Abschiebezahlen stagnieren, Zahl der Rückkehrer gesunken

22. Dezember 2018, 08:29 Uhr · Quelle: dpa

Berlin/Düsseldorf (dpa) - Ausreisepflichtige Ausländer haben in diesem Jahr deutlich seltener Programme für die freiwillige Rückkehr aus Deutschland in ihre Heimatländer genutzt als 2017. Das geht aus Zahlen des Bundesinnenministerium hervor.

Demnach haben sich die Fallzahlen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum auf rund 14.000 halbiert - mit Abweichungen in einzelnen Bundesländern.

In den vergangenen Jahren hätten viele Asylsuchende aus den Balkan-Staaten die Starthilfen in Anspruch genommen, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Diese Gruppe sei inzwischen aber nicht mehr so stark vertreten.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte: «Es gibt viele Ausreisepflichtige, die aus wirtschaftlichen Gründen zu uns gekommen sind. Gerade diese Menschen sind oftmals schwer zu einer freiwilligen Rückkehr zu bewegen.» Zusätzlich schürten «grüne Forderungen nach Abschiebungsstopps» in bestimmte Länder «falsche Hoffnungen». Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU), unterstrich: «Freiwillige Ausreisen setzen einen hohen Abschiebedruck voraus.»

Ende Oktober waren rund 235.000 Ausländer in Deutschland ausreisepflichtig. Die meisten von ihnen - fast 178.000 - werden allerdings aus humanitären Gründen geduldet.

Bei den Abschiebungen zeigt sich kaum eine Entwicklung: In diesem Jahr wurden bis Ende Oktober bundesweit 20.122 Ausländer abgeschoben und damit nur 103 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Derzeit scheiterten bundesweit rund 40 Prozent der Abschiebungen an Widerständen der Herkunftsländer, berichtete Stahlknecht.

Deutschland gehört zu den zehn Ländern, die weltweit am meisten Flüchtlinge aufnehmen. Die Vereinten Nationen haben jüngst einen Flüchtlingspakt geschlossen, der diese Länder besser unterstützen soll. Allerdings ist er rechtlich nicht bindend.

Nordrhein-Westfalens Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) kündigte an, einen «Migrationsgipfel» aller Bundesländer zu initiieren, da Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bislang nicht tätig geworden sei. Erste Gespräche liefen bereits, sagte er der dpa. Wesentliche Hindernisse seien noch immer fehlende Rückführungsabkommen mit den Herkunftsländern.

Darauf pochen - parteiübergreifend - viele Landesinnenminister. «Der Abschiebeverzug lässt sich nur beschleunigen, wenn die Herkunftsländer besser kooperieren», unterstrich Niedersachsens Amtschef Boris Pistorius (SPD). «Das ist Sache des Bundes, der entsprechende Rücknahmeabkommen abschließen muss.» Bei Ländern, die nicht kooperieren, sollten «als Druckmittel» weniger Visa für die Bundesrepublik ausgestellt werden, schlug er vor.

«Für schnellere und effektivere Abschiebungen ist es zudem wichtig, dass wir Länder mit einer äußerst geringen Anerkennungsquote konsequent zu sicheren Herkunftsstaaten erklären, unterstrich Herrmann. «Ich denke hier vor allem an Georgien und die drei Maghreb-Länder Tunesien, Morokko und Algerien.» Grün mitregierte Länder sollten dies nicht länger blockieren. Allgemein beklagt wurde zudem die mangelnde Möglichkeit, größere Gruppen per Charterflug abzuschieben.

Die Bundesregierung sei im Gespräch mit allen relevanten Hauptherkunftsländern, versicherte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Mit etlichen Staaten habe es bereits Fortschritte gegeben, die zu einer besseren Identifizierung und Rückführung Ausreisepflichtiger geführt hätten.

