Analyse: Rentenreform mit Wirkungen und Nebenwirkungen

16. Januar 2014, 17:42 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Zum ersten Mal seit langer Zeit wird es wieder richtige Verbesserungen für Rentner geben - freilich nicht für alle. Das Rentenpaket von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), seit diesem Donnerstag in der Welt, hat es in sich.

Ältere Mütter, langjährige Beitragszahler und Frührentner dürfen sich freuen. Die Rechnung für die Wohltaten werden aber vor allem die Jüngeren bezahlen müssen. Teurer wird es in jedem Fall. Ob am Ende alles so kommt wie geplant, muss allerdings abgewartet werden. Denn noch ist das Gesetz vom Kabinett nicht einmal abgesegnet.

Schon jetzt steht aber fest: Das Rentenpaket wird die teuerste Reform dieser Legislaturperiode - und sie wirkt weit darüber hinaus. «Ziel ist, das hohe Maß an sozialer Sicherheit im Alter auch in Zukunft zu erhalten», heißt es in der Begründung zu dem Entwurf, der spätestens im Juni alle parlamentarischen Hürden überwunden haben soll. Ob die Union aber in allen Punkten mitzieht, ist noch dahingestellt.

Was das Paket kostet, hat Nahles detailliert aufführen lassen: Die kostspieligste Maßnahme ist die Mütterrente, die schon im kommenden Jahr mit 6,7 Milliarden Euro zu Buche schlägt - und aus der Rentenkasse bezahlt wird. Jahr für Jahr sind ab 2015 für das Rentenpaket zwischen 9,0 und 11,0 Milliarden Euro Mehrausgaben veranschlagt.

Eifrige Rechner haben das prompt auf der Zeitschiene bis 2020 zusammengezählt und kommen damit zu noch gewaltigeren Zahlen: Dann sind es gleich 60 Milliarden Euro. Es ist freilich eine fragwürdige Betrachtungsweise, verteilt sich die auf den ersten Blick gigantische Summe doch auf immerhin sieben Jahre.

Die Befürworter der Reform heben die positiven Wirkungen hervor. «Mit dem Rentenpaket schließen wir die vorhandenen Gerechtigkeitslücken», sagt SPD-Fraktionsvize Carola Reimann. Es helfe vor allem Menschen, die lange und hart gearbeitet hätten oder dies aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr tun könnten. «Deshalb ist es richtig, dass wir für diese Menschen Geld in die Hand nehmen.»

Die Kehrseite ist: Von den Verbesserungen sind viele ausgeschlossen. Die abschlagfreie Rente ab 63 Jahren begünstigt vor allem männliche Facharbeiter - aber nur jene, die vor 1963 geboren sind, also die heute schon über 50-Jährigen. Sie werden von der stufenweisen Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ausgenommen. Übrigens: Die Facharbeiter sind für die SPD schon immer eine der wichtigsten Wählergruppen.

Doch Frustration ist bereits absehbar. Wer etwa 1960 geboren ist, 45 Jahre lang gearbeitet und Beiträge bezahlt hat und sich Hoffnung auf eine abschlagfreie Rente mit 63 gemacht hat, dürfte enttäuscht sein: Er oder sie muss bis 64 Jahre und vier Monate - also fast eineinhalb Jahre länger - im Job bleiben, um ohne Abschlag in Rente gehen zu können. Denn der Eintritt ist im Konzept nach Jahrgängen gestaffelt.

Von der verbesserten Mütterrente werden etwa 9,5 Millionen ältere Frauen profitieren, die Kinder vor 1992 zur Welt gebracht haben. Das belastet erst einmal die Rentenkasse erheblich, hilft im Zweifel im Kampf gegen Altersarmut aber eher wenig: Den Aufschlag sollen all jene bekommen, die Kinder erzogen haben. Auch die Zahnarztgattin, die auf den Zuschlag wahrscheinlich nicht angewiesen ist. Weil diese Wählergruppe eher konservativ wählt, waren deren Interessen besonders der CSU ein Herzensanliegen.

Dass die Mütterrente aus der Rentenkasse - also aus Beitragsgeldern - bezahlt wird, ist Kritikern ein Dorn im Auge. Konsequent wäre es, diese gesellschaftspolitische Leistung aus dem Steuersäckel zu begleichen, meint nicht nur die Opposition. Nahles konnte dem Berliner Kassenwart Wolfgang Schäuble (CDU) aber nur ein kleines Zugeständnis abringen: Zwischen 2019 und 2022 wird der Bundeszuschuss zur Rente um bis zu zwei Milliarden Euro aufgestockt. Derzeit sind es bereits 81 Milliarden Euro.

Fest steht auch: Die Milliarden-Mehrbelastungen bleiben nicht ohne Auswirkung auf die Beiträge - und damit auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Zwar soll der aktuelle Beitragssatz von 18,9 Prozent bis 2018 stabil bleiben. Danach geht es allerdings schneller nach oben als bislang prognostiziert: 2019 sieht der Entwurf von Nahles 19,7 Prozent vor - statt wie bislang angenommen 19,1 Prozent. 2025 sind es nach neuer Rechnung dann schon 20,8 Prozent. Nach bisheriger Prognose sollte der Rentenbeitrag zu jenem Zeitpunkt erst bei 20,3 Prozent liegen.

Rente
16.01.2014 · 17:42 Uhr
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