Abschied vom Zeitungskiosk: Die "taz" setzt auf Digital
Nach mehr als vierzig Jahren im Print verabschiedet sich die linke Tageszeitung "taz" von ihrer werktäglichen Papierausgabe und wendet sich dem digitalen Zeitalter zu. Ab sofort wird das Blatt von Montag bis Freitag ausschließlich als E-Paper angeboten und erscheint nur noch samstags als gedruckte Wochenzeitung. Diesen bedeutenden Wandel leitet die "taz" unter dem Motto "Solidarität und Aufbruch" ein.
Die letzte Printausgabe ist ein besonderes Sammlerstück: Sie enthält Beiträge prominenter Autorinnen und Autoren wie T.C. Boyle, Francesca Melandri, Fatma Aydemir, Sibylle Berg und Feridun Zaimoglu. Die Redaktion nimmt ihre Leser mit auf eine kreative Reise ihrer eigenen Geschichte – erzählt als fesselnder Agententhriller und künstlerisch gestaltet von Christian Jankowski.
Bei einer Feier aus Anlass des letzten Print-Auftritts lobte Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour die "taz" für ihre provokante und faktenbasierte Berichterstattung. In anerkennenden Worten fasste er zusammen, dass die Zeitung mehr als 476 Mal im Plenarprotokoll des Bundestags erwähnt wurde, mehr als manche politischen Parteien. Angesichts des hohen wirtschaftlichen Drucks auf die Presselandschaft nannte er den Schritt, auf digital umzustellen, nachvollziehbar, wenn auch bedauerlich.
Der Wandel deutet auf den wachsenden Trend in der Verlagswelt hin, bei dem Medienhäuser zunehmend in digitale Formate investieren. Die "taz", 1978 gegründet, verlässt ihre comfort zone jedoch nicht aus der Not.
Chefredakteurin Barbara Junge betont, dass der Wechsel aus einer Position der Stärke heraus vollzogen wird. Sie sieht Qualitätsmedien als unverzichtbaren Bestandteil der demokratischen Kultur, die gerade in der heutigen gesellschaftlichen Situation von enormer Bedeutung sind.
Der Abschied von der täglichen Printausgabe markiert zweifellos das Ende einer Ära für die "taz", die seit ihrer Gründung im linken Medienspektrum fest verankert ist. Für viele Leserinnen und Leser war sie insbesondere für ihre pointierte Seite 1 ein Muss. Die Zukunftsaufgabe besteht nun darin, diesen Scharfsinn und Witz im digitalen Raum ebenso erfolgreich zu etablieren.