Infolgedessen habe sich etwa die Zahl der Abschiebungen nach Marokko von 2015 bis 2017 auf 634 verzehnfacht. Die Zahl der Abschiebungen nach Tunesien sei fast um das Fünfzehnfache auf 251 geklettert. Ähnliche Entwicklungen gebe es für Algerien. Nach vorläufigen Zahlen setze sich der Trend in diesen Ländern bislang fort. Auch die Zusammenarbeit mit Indien habe sich seit Anfang 2018 «erheblich verbessert». Mit der Türkei, Ghana oder dem Iran sei die Kommunikation allerdings weiterhin schwierig, bemängelte Caffier.

Stamp würde auf einem Migrationsgipfel gerne erörtern, ob freiwillige Ausreisen «in befriedete Gebiete nach Syrien» gefördert werden könnten. Mehrere Minister verwiesen zudem auf den akuten Mangel an Abschiebehaftplätzen. «Abschiebungen gelingen erfahrungsgemäß oft nur, wenn sie aus der Abschiebungshaft beziehungsweise aus dem Ausreisegewahrsam heraus erfolgen», berichtete Herrmann. Mit rund 130 Plätzen stelle Bayern etwa ein Drittel der bundesweiten Kapazitäten.

Ein schwieriges Thema in dem Gesamtkomplex seien Verbrechen von Flüchtlingen an Frauen, sagte Stamp. «Das vergiftet das Klima.» Zwar gebe es keine signifikante Steigerung der Kriminalitätsraten durch den Zuzug. «Bei bestimmten alleinreisenden jungen Männern aus Ländern mit extrem patriarchalen Strukturen hat es aber eine Zunahme bei Übergriffen gegeben. Wer das leugnet, macht einen Fehler.» Wenn solche Verbrecher nicht außer Landes gebracht werden könnten, müsse das Strafrecht konsequent ausgeschöpft werden.

Parallel sei dafür zu sorgen, dass gut integrierte Ausländer aus Kettenduldungen herausgeholt würden, um regulär in Deutschland leben und arbeiten zu können, forderte Stamp, der bundesweit mit einer rechtswidrigen, weil voreiligen Abschiebung des als islamistischer Gefährder eingestuften Sami A. für Schlagzeilen gesorgt hatte. «Kein Bürger versteht, warum Sami A. frei herumläuft und gut Integrierte abgeschoben werden.» Zumindest für NRW will der FDP-Politiker bereits im Januar einen Bleiberechtserlass vorlegen.

