Terrorismus

Angeklagter gesteht Terrorpläne für Taylor-Swift-Konzert

28. April 2026, 14:03 Uhr · Quelle: dpa
Prozess um mutmaßlichen Anschlag auf Swift-Konzert startet
Foto: Matthias Schrader/AP/dpa
Der Hauptangeklagte im Prozess um die abgesagten Taylor-Swift-Konzerte in Wien hat Anschlagspläne gestanden.
Eine Schrapnell-Bombe war schon fast fertig. Ihre Explosion hätte ein Blutbad unter Swift-Fans anrichten können. Im Terror-Prozess gibt es ein Geständnis und eine befremdende Aussage.

Wiener Neustadt (dpa) - Im Prozess um die abgesagten Taylor-Swift-Konzerte in Wien hat der Hauptangeklagte Terrorpläne gestanden. Er bekenne sich in diesem Punkt schuldig, sagte der 21-jährige Beran A. zum Auftakt des Verfahrens vor dem Landesgericht Wiener Neustadt. 

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln eine Schrapnell-Bombe fast fertiggestellt. Ziel waren nach bisherigen Ermittlungen die Swift-Fans vor dem Konzertgelände. Der Terrorakt sollte am 9. August 2024 erfolgen, dem Datum des zweiten von drei Swift-Konzerten im Ernst-Happel-Stadion. Fragen und Antworten rund um den Prozess: 

Wie sahen die Pläne laut Behörden aus?

Eine Variante des Plans von Beran A. soll laut früheren Ermittlungen gewesen sein, mit seinem Auto in vor dem Stadion wartende Swift-Fans zu rasen und mit Sprengstoff sowie Hieb- und Stichwaffen Menschen mit in den Tod zu reißen. 

Welche Gesinnung hatte der Angeklagte?

Lange habe für ihn Religion keine herausragende Rolle gespielt, sagte der 21-Jährige vor Gericht. Spätestens Anfang 2024 habe sich das unter dem Einfluss von Islamisten geändert. Er habe sich auch mit dem Terroranschlag 2020 in Wien beschäftigt. Dabei hatte ein Islamist vier Menschen getötet und viele Passanten verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Er habe die globale Aufmerksamkeit für diese Tat als «krass» empfunden, zumal der Täter aus seinem Nachbardorf in Nordmazedonien stammte, so der Angeklagte. Nach seiner Darstellung bereute er jedoch seine Radikalisierung und auch den Schaden, den er damit für seine Familie verursacht hat. 

Was passierte kurz vor den Konzerten?

Der Hinweis eines US-Geheimdienstes führte die österreichischen Ermittler auf die Spur von Beran A. Er wurde am 7. August 2024 an seinem Wohnsitz in Ternitz in Niederösterreich festgenommen. Er hatte laut Polizei am 25. Juli seinen Job gekündigt und dabei gesagt, dass er noch Großes vorhabe. In der Folge begann er der Justiz zufolge mit konkreten Vorbereitungen des Anschlags. Nach damaliger Darstellung der Regierung war die Bedrohungslage «sehr ernst». Sicherheitshalber wurden alle drei Konzerte in Wien mit erwarteten 200.000 Besuchern vom Veranstalter abgesagt.

Wer ist noch angeklagt?

Auf der Anklagebank sitzt noch der gleichaltrige Verdächtige Arda K.. Der Slowake hat laut Justiz mit den Anschlagsplänen auf das Swift-Konzert nichts zu tun. Bei ihm - wie zusätzlich beim Hauptangeklagten - geht es aber um den Verdacht der Bildung einer Terrorzelle. 

Was hat es mit dem Verdacht einer «Terrorzelle» auf sich?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten sowie ein in Saudi-Arabien in Haft sitzender Islamist eine anschlagsbereite Terrorzelle bildeten. Laut Justiz waren die Verdächtigen, die sich von der Schule kannten, Anhänger der Terror-Miliz «Islamischer Staat» (IS). Sie sollen im März 2024 jeweils allein zu von ihnen geplanten Anschlägen nach Istanbul, Dubai und Mekka gereist sein. Ein Mitglied des Trios stach mehrere Sicherheitsbeamte in Mekka nieder und wurde festgenommen. Beran A. und Arda K. dagegen kehrten unverrichteter Dinge aus Istanbul und Dubai zurück.

Was war die «Eras»-Tour?

Die sechste große Konzerttournee von Taylor Swift (36) begann im März 2023 in den USA und endete im Dezember 2024 im kanadischen Vancouver. Mit der Welttournee wollte die Musikerin alle bis dahin veröffentlichten Alben und ihre «musikalischen Epochen» feiern. Im Sommer 2024 kam Swift für Konzerte nach Europa - unter anderem nach Großbritannien, Italien, Polen und Deutschland. 

Was machten die angereisten Swift-Fans nach der Absage?

Viele Tausend Fans von Taylor Swift feierten in der Wiener Innenstadt auch ohne ihr Idol. Die meist jungen Menschen sangen die Songs des Megastars, tauschten Armbänder und machten unzählige Selfies. Einige Lokale boten den Fans als Trostpflaster für das entgangene Vergnügen Gratis-Getränke an.

Wie hat Swift damals reagiert?

Rund zwei Wochen schwieg Swift zu dem Thema - und spielte währenddessen fünf ausverkaufte Konzerte in London. Dann schrieb sie auf Instagram, aus Vorsicht habe sie zunächst schweigen wollen, bis die Konzerte in London über die Bühne gegangen seien. «Der Grund für die Absagen hat in mir ein neues Gefühl der Angst ausgelöst und eine große Schuld, weil so viele Menschen geplant hatten, zu den Shows zu kommen», schrieb Swift. Aber sie sei auch den Behörden dankbar, «denn dank ihnen haben wir um Konzerte getrauert und nicht um Leben». 

Gab es Anschläge auf andere Musikevents?

Ja. 2017 hatte ein 22 Jahre alter islamistischer Selbstmordattentäter nach einem Konzert von US-Sängerin Ariana Grande in Manchester einen Sprengsatz gezündet und 22 Menschen mit in den Tod gerissen. Unter den Opfern waren viele Jugendliche. Etwa 800 Menschen wurden verletzt oder traumatisiert. Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. 

Welche Strafen drohen den Angeklagten?

Den Angeklagten drohen bis zu 20 Jahre Haft. Entscheidend für die Höhe der Strafe ist die Frage, ob beide Verdächtige den mutmaßlichen Komplizen zu dessen Tat in Saudi-Arabien, die als versuchter Mord gilt, ermutigt haben. Für die Vorbereitung eines Terrorakts - wie beim Swift-Konzert - fällt die mögliche Strafhöhe deutlich niedriger aus. Für den Prozess sind bisher vier Verhandlungstage anberaumt. Am 21. Mai könnte ein Urteil fallen.

Prozess (Gericht) / Terrorismus / Musik / Leute / Österreich / USA / Islamischer Staat
28.04.2026 · 14:03 Uhr
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