Nach Gipfel in Alaska

Alaska-Gipfel mit Trump: Wie Putin sich durchsetzte

16. August 2025, 16:56 Uhr · Quelle: dpa
Der Gipfel in Alaska verlief für Putin erfolgreich, ohne sichtbare Zugeständnisse. Experten sehen Risiken für die Ukraine und die transatlantische Allianz.

Washington/Brüssel/Berlin (dpa) - Für Wladimir Putin hätte der Gipfel mit US-Präsident Donald Trump in Alaska wohl kaum besser laufen können: Empfang auf dem roten Teppich, Gespräch auf Augenhöhe und dann auch noch die Rücknahme der Forderung nach einem Waffenstillstand als Bedingung für Friedensgespräche. Das alles, ohne dass der russische Präsident sichtbare Zugeständnisse gemacht hätte.

In Kiew und bei den europäischen Verbündeten der USA dürfte die Katerstimmung am Tag nach dem Treffen in Anchorage hingegen groß sein. Zwar wurde das schlimmste Szenario - ein Deal über den Kopf der Ukrainer hinweg - vorerst nicht zur Realität. Doch die Ernüchterung ist deutlich spürbar. 

Selenskyj soll nach Washington kommen

«Unsere Sichtweise ist: zuerst eine Waffenruhe und danach alles andere», sagte ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Fernsehen. Sollten die Kampfhandlungen während der Gespräche weiterlaufen, gebe es «große Risiken für eine Erpressung der Ukraine», so der Berater.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas lobte zwar Trumps Entschlossenheit, ein Friedensabkommen zu erzielen. Sie warnte aber: «Die harte Realität ist jedoch, dass Russland nicht die Absicht hat, diesen Krieg in absehbarer Zeit zu beenden.» Putin spiele auf Zeit.

Ob die USA bereit sind, der Ukraine Sicherheitsgarantien zu geben, wie europäische Staats- und Regierungschefs mitteilten, wurde aus den USA zunächst nicht bestätigt. Sicher ist nur, dass Selenskyj am kommenden Montag nach Washington reisen soll. Dass es zu einem Dreier-Gipfel mit Putin kommen wird, wie der Ukrainer fordert, ist unwahrscheinlich.

Absage an Forderung nach Waffenstillstand

Trump hatte zunächst Selenskyj und dann auch die Nato-Verbündeten per Telefon über den Verlauf des Gesprächs mit Putin informiert. In seinem Kurznachrichtendienst Truth Social schrieb er dann, alle seien sich einig gewesen, der beste Weg für einen Frieden in der Ukraine sei es, direkt ein Friedensabkommen zu erreichen - und kein Waffenstillstandsabkommen, das oft nicht halte. 

Den Gipfel mit Putin bezeichnete Trump als «großartigen und sehr erfolgreichen Tag». Wenn beim Besuch Selenskyj in Washington alles klappe, werde ein Treffen mit Putin vereinbart. 

Vor dem Gespräch mit dem russischen Staatschef hatte Trump noch auf eine sofortige Waffenruhe gedrungen. Für die europäischen Verbündeten war dies in den Tagen vor dem Gipfel eines der wichtigsten Anliegen. «Ein Waffenstillstand muss am Anfang stehen», hatte Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich gemacht. Am Samstag würdigte der CDU-Vorsitzende Trumps Absicht, ein umfassendes Friedensabkommen schnell herbeizuführen. «Wenn das gelingt, ist das mehr wert als ein Waffenstillstand, der möglicherweise über Wochen andauert - ohne weitere Fortschritte in den politischen, diplomatischen Bemühungen.»

Aus europäischer Sicht eine Katastrophe

Dass Trump nun offenbar auf die russische Linie einschwenkt, gilt als schwere Niederlage für die transatlantische Allianz. Der Politikwissenschaftler Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität München sagte der «Bild»: «Indem Trump eine sofortige Waffenruhe ausschlägt und stattdessen ein "Friedensabkommen" verhandeln will, hat er sich auf Putins Seite gestellt. Das ist aus europäischer Sicht eine Katastrophe.»

Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew triumphierte. «Das Treffen hat gezeigt, dass Verhandlungen ohne vorherige Bedingungen und gleichzeitig mit der Fortsetzung der militärischen Spezialoperation möglich sind», schrieb Medwedew bei Telegram. Mit militärischer Spezialoperation bezeichnet Russland offiziell den Krieg gegen die Ukraine.

Völlig unklar war, ob Putin Zugeständnisse gemacht hat bei dem etwa dreistündigen Gespräch mit Trump. Nach Angaben aus Moskau war ein Dreier-Treffen mit Trump, Putin und Selenskyj jedenfalls kein Thema. 

Europäer: USA zu Sicherheitsgarantien bereit

US-Senator Lindsey Graham äußerte dagegen die Hoffnung, ein solcher Dreier-Gipfel könne den Durchbruch zu einem Frieden noch vor Weihnachten bringen. Wenn es nicht zu einem solchen Treffen kommen sollte, forderte er Konsequenzen für Putin und «diejenigen, die sein Öl und Gas kaufen».

Die Frage, ob die USA als Garantiemacht für einen Frieden zur Verfügung stehen, blieb aus Washington unbeantwortet. In einer Stellungnahme mehrerer europäischer Staats- und Regierungschefs - unter ihnen Kanzler Merz - hieß es, man begrüße, dass Washington zu Sicherheitsgarantien bereit sei. 

Eine Zustimmung der Ukraine zu einer Verhandlungslösung sei nur vorstellbar, wenn sie sicher sein könne, dass ihre staatliche Existenz und Souveränität effektiv gewahrt bleibe, hieß es zudem aus Regierungskreisen in Berlin.

Koalition der Willigen berät

Der britische Premier Keir Starmer sagte einer separaten Mitteilung zufolge: «Ich begrüße die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, gemeinsam mit Europa im Rahmen eines Abkommens der Ukraine solide Sicherheitsgarantien zu geben.» 

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte, der Druck auf Russland müsse aufrechterhalten werden. Gleichzeitig sprach auch er sich für robuste Sicherheitsgarantien aus. Noch am Sonntag sollt eine Videoschalte der «Koalition der Willigen» stattfinden, wie es vom Élysée-Palast in Paris hieß. Darunter werden die Verbündeten Kiews verstanden, die die zur Unterstützung einer Mission zur Friedenssicherung bereit sind. Macron werde die Besprechung gemeinsam mit Bundeskanzler Merz und dem britischen Premier Starmer leiten. 

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni teilte mit, Trump habe die italienische Idee einer kollektiven Schutzklausel nach dem Vorbild von Artikel 5 der Nato aufgegriffen. Diese würde es der Ukraine Meloni zufolge ermöglichen, auf die Unterstützung aller ihrer Partner, einschließlich der USA, zu zählen, die bereit sind, im Falle eines erneuten Angriffs zu intervenieren. Von US-Seite gab es dazu jedoch zunächst keine konkreten Äußerungen. 

Selenskyj teilte mit Blick auf seinen Washington-Besuch am Montag mit: «Alle Details über das Ende des Mordens, über das Ende des Krieges werde ich mit Präsident Trump in Washington am Montag besprechen.» Es müsse ein echter Frieden erreicht werden, nicht nur eine weitere Pause zwischen russischen Invasionen.