Migration / Flüchtlinge / Abschiebungen / Ausländer / Deutschland
22.12.2018 · 08:29 Uhr
[9 Kommentare]
Kläranlage (Archiv)
Berlin - Umweltminister Carsten Schneider (SPD) will, dass die Pharma- und Kosmetikindustrie dafür aufkommt, die Rückstände ihrer Produkte in Kläranlagen aus dem Wasser zu filtern. "Dass mit der Einführung der 4. Reinigungsstufe in Kläranlagen Mikroschadstoffe im Wasser reduziert werden sollen, ist ein großer Gewinn für den Gewässerschutz und die […] (00)
vor 22 Minuten
Patrice Aminati
(BANG) - Patrice Aminati gibt ein trauriges Gesundheits-Update. Die Influencerin erhielt vor über drei Jahren eine schlimme Diagnose: Sie leidet an schwarzem Hautkrebs. Seit einiger Zeit wird sie palliativ behandelt – die Krankheit gilt nicht mehr als heilbar. Nun macht die 30-Jährige beunruhigende Neuigkeiten öffentlich: Sie befindet sich […] (02)
vor 21 Stunden
Fashion-Influencer «Gramps»
Mainz (dpa) - Er hat rund 5,5 Millionen Follower auf Tiktok, noch mal knapp 2,5 Millionen auf Instagram: Der 80-jährige Alojz Abram - auch bekannt unter seinem Pseudonym «Gramps» - ist Mode-Influencer. Dabei wirkte er lange gar nicht modisch. Er hat sich gekleidet, wie man es von einem älteren Herrn in der Rente erwarten würde. «Unspektakulär», sagt […] (00)
vor 5 Stunden
Starfield DLC verrät neue Stadt – Fans hoffen auf echten Neustart
Es fühlt sich fast wie ein versteckter Blick hinter die Kulissen an: Neue Achievements zum kommenden DLC von Starfield sorgen gerade für Diskussionen in der Community. Denn was dort entdeckt wurde, klingt nach genau den Änderungen, die sich viele Spieler seit Release wünschen. Und plötzlich steht eine Frage im Raum: Bekommt Starfield endlich das […] (00)
vor 13 Stunden
Primetime-Check: Sonntag, 05. April 2026
Zum Ostersonntag gab es reichlich Highlights aus der TV-Landschaft. Ein Tatort-Abschied und das Traumschiff, Wer stiehlt mir die Show?, Wer wird Millinär? und Das Leben des Brian! Der Ostersonntag platzte gewissermaßen aus allen Primetime-Nähten! Das Erste verabschiedete mit dem Tatort: Unvergänglich das München-Duo Batic und Leitmayr. Den ersten Teil des Abschieds wollten sich 6,60 Millionen […] (00)
vor 1 Stunde
Cleveland Cavaliers - Indiana Pacers
New Orleans (dpa) - Die Orlando Magic um Basketball-Nationalspieler Franz Wagner dürfen nach einer Aufholjagd weiter auf die direkte Playoff-Teilnahme in der NBA hoffen. Das Team aus Florida drehte im Auswärtsspiel bei den New Orleans Pelicans einen Zwölf-Punkte-Rückstand in der zweiten Halbzeit und gewann mit 112: 108.  Damit liegt Orlando auf Platz […] (00)
vor 2 Stunden
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Bitcoin erlebte nach einem ruhigen Wochenende einen beeindruckenden Anstieg, der die Kryptowährung von etwas über $67.000 auf ein mehrtägiges Hoch von $69.600 trieb, wo sie auf Widerstand stieß. Bitcoin nähert sich $70.000 Die führende Kryptowährung durchlief eine äußerst volatile Woche, beeinflusst durch Entwicklungen im Konflikt mit Iran. Dies […] (00)
vor 39 Minuten
Epstein-Barr-Virus (EBV): Der weit verbreitete „Kussvirus“, der oft unterschätzt wird
Höchst i. Odw., 06.04.2026 (lifePR) - Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist eines der am weitesten verbreiteten Viren weltweit. Über 95 Prozent der erwachsenen Bevölkerung tragen das Virus lebenslang in sich, meist in latenter Form. Bekannt ist EBV vor allem als Auslöser des Pfeiffer’schen Drüsenfiebers (infektiöse Mononukleose), das mit Symptomen wie hohem […] (00)
vor 1 Stunde
 
Leuchtende Pflanzen statt Straßenlaternen? Glühwürmchen-Gene machen’s möglich!
Bis jetzt gibt es sie nur in den Gewächshäusern von Magicpen Bio: leuchtende […] (01)
Katherina Reiche (Archiv)
Berlin - In der Debatte um Entlastungen angesichts steigender Spritpreise übt der […] (03)
Supermond (Archiv)
Cape Canaveral - Die Crew der Mondmission "Artemis 2" hat die Einflusssphäre des […] (01)
kostenloses stock foto zu april, asien, blühen
Nacht zum Ostermontag: Abklingende Unwetter und Nebel In der Nacht zum Ostermontag […] (00)
Bauarbeiten und Sperrung Die Deutsche Bahn hat angekündigt, dass ein Abschnitt der […] (00)
ZDF diskutiert in Würzburg über Fake News
Beim Katholikentag widmet sich das ZDF den Herausforderungen der digitalen Öffentlichkeit. […] (00)
Ein Foto, ein Rätsel – deutet Naughty Dog eine Rückkehr von Uncharted an?
Manchmal braucht es kein offizielles Ankündigungsvideo, keinen Trailer und keine […] (00)
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds […] (00)
 
 
Suchbegriff