuzenmantel, blauen Jeans, blauen Sneakern und weißer Mütze bekleidet. Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise.
Parallelen zu Gelsenkirchen: Ein strukturelles Problem?
Der Einbruch in Wilhelmshaven kommt nur wenige Wochen nach dem spektakulären Fall in Gelsenkirchen. Dort waren Täter im Dezember über eine Tiefgarage in eine Sparkassenfiliale eingedrungen und hatten sich über Tage hinweg in den Tresorraum mit Tausenden Schließfächern gebohrt. Der Schaden ging in die Millionen, einzelne Kunden verloren Vermögenswerte im sechsstelligen Bereich. Inzwischen laufen mehrere Klagen gegen die Sparkasse.
Beide Fälle zeigen: Das klassische Schließfach, jahrzehntelang Symbol maximaler Sicherheit, ist kein unangreifbarer Ort mehr. Professionell organisierte Täter testen systematisch Schwachstellen – in der baulichen Sicherung, in Zugangskontrollen und in der Alarmtechnik.
Vertrauen als größte Währung der Banken
Für die Institute steht weit mehr auf dem Spiel als der materielle Schaden. Das Geschäftsmodell „Schließfach“ basiert auf Vertrauen: Kunden lagern dort Bargeld, Schmuck, Gold, Dokumente – Dinge, die sie bewusst aus dem eigenen Zuhause in einen vermeintlich sichereren Ort verlagern.
Jeder erfolgreiche Einbruch untergräbt dieses Vertrauen. Die Frage, die sich nun nicht nur Kunden in Wilhelmshaven stellen, sondern die gesamte Branche: Reichen die bisherigen Sicherheitskonzepte noch aus – oder braucht es ein neues, technologisch und organisatorisch höheres Schutzniveau für den Tresorraum der Zukunft?


