Analyse: Stunde der Entscheidung in Ägypten

02. Februar 2011, 23:05 Uhr · Quelle: dpa

Kairo (dpa) - Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat sich bewegt, ein bisschen. Aber genügen seine Zugeständnisse, um der Protestwelle die Spitze zu nehmen? Am Mittwoch überschlagen sich die Ereignisse in Kairo.

Der harte Kern der Anti-Mubarak-Demonstranten protestiert auf dem Tahrir-Platz weiter lautstark gegen den Präsidenten, um seinen sofortigen Rücktritt und den Rücktritt der von ihm ernannten Regierung zu erreichen. Gleichzeitig versammeln sich nicht weit von ihnen Anhänger der Nationaldemokratischen Partei (NDP), um ihre Loyalität zu Mubarak zu bekunden. Unter ihnen sind Schlägertrupps. Sie attackieren die Demonstranten. Einige von ihnen haben Messer dabei.

Auf der politischen Ebene geht es an diesem sonnigen Wintertag in Kairo kaum weniger turbulent zu. Die Parteichefs und unabhängigen Persönlichkeiten, die den Volksaufstand in den vergangenen Tagen unterstützt haben, versuchen, sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen.

Es gibt Oppositionelle, die dafür werben, Mubaraks Rückzugs-Angebot anzunehmen. Doch vor allem die Muslimbrüder, deren Mitglieder in den vergangenen Jahren immer wieder drangsaliert und inhaftiert wurden, trauen dem Präsidenten nicht. Sie wollen das ganze Regime heute noch kippen und zwar inklusive der Polizeiführung, die sie für die Misshandlung unbescholtener Bürger in Polizeiwachen und Gefängnissen des Landes verantwortlich machen.

Auch Eiman Nur, der Jahre im Gefängnis verbracht hat, weil er es 2005 gewagt hatte, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren, ist unversöhnlich. «Was er angeboten hat, reicht nicht, denn es war ohnehin klar, dass Mubarak nicht noch einmal kandidieren würde, sondern dass er den Platz für seinen Sohn Gamal freihalten wollte», sagt Nur.

Auch unter jenen Ägyptern, die sich dafür aussprechen, den von Mubarak vorgeschlagenen Kompromiss anzunehmen, sind viele, die das Ende seiner 30-jährigen Herrschaft herbeisehnen. Dass sie Mubarak trotzdem nicht zum sofortigen Rücktritt zwingen wollen, ist eher eine pragmatische Entscheidung als ein Zeichen von Sympathie für den 82-jährigen Dauerregenten. Sie glauben, dass man von der Armeeführung, die in Ägypten im Hintergrund die Strippen zieht, jetzt nicht mehr bekommen wird, ohne eine weitere Eskalation der Lage auf den Straße zu riskieren. Denn die Armee ist offensichtlich nicht bereit, einer selbst ernannten Übergangsregierung die politische Macht zu übergeben. «Geht nach Hause!», rufen die Generäle den Demonstranten beider Seiten am Mittwoch zu.

Zu den unabhängigen Persönlichkeiten, die jetzt dafür plädieren, Schritt für Schritt weitere Forderungen durchzusetzen, um einen Machtwechsel herbeizuführen, der gleichzeitig radikal und friedlich ist, gehören der christliche Geschäftsmann Naguib Sawiris und der frühere Minister Kamal Abul Magd. Sie treffen sich am Mittwoch mit einer Gruppe von Mitstreitern, die wie sie parteilos sind. Sie sind alle fürchterlich aufgeregt. «Ich bin noch ganz aufgewühlt von meiner Begegnung mit den Demonstranten», erklärt der Milliardär Sawiris, als er im Kairoer Studio des Nachrichtensenders Al-Arabija Platz nimmt. «Sind Sie von den Demonstranten bedrängt worden», fragt der Moderator. «Nein, im Gegenteil, sie haben mich hochleben lassen», gibt der Unternehmer vor Freude strahlend zurück.

Sawiris kann noch gar nicht fassen, dass in Ägypten plötzlich jeder offen seine Meinung sagt. Wie zuvor schon in Tunis, so ist nun auch in Ägypten binnen weniger Tage ein ganzes Volk vom Wind der Meinungsfreiheit erfasst worden. Selbst Mubarak, der für seine Sturheit berühmt ist, kann sich diesem neuen Geist nicht ganz entziehen. In seiner Fernsehansprache am Dienstagabend verzichtet er zwar nicht ganz auf den üblichen Pomp. Und er kann es auch nicht lassen, die Muslimbrüder zu beschimpfen - auch wenn er sie nicht namentlich erwähnt. Doch er spricht zum ersten Mal auch als Mensch. «Ich will in diesem Land sterben», sagt er. Er klingt wie jemand, der weiß, dass er möglicherweise nicht mehr lange zu leben hat.

Unruhen / Ägypten
02.02.2011 · 23:05 Uhr
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