Analyse: Russland steht unter Schock

28. Februar 2015, 10:59 Uhr · Quelle: dpa

Moskau (dpa) - Von vier tödlichen Schüssen getroffen liegt die Leiche des russischen Oppositionsführers Boris Nemzow auf der großen Moskwa-Brücke am Kreml. Ermittler untersuchen am Tatort den entblößten Oberkörper des 55-Jährigen, wie das Staatsfernsehen in der Nacht zeigt.

Die Bluttat, in Sichtweite des Kreml - mitten im Herzen der russischen Hauptstadt, löst in blitzartiger Schnelle landesweit und international Entsetzen aus.

Der scharfe Putin-Gegner soll in Begleitung einer jungen Ukrainerin nach einem Essen in einem Restaurant unterwegs gewesen sein, als auf der Brücke ein Auto anhält - der Täter feuert dem prominenten Regierungsgegner vier Kugeln in den Rücken. Die Frau überlebt. Der Killer flüchtet. Fieberhaft nehmen Ermittler die Fahndung auf. Sie hoffen vor allem auf Aufnahmen der in Moskau allgegenwärtigen Videoüberwachung.

Russland steht unter Schock - wieder stirbt ein namhafter Kremlgegner. Der eiskalte Mord erinnert an die tödlichen Schüsse auf die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja von 2006, die vor ihrer Wohnung starb.

Alles deute auf einen Auftragsmord aus politischen Motiven hin, sagen die Ermittler. Es handele sich «hundertprozentig» um eine Provokation, meint Putins Sprecher Dmitri Peskow. Der Präsident verurteile den «brutalen Mord».

Wie stets bei solchen politischen Verbrechen in Russland richten sich rasch alle Augen auf den Kreml. Und wie fast immer ist der Machtapparat rasch dabei, jeden Verdacht zu zerstreuen. Die offizielle Lesart: Solche Morde schaden dem Präsidenten eher als das sie ihm politisch nützen. «Bei aller Achtung für das Andenken Boris Nemzows - in politischer Hinsicht hat er keine Bedrohung dargestellt (...) für die amtierende Führung Russlands und für Wladimir Putin», betont Peskow in einem Radiointerview.

Der frühere Vize-Regierungschef hat sich zwar immer wieder mit scharfer Kritik an Putins Politik hervorgetan - vor allem zuletzt mit Protesten gegen die «russische Aggression» gegen die Ukraine. Doch die Anhängerschaft des früheren Reformers der 1990er Jahr gilt als gering.

Gleichwohl zweifelt niemand daran, dass Nemzow jede Menge Feinde hatte besonders im Lager der ultranationalistischen und extremististischen Patrioten. Wegen seiner engen Kontakte zur prowestlichen ukrainischen Regierung zog Nemzow in seiner Heimat offenen Hass und den Vorwurf des Verrates auf sich. Dass er hoffte, der Funken der proeuropäischen Revolution auf dem Maidan in Kiew vor einem Jahr könne auf Moskaus überspringen, hat längst zu einer Gegenbewegung unter dem Namen «Anti-Maidan» in Russland geführt.

An diesem Sonntag wollte Nemzow bei einem Frühlingsmarsch in Moskau auftreten, der ersten großen Oppositionsaktion dieses Jahres - ein organisierter Protest gegen Putins Ukraine-Politik, die aus Sicht des Kremlgegners Russland in den Abgrund stürzt. Doch ob es zu dem Marsch wie vorgesehen kommt, ist unklar.

Der Oppositionsführer und frühere Regierungschef Michail Kasjanow will die Aktion absagen - und durch eine Gedenkveranstaltung für den liberalen Politiker ersetzen. «Was ist aus Russland geworden?», fragt Kasjanow entsetzt im Radiosender Echo Moskwy. Die «Tragödie» zeuge davon, dass die Aggression zunehme in Russland.

Viele Wegbegleiter von Nemzow sprechen mit zitternder Stimme von einem großen Verlust für demokratisch denkende Menschen im größten Land der Erde. Dutzende kommen noch in der Nacht zum Tatort, um Kerzen anzuzünden und Blumen auf den Asphalt zu legen.

Auch das russische Staatsfernsehen bringt Trauermusik mit Bildern eines bewegten Politikerlebens. In der Ukraine gibt es im Fernsehen eine Gedenkminute. Kiews prowestliche Führung - allen voran Präsident Petro Poroschenko - äußert sich schockiert über den Mord.

Wie kaum jemand in der russischen Opposition galt der sportliche und attraktive Nemzow als großer Charismatiker. Er ist für viele Russen aber auch Inbegriff der chaotischen 1990er Jahre. Vor allem sah er sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, die zersplitterte Opposition Russland nicht vereinen zu können.

Kriminalität / Opposition / Russland / Ukraine
28.02.2015 · 10:59 Uhr
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