Amazon zieht sich aus britischem Laden-Geschäft zurück, setzt auf Online-Boom
Die Schließung aller 19 Amazon Fresh Stores in Großbritannien markiert ein bemerkenswertes Kapitel in der Geschichte des Online-Giganten Amazon: Der Versuch, den britischen Lebensmittelmarkt zu erobern, hat sich als herausfordernd erwiesen. Seit der Eröffnung des ersten kassenlosen Geschäfts in West-London im Jahr 2021 hat das Unternehmen nun das Handtuch geworfen und seine verbleibenden Filialen im Land geschlossen. Diese Entscheidung unterstreicht die harten wirtschaftlichen Realitäten im britischen Lebensmittelhandel, die selbst für einen der mächtigsten Einzelhändler der Welt nicht leicht zu bewältigen sind.
Während Amazon in den USA weiterhin Amazon Fresh Stores und die gehobenen Whole Foods Markets betreibt, konzentriert sich die Strategie in Großbritannien nun verstärkt auf den Ausbau der Online-Lieferdienste. Trotz sinkender physischer Präsenz im Land bleibt Großbritannien nach den USA und Deutschland ein wichtiger Markt für Amazon. Das Unternehmen plant, die Lieferung von Lebensmitteln über seine britische Hauptwebsite auszuweiten und mit Supermärkten wie Morrisons, Co-op und Iceland sowie dem Lieferdienst Gopuff zu kooperieren.
Zudem stehen zum Jahr 2026 Konvertierungen von fünf der Amazon Fresh Standorte in Whole Foods Market Stores an. Analysten schätzen jedoch, dass Amazons Marktanteil im britischen Lebensmittelwelt trotz dieser ambitionierten Pläne bei unter einem Prozent bleibt – ein Wert, der in starkem Kontrast zu seinem hohen Börsenwert steht.
Die Herausforderungen beim Aufbau einer erfolgreichen Infrastruktur für Lebensmittelvertrieb in Großbritannien wurden von Amazon möglicherweise unterschätzt, wie Berichte ehemaliger Mitarbeiter und Branchenexperten nahelegen. Im Gegensatz zu physischen Verkaufsgesprächen könnten Partnerschaften im Online-Bereich jedoch profitabler ausfallen, da hier Kommissionen ohne logistische Belastungen anfallen.
Mit Blick auf 2030 prognostiziert Amazon auf Basis einer PwC-Studie eine deutliche Verschiebung des Lebensmittelhandels ins Internet. Obwohl der aktuelle Online-Anteil am gesamten britischen Lebensmittelmarkt noch bei 13,4% liegt, sieht Amazon darin erhebliches Wachstumspotential. Auch wenn die Prognose ambitioniert erscheint, plant Amazon, sein Online-Geschäft auf diese Zukunft auszurichten.