Krieg / Konflikte / Gipfel / Regierung / Diplomatie / USA / Russland / Ukraine
16.08.2025 · 16:56 Uhr
[20 Kommentare]
Auswärtiges Amt
Berlin (dpa) - Das Auswärtige Amt kritisiert scharf die jüngsten Drohungen Russlands gegen die Ukraine und ausländische Diplomaten. Nach der Aufforderung Russlands, dass ausländische Bürgerinnen und Bürger Kiew verlassen sollen, bestellte das Auswärtige Amt den russischen Botschafter in Berlin ein, wie es auf der Plattform X mitteilte. Russland setze […] (00)
vor 10 Minuten
Anne Hathaway
(BANG) - Anne Hathaway war aufgrund eines geheim gehaltenen Gesundheitsproblems zehn Jahre lang auf dem linken Auge "gesetzlich blind". Die 43-jährige Schauspielerin aus 'Der Teufel trägt Prada 2' verriet, dass sie während ihrer Dreißigerjahre unter Sehproblemen litt. Bei ihr wurden früh einsetzende Katarakte (Grauer Star) diagnostiziert, wodurch sie […] (00)
vor 3 Stunden
watchOS 27 bringt verbessertes Herzfrequenz-Tracking für die Apple Watch
In seinem aktuellen Power On-Newsletter berichtet der renommierte Bloomberg-Redakteur Mark Gurman, dass das kommende watchOS 27 das Herzfrequenz-Tracking der Apple Watch optimieren wird. Während diese Verbesserung für Sportler spannend ist, müssen sich Nutzer auf den neuen KI-Gesundheitscoach wohl noch etwas länger gedulden. Apple Watch, Bild: […] (00)
vor 3 Stunden
Warhorse bestätigt: Das neue Kingdom Come wird ein Open World RPG – und kommt ohne Henry
Warhorse Studios hat still und heimlich seinen Status als One-Hit-Wonder des Mittelalter-RPGs abgelegt. Das tschechische Studio, das mit Kingdom Come: Deliverance 2 über vier Millionen Einheiten verkaufte, arbeitet parallel an zwei AAA-Projekten: einem Open World RPG in Tolkiens Mittelerde – und einem neuen Kingdom Come Abenteuer, das sich vom […] (00)
vor 5 Stunden
Staffel 20: «Bergdoktor» operiert auch 2027
Die Dreharbeiten mit Hans Sigl und Co. steigen noch bis Dezember - die Ausstrahlung ist für Anfang 2027 anberaumt. 20. Staffel der ZDF-Erfolgsserie: Seit Ende April entstehen in Ellmau und Umgebung neue Folgen vom Publikumsliebling "Der Bergdoktor". Neben Hans Sigl in der Titelrolle spielen erneut in den Hauptrollen Heiko Ruprecht, Monika Baumgartner, Ronja Forcher, Mark Keller, Natalie O'Hara, […] (00)
vor 5 Stunden
SC Paderborn 07 - VfL Wolfsburg
Paderborn (dpa) - Nach dem ebenso bitteren wie verdienten Abstieg aus der Fußball-Bundesliga wollten die Wolfsburger Spieler nur noch weg. Reden über das aus ihrer Sicht Unfassbare tat kein Profi mehr. Nachdem sie minutenlang mit leeren Blicken vor ihren schockierten und wütenden Fans gestanden hatten, verschwanden die Grün-Weißen in der Paderborner […] (02)
vor 1 Stunde
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Das Pi Network ist eine der ungewöhnlicheren Geschichten in der Kryptowelt. Im Gegensatz zu den meisten Token, die zunächst Liquidität aufbauen und dann nach Nutzern suchen, hat das Team von Pi jahrelang eine mobile Community aufgebaut, bevor es sich durch ein Token-Generierungsereignis dem breiteren Kryptomarkt öffnete. Die Frage, ob das Pi Network […] (00)
vor 32 Minuten
Weitere Förderung für Healthcare Accelerator in Regensburg
Regensburg, 26.05.2026 (PresseBox) - Mit dem BioPark Jump hat Regensburg eine neue Anlaufstelle für Gründer aus den Bereichen der Lebenswissenschaften und Gesundheitswirtschaft geschaffen. Das erfolgreiche Projekt erhält für weitere 3 Jahre eine Förderung. Die BioPark Regensburg GmbH, ein Unternehmen der Stadt Regensburg, erhält eine weitere Förderung vom Bayerischen Staatsministerium für […] (00)
vor 1 Stunde
 
Karsten Wildberger (Archiv)
Berlin - Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) dringt angesichts der Enzyklika des […] (00)
Belgische Polizei (Archiv)
Buggenhout - Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Zug der belgischen Eisenbahnen und […] (00)
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Dienstag mit leichten Kursverlusten in den Handelstag […] (00)
Kinderreport 2026: Chancengerechte Bildung
Berlin (dpa) - Halb so viele Grundschüler mit mangelnden Mathekenntnissen, mehr […] (00)
Giulia Gwinn und Christian Wück
Frankfurt/Main (dpa) - Ohne Kapitänin Giulia Gwinn müssen die deutschen […] (00)
SpaceX unter Druck: Starship-Start könnte Börsengang entscheidend beeinflussen
SpaceX im Fokus: Der kritische Starship-Test SpaceX steht an einem Wendepunkt. Der […] (00)
Milly Alcock
(BANG) - Milly Alcock hatte Angst davor, in 'Supergirl' mitzuspielen. Die […] (00)
Wer kennt das nicht: Eine App lädt zu langsam, das Menü wirkt unübersichtlich — und […] (00)
 
 
Suchbegriff